MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

19. Juli 2010 / Andreas Asch, Daniel Gerstgrasser, Thomas Schlegel

 

Juli-Hitze 2010: eine Zwischenbilanz

 

"Wie's Wetter am Siebenschläfertag, so der Juli werden mag"- diese Bauernregel scheint sich dieses Jahr zu bestätigen. Denn ebenso sonnig und warm wie am 27. Juni 2010, dem Siebenschläfertag, gestaltete sich bisher auch das Juli-Wetter.

 

Viele Hitzetage, aber keine Rekordtemperaturen

Bis zum jetzigen Zeitpunkt (Stand 19. Juli) ist der Juli 2010 überdurchschnittlich heiss und sonnig. Die Temperaturen liegen bis jetzt zwischen 4 und 5 Grad über der Julinorm. Dies entspricht in etwa der Grössenordnung der bisher heissesten Julimonate von 1983 und 2006. Deutlich zeigt sich die Hitzeperiode in der Anzahl der Hitzetage. Je nach Standort wurden bereits 8 bis 11 Hitzetage, also Tage mit Höchsttemperatur über 30 Grad, registriert. Dies ist deutlich mehr als im langjährigen Mittel (siehe Tabelle). Die absoluten Hitzerekorde wurden aber nicht gebrochen. Hier stammen die meisten Werte aus dem Hitzesommer 2003. In Basel beispielsweise wurden damals 38.6 Grad registriert. Der diesjährige Höchstwert lag mit 35.7 Grad fast 3 Grad darunter.

 

  Höchsttemperatur 2010 Höchsttemperatur seit Messbeginn Anzahl Hitzetage 2010 Anzahl Hitzetage Norm 1961-1990
Zürich 32.7 (10. Juli) 36.0 (13.08.2003) 8 1.7
Basel 35.7 (14. Juli) 38.6 (13.08.2003) 10 3.4
Bern 32.9 (14. Juli) 36.7 (13.08.2003) 8 1.9
Genf 35.6 (14. Juli) 38.9 (28.07.1921) 11 4.6
Lugano 31.8 (06. Juli) 37.1 (21.07.1983) 11 1.2
Säntis 18.0 (10. Juli) 20.6 (27.07.1983) - -

 

Viel Sonne, besonders im Westen sehr trocken

Diese hochsommerliche Wetterphase äusserte sich nicht nur in der Hitze, sondern war auch durch viel Sonnenschein gekennzeichnet. Bis zum 19. Juli 2010 wurden bereits etwa 80 Prozent der für Juli üblichen Sonnenscheindauer registriert. Da sich die Gewitter besonders auf die Berge und die Ostschweiz konzentrierten, ist es bisher von der Westschweiz über das Seeland bis zur Region Basel ausgesprochen trocken. So fielen hier erst zwischen 0 und 20 Prozent der Juliniederschläge. An der Messstation Genf beispielsweise wurde diesen Monat erst 0.2 mm Regen gemessen. Im langjährigen Mittel wären an dieser Station etwa 67 mm Regen zu erwarten. Gegen die Alpen hin und dann auch in der Ostschweiz sorgten Schauer oder Gewitter wiederholt für Niederschläge (siehe auch hier).

 

Weitgehend hochdruckbestimmtes Wetter

Die Wetterlage ist charakterisiert durch ein kräftiges Azorenhoch, das immer wieder Hochdruckgebiete abschnürt und über Mitteleuropa ziehen lässt. Dadurch wiederholt sich der ähnliche Wetterablauf alle paar Tage wieder (vergleiche als Beispiele Abb. 1 bis 3):

 

Bodenwetterkarte 16. Juli 2010

Abb. 1: Bodenwetterkarte 16. Juli 2010

Tageswetterbulletin.pdf, 378 KB
 
Bodenwetterkarte 17. Juli 2010

Abb. 2: Bodenwetterkarte 17. Juli 2010

Tageswetterbulletin.pdf, 382 KB
 
Bodenwetterkarte 18. Juli 2010

Abb. 3: Bodenwetterkarte 18. Juli 2010

Tageswetterbulletin.pdf, 380 KB
8. Juli 2010: In der frisch eingeflossenen und vom Hoch abgetrockneten Luft herrscht für sommerliche Verhältnisse eine ausgesprochen gute Fernsicht. Der Blick geht oberhalb von Braunwald/GL nach Süden, im Vordergrund rechts ist der Ortstock (2717 m), im Hintergrund links der Tödi (3614 m) zu erkennen.

Abb. 4: 8. Juli 2010. In der frisch eingeflossenen und vom Hoch abgetrockneten Luft herrscht für sommerliche Verhältnisse eine ausgesprochen gute Fernsicht. Der Blick geht oberhalb von Braunwald/GL nach Süden, im Vordergrund rechts ist der Ortstock (2717 m), im Hintergrund links der Tödi (3614 m) zu erkennen. (Bild: D. Gerstgrasser)

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3. Juli 2010: Mächtige, zu Gewitterwolken heranwachsende Wolkentürme reihen sich aneinander. Blick von Thalwil/ZH nach Norden.

Abb. 5: 3. Juli 2010. Mächtige, zu Gewitterwolken heranwachsende Wolkentürme reihen sich aneinander. Blick von Thalwil/ZH nach Norden. (Bild: D. Gerstgrasser)

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Am Tag an dem sich das Hoch über dem Alpenraum aufbaut ist es praktisch ohne Einschränkungen sonnig und warm - aber noch nicht sehr heiss (Abb. 3 und 4). Die an der Südflanke des Hochs wehende schwache Bise führt jeweils auch eher trockene Luft zur Alpennordseite. In der Folge zieht das Hoch ostwärts ab, und über der Schweiz stellt sich eine Südwestlage ein. Damit wird aus Südwesten feuchtwarme und zunehmend instabil geschichtete Luft zugeführt und es wird gewitterhaft (Abb. 1 und 5). Die Hauptaktivität der Kaltfront findet jeweils nördlich der Schweiz statt. Bei uns macht sich die Kaltfront als Gewitterstörung vor allem an den Voralpen und Alpen bemerkbar (Abb. 2). Ein Luftmassenwechsel erfolgt jeweils nur kurzzeitig und wenig nachhaltig. Hinter der Front erreicht bereits der nächste Hochausläufer von Westen her die Schweiz und der beschriebene Ablauf beginnt von vorne.

Die erwähnten Gewitterstörungen sorgen vor allem in den unteren Luftschichten für eine Abkühlung, die Nullgradgrenze liegt trotz Schwankungen seit dem 22. Juni immer deutlich über dem langjährigen Mittel (Abb. 6).

 

Gemessene Höhe der Nullgradgrenze (gelb) verglichen mit der mittleren Höhe (grün), anhand von Radiosondendaten aus Payerne

Abb. 6: Verlauf der Höhe der Nullgradgrenze (gelb) verglichen mit dem langjährigen klimatologischen Mittel grün), anhand von Radiosondendaten aus Payerne. Grafik: MeteoNetwork, bearbeitet; Daten: MeteoSchweiz.

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9. Juli: Davos mit Flüela- und Silvrettagebiet

Gute Fernsicht im Hoch

10. Juli: Flüelatal

10. Juli: Flüelatal

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