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Federal Office of Meteorology and Climatology MeteoSwiss

2008 und die Klimaerwärmung

Viele Leute haben das Jahr 2008 als eher kühl in Erinnerung. Im Gegensatz dazu zeigt die Auswertung von MeteoSchweiz, dass das Jahr 2008 rund 1°C wärmer war als normal. Worauf bezieht sich diese Aussage und was ist „normal“ in einer Zeit, in der sich das Klima weltweit verändert?

 

MeteoSchweiz publiziert Abweichungen vom sogenannten Standardnormwert. Der Standardnormwert ist ein 30 jähriges Mittel über eine Vergleichsperiode, der sogenannten Standardnormperiode. Diese ist momentan 1961-1990 [1]. Für die Jahrestemperatur im Schweizer Mittelland beträgt der Standardnormwert rund 9.1°C. „2008 war rund 1°C wärmer als normal“ bedeutet somit, dass die Jahrestemperatur 2008 etwa 1°C über der Durchschnittstemperatur von 1961-1990 lag (Abbildung 1).

 

Abbildungen 1-3:

Temperaturjahreswerte im Schweizer Mittelland und Abweichung 2008 von verschiedenen Referenzen (Zahl in Boxen).

1) 1961-1990 und Abweichung 2008 zur Standardnormperiode 1961-1990

2) 1979-2008 und Abweichung 2008 zur laufenden Normperiode 1979-2008

3) Erwartungswert und Abweichung 2008 aus Daten und Klimaszenario

 

 
Nun hat sich seit den 1980er Jahren das Klima, hauptsächlich bedingt durch die vom Menschen zusätzlich ausgestossenen Treibhausgase, beträchtlich erwärmt [2]. Was in den 1960er Jahren noch „normal“ war, empfinden die meisten heute bereits als eher kühl. Dies zeigt sich schön, wenn die Vergleichsperiode angepasst wird. Denn nimmt man anstatt der Referenzperiode 1961-1990 die letzten 30 Jahre 1979-2008 als Vergleichsperiode, ist das Jahr 2008 nur noch 0.25°C wärmer als „normal“ (Abbildung 2). Berücksichtigt man sogar beides, Messwerte und die von Computern berechnete zukünftige Entwicklung des Klimas [3], und berechnet davon ein Mittel (einen Klima-Erwartungswert), dann war 2008 um 0.1°C zu kalt oder fast völlig „normal“ (Abbildung 3).

 

Man kann noch einen Schritt weiter gehen und den in Abbildung 3 bestimmten Klima-Erwartungswert für 2008 mit einer Unsicherheit versehen. Dies führt zur Glockenkurve in Abbildung 3. Je weiter man sich am Rand der Kurve befindet, desto unwahrscheinlicher ist der zu erwartende Wert. Obwohl die Glocke recht breit ist (ca. 3°C), liegt der Standardnormwert von 9.1°C inzwischen an der unteren Grenze der heutzutage zu erwartenden Jahrestemperaturen. Das bedeutet, dass so kühle Jahre wie in den 60er, 70er und 80er Jahren in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen vorkommen dürften.

 

Dieses Beispiel zeigt auf, dass die Wahl der Vergleichsperiode die Aussagen über Abweichungen beträchtlich beeinflusst. Ein Konzept basierend auf dem Klima-Erwartungswert erlaubt dabei, das aktuelle Klima und die sich im Gange befindliche Klimaänderung zu verbinden, was für spezifische Anwendungen von Nutzen sein könnte. Für andere Anwendungen machen die klassischen Standardnormwerte als Referenz und Standardprodukt aber weiterhin Sinn. Sie stehen auf unserer Webseite gratis zum Download bereit.

 

Referenzen

[1] weitere Erläuterungen zu

Standardnormwerten und Referenzperioden
[2] Klimaänderung 2007: IPCC Bericht 2007 -

Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (pdf)
[3] OcCC:

Klimaänderung und die Schweiz 2050, 168 S., 2007

Simon Scherrer, Klimadienste MeteoSchweiz

 

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