Kaltlufteinbruch mit Starkniederschlag und Schnee bis in tiefe Lagen
Am Dienstag, 28. und Mittwoch, 29. Oktober installierte sich die Luftmassengrenze über der Schweiz (Bilder 3 und 4). In den unteren Luftschichten drehten die schwachen Winde auf der Alpennordseite auf Nordwest – ab Dienstag begann Kaltluft einzufliessen. Diese drang auch in die Alpentäler ein. Die Niederschlagsintensitäten waren vorerst schwach, auf der Alpensüdseite wurden mit Werten von 3 bis 6 mm/h bereits mässige Intensitäten erreicht. Gegen Dienstagabend hatte die Kaltluftschicht dann eine Mächtigkeit von etwa 2500 bis 3000 Metern und begann folglich den Alpenhauptkamm an den Pässen zu überfliessen (Nordwind). Darüber wehten kräftige Süd- bis Südwestwinde. In der Nacht auf Mittwoch begann die eigentliche Gegenstromlage. Weitere Erläuterungen zum Thema Gegenstromlage im Bericht von MeteoSchweiz : Genuatief-Regnerisches Wochenende am 13.-14.9.08.
Niederschlagsabkühlung
Bild 5: 36 Std. Niederschlagssummen, Dienstag, 28.10.08 12 UTC bis Donnerstag, 30.10.08 06 UTC
gross.jpg, 293 KBDie Starkschneefälle in der Nacht auf Donnerstag
Bild 6: Airmass-Satellitenbild und Analysenkarte (Bodendruck, Wetter, 500 hPa Winde) Donnerstag, 30. Oktober 2008, 00 UTC
gross.png, 675 KBWinterliche Verhältnisse am Donnerstagvormittag in der Deutschschweiz
Am Donnerstag früh erwachte die Deutschschweiz unter einer unterschiedlich mächtigen Schneedecke. Der Beobachter am MeteoSchweiz Hauptsitz mass 20 cm Neuschnee. Von Bern bis zum Bodensee meldeten alle Stationen im Mittelland Neuschneemengen zwischen 2 und 10 cm. In der Region Zürich und Schaffhausen brach zeitweise der Verkehr zusammen. In der Innerschweiz schwankten die Neuschneehöhen zwischen 20 cm in Altdorf und 46 cm in Einsiedeln. Noch grössere Schneemengen fielen in den Alpen. Mehrere Stationen des Berner Oberlands und der Innerschweiz auf Höhen zwischen 1000 und 2000 Metern registrierten rund 50 bis 65 cm Neuschnee. Die höchste Neuschneehöhe mit 1 Meter meldete die Station Göscheneralp auf 1610 Metern. Vielerorts waren dies die höchsten je im Oktober gemessenen Neuschneehöhen.
Grosse Neuschneemengen vom 29. auf den 30. Oktober 2008 in Tieflagen
Ein aussergewöhnliches Ereignis
Schnee im Flachland im Oktober ist selbst in kleinen Mengen ein ganz seltenes Ereignis. Ganz aus-sergewöhnlich sind die beachtlichen Schneefälle vom 29. auf den 30. Oktober 2008. Sie stellen in Tieflagen gebietsweise neue Rekorde auf. Die Neuschneemenge an der Messstation Zürich von 20 cm übertrifft bei weitem den bisherigen Maximalwert von 14 cm, datiert vom 27. Oktober 1939. Schneedaten sind für eine grössere Zahl von Messstandorten ab dem Jahr 1931 verfügbar.
Auch in erhöhten Lagen gab es gebietsweise Rekorde. An der Messstation Langnau im Emmental (755 m ü.M.) fielen 27 cm Neuschnee. Der bisherige Oktober-Rekord beträgt hier 15 cm, gefallen am 23. Oktober 2003. Die gleiche Menge fiel auch am 26. Oktober 1956. Einsiedeln (910 m ü.M.) erhielt gar 46 cm Neuschnee. Die bisherige Rekordmenge von 41 cm stammt vom 29. Oktober 1974.
Auch in der ersten Novemberhälfte sind solche Schneemengen in tieferen Lagen selten. Hier sticht vor allem das Ereignis vom 4. November 1966 heraus. Es bescherte Zürich 16 cm, Langnau im Em-mental 11 cm und Einsiedeln 34 cm Neuschnee.
Das letzte Oktober-Schneefallereignis mit einer messbaren Neuschneedecke in Zürich brachte das Jahr 2003. Vom 23. auf den 24. Oktober fielen 5 cm Neuschnee. Für die nächstältere Oktober-Schneedecke muss man bis ins Jahr 1974 zurückblättern. Damals gab es vom 28. auf den 29. Oktober ebenfalls 5 cm. Die früheste Oktoberschneedecke bildete sich in Zürich vom 6. auf den 7. Oktober 1936. Allerdings waren es nur 2 cm Neuschnee.
Neben den Schneemessreihen ab 1931 sind für einzelne Messstandorte auch Schneeinformationen aus früheren Jahren bekannt. Daraus ist zu entnehmen, dass die früheste dokumentierte Neuschneedecke in Zürich am 28. September 1885 mit 9 cm registriert wurde (Annalen der Schweizerischen Meteorologischen Centralanstalt, 1885).
Bildergalerie
Winterimpressionen am Donnerstagmorgen, 30. Oktober 2008 aus dem Grossraum Zürich-Winterthur (Fotografen: Markus Aebischer, Felix Schacher, Peter Meyer, Andreas Hostettler)











