MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

25. Juni 2010 / Marco Stoll, Daniel Gerstgrasser

 

Zirkumhorizontalbogen - eine seltene optische Erscheinung am Schweizer Himmel

 

Am 25. Juni, kurz nach Mittag, konnte am Himmel eine seltene optische Erscheinung beobachtet werden: ein Zirkumhorizontalbogen. Das farbige Band entsteht durch Sonnenlicht, das an den Kanten von horizontal orientierten Eiskristall-Platten in der oberen Troposphäre gebrochen wird. Für weiterführende, detailliertere Erklärungen zur Entstehung dieses Atmosphären-optischen Phänomens verweisen wir auf folgende Seiten:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumhorizontalbogen

http://www.atoptics.co.uk/halo/cha2.htm 

http://www.meteoros.de/arten/ee23.htm

 

Abb. 1: Foto vom Zürichberg in Richtung Süden, Aufnahmezeit um 1302 Uhr Lokalzeit.

Abb. 1: Foto vom Zürichberg in Richtung Süden, Aufnahmezeit um 1302 Uhr Lokalzeit.

Zirkumhorizontalbogen_gross.jpg, 71 KB
Der hierzulande häufiger sichtbare und bekanntere 22°-Halo ist in der Aufnahme in Abb. 1 nur sehr schwach erkennbar, und unterscheidet sich vom Zirkumhorizontalbogen durch seine kleinere Winkeldistanz zur Sonne. Im Gegensatz zum 22°-Halo, der häufig etwas „verwaschen“ erscheint, trennen die rechtwinkling angeordneten Seitenflächen der Eiskristall-Platten das Licht schärfer, so dass die Farben deutlicher in ihre einzelnen Komponenten zerlegt werden.

 

Voraussetzungen für diese optische Erscheinung

Der Zirkumhorizontalbogen ist nur unter bestimmten Voraussetzungen am Himmel sichtbar: die Sonne muss höher als 58° stehen, was in der Schweiz nur im Sommer und um die Mittagszeit der Fall ist. In südlicheren Breiten, wo die Sonne über eine längere Zeitdauer sehr hoch steht, sind die Beobachtungen entsprechend häufiger. Als Folge der Wetterentwicklung müssen Eiskristalle in der richtigen Höhe zur richtigen Zeit vorhanden sein - nicht zu viele, und nicht zu wenige. Diese Randbedingungen sind alle zusammen recht selten gegeben.

 

Abb. 2: Multispektral-Satellitenbild von 1100 UTC. Schleierbewölkung erscheint in bläulichen Farbtönen.

Abb. 2: Multispektral-Satellitenbild von 1100 UTC. Schleierbewölkung erscheint in bläulichen Farbtönen.

Animation_Hoehenstroemung_Infrarot.gif, 1.4 MB
Eine kleine Welle in der Höhenströmung, die sich um die Mittagszeit von Nordwesten her dem Alpenraum genähert hat, führte an ihrem vorderseitigem Hebungsfeld ausgedehnte, aber dünne Schleierbewölkung (Cirrus) genau zur rechten Zeit im rechten Ausmass herbei, um die Beobachtung erst möglich zu machen. Der schmale Cirren-Streifen ist in Abbildung 2 in bläulichen Farbtönen hervorgehoben, der Boden erscheint grünlich, tiefe Quellbewölkung sowie Schnee- und Gletscherflächen erscheinen gelb-weiss. Im Radiosonden-Aufstieg von Payerne, 12 UTC (Abbildung 3), ist das Wolkenband durch eine angefeuchtete Schicht zwischen 500 und 350hPa (5500-8000 m ü. M.) gekennzeichnet.

 

Abb. 3: Radiosonde Payerne vom 25. Juni 2010, 12 UTC. Die Luftschicht, in welcher sich die Schleierwolken befanden, ist rot markiert.

Abb. 3: Radiosonde Payerne vom 25. Juni 2010, 12 UTC. Die Luftschicht, in welcher sich die Schleierwolken befanden, ist rot markiert.

Radiosonde_Payerne_gross.png, 290 KB
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