"Wie's Wetter am Siebenschläfertag, so der Juli werden mag"- diese Bauernregel scheint sich dieses Jahr zu bestätigen. Denn ebenso sonnig und warm wie am 27. Juni 2010, dem Siebenschläfertag, gestaltete sich bisher auch das Juli-Wetter.
Viele Hitzetage, aber keine Rekordtemperaturen
Bis zum jetzigen Zeitpunkt (Stand 19. Juli) ist der Juli 2010 überdurchschnittlich heiss und sonnig. Die Temperaturen liegen bis jetzt zwischen 4 und 5 Grad über der Julinorm. Dies entspricht in etwa der Grössenordnung der bisher heissesten Julimonate von 1983 und 2006. Deutlich zeigt sich die Hitzeperiode in der Anzahl der Hitzetage. Je nach Standort wurden bereits 8 bis 11 Hitzetage, also Tage mit Höchsttemperatur über 30 Grad, registriert. Dies ist deutlich mehr als im langjährigen Mittel (siehe Tabelle). Die absoluten Hitzerekorde wurden aber nicht gebrochen. Hier stammen die meisten Werte aus dem Hitzesommer 2003. In Basel beispielsweise wurden damals 38.6 Grad registriert. Der diesjährige Höchstwert lag mit 35.7 Grad fast 3 Grad darunter.
| Höchsttemperatur 2010 | Höchsttemperatur seit Messbeginn | Anzahl Hitzetage 2010 | Anzahl Hitzetage Norm 1961-1990 | |
| Zürich | 32.7 (10. Juli) | 36.0 (13.08.2003) | 8 | 1.7 |
| Basel | 35.7 (14. Juli) | 38.6 (13.08.2003) | 10 | 3.4 |
| Bern | 32.9 (14. Juli) | 36.7 (13.08.2003) | 8 | 1.9 |
| Genf | 35.6 (14. Juli) | 38.9 (28.07.1921) | 11 | 4.6 |
| Lugano | 31.8 (06. Juli) | 37.1 (21.07.1983) | 11 | 1.2 |
| Säntis | 18.0 (10. Juli) | 20.6 (27.07.1983) | - | - |
Viel Sonne, besonders im Westen sehr trocken
Diese hochsommerliche Wetterphase äusserte sich nicht nur in der Hitze, sondern war auch durch viel Sonnenschein gekennzeichnet. Bis zum 19. Juli 2010 wurden bereits etwa 80 Prozent der für Juli üblichen Sonnenscheindauer registriert. Da sich die Gewitter besonders auf die Berge und die Ostschweiz konzentrierten, ist es bisher von der Westschweiz über das Seeland bis zur Region Basel ausgesprochen trocken. So fielen hier erst zwischen 0 und 20 Prozent der Juliniederschläge. An der Messstation Genf beispielsweise wurde diesen Monat erst 0.2 mm Regen gemessen. Im langjährigen Mittel wären an dieser Station etwa 67 mm Regen zu erwarten. Gegen die Alpen hin und dann auch in der Ostschweiz sorgten Schauer oder Gewitter wiederholt für Niederschläge (siehe auch hier).
Weitgehend hochdruckbestimmtes Wetter
Die Wetterlage ist charakterisiert durch ein kräftiges Azorenhoch, das immer wieder Hochdruckgebiete abschnürt und über Mitteleuropa ziehen lässt. Dadurch wiederholt sich der ähnliche Wetterablauf alle paar Tage wieder (vergleiche als Beispiele Abb. 1 bis 3):
Abb. 4: 8. Juli 2010. In der frisch eingeflossenen und vom Hoch abgetrockneten Luft herrscht für sommerliche Verhältnisse eine ausgesprochen gute Fernsicht. Der Blick geht oberhalb von Braunwald/GL nach Süden, im Vordergrund rechts ist der Ortstock (2717 m), im Hintergrund links der Tödi (3614 m) zu erkennen. (Bild: D. Gerstgrasser)
gross.jpg, 531 KBAbb. 5: 3. Juli 2010. Mächtige, zu Gewitterwolken heranwachsende Wolkentürme reihen sich aneinander. Blick von Thalwil/ZH nach Norden. (Bild: D. Gerstgrasser)
gross.jpg, 295 KBAm Tag an dem sich das Hoch über dem Alpenraum aufbaut ist es praktisch ohne Einschränkungen sonnig und warm - aber noch nicht sehr heiss (Abb. 3 und 4). Die an der Südflanke des Hochs wehende schwache Bise führt jeweils auch eher trockene Luft zur Alpennordseite. In der Folge zieht das Hoch ostwärts ab, und über der Schweiz stellt sich eine Südwestlage ein. Damit wird aus Südwesten feuchtwarme und zunehmend instabil geschichtete Luft zugeführt und es wird gewitterhaft (Abb. 1 und 5). Die Hauptaktivität der Kaltfront findet jeweils nördlich der Schweiz statt. Bei uns macht sich die Kaltfront als Gewitterstörung vor allem an den Voralpen und Alpen bemerkbar (Abb. 2). Ein Luftmassenwechsel erfolgt jeweils nur kurzzeitig und wenig nachhaltig. Hinter der Front erreicht bereits der nächste Hochausläufer von Westen her die Schweiz und der beschriebene Ablauf beginnt von vorne.
Die erwähnten Gewitterstörungen sorgen vor allem in den unteren Luftschichten für eine Abkühlung, die Nullgradgrenze liegt trotz Schwankungen seit dem 22. Juni immer deutlich über dem langjährigen Mittel (Abb. 6).
Abb. 6: Verlauf der Höhe der Nullgradgrenze (gelb) verglichen mit dem langjährigen klimatologischen Mittel grün), anhand von Radiosondendaten aus Payerne. Grafik: MeteoNetwork, bearbeitet; Daten: MeteoSchweiz.
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