Die Werte waren zwar tief, jedoch noch weit weg von den tiefsten je gemessenen Januarwerten. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die in diesem Bericht aufgezeigt werden sollen.
Üblicherweise werden bei einem arktischen Kaltlufteinbruch zunächst an den Bergstationen ausgesprochen tiefe Temperaturen verzeichnet, dies war am 25. Januar der Fall. In dieser ersten Phase des Kaltlufteinbruches herrschte tiefdruckbestimmtes Wetter mit Schneefällen bis in die Niederungen. Im Kernbereich der Höhenkaltluft wurden bei Radiosondierungen in der Westschweiz in einer Höhe von 5200 Metern Temperaturen von -40 Grad gemessen (s. Bild 1, Sonde Payerne).
Bild1: Radiosonde Payerne vom 25.1.2005 um 12 UTC
Voraussetzungen für extrem tiefe Temperaturen
Erst wenn also ein nachfolgendes Hochdruckgebiet die Luftmassen allmählich abtrocknet (d.h. die Wolken auflöst), werden auch in den tieferen Lagen tiefe Minima gemessen, dies war ab dem 27. Januar der Fall. Gleichzeitig erwärmt sich die Luft in den oberen Schichten aufgrund der Absinkbewegung im Hochdruckgebiet bereits wieder.
Sind die oben genannten Bedingungen gleichzeitig erfüllt und ist die Luftmasse polaren/arktischen Ursprungs, so stehen die Chancen gut, dass sich die Minimumtemperaturen den Rekordwerten annähern.
Dies war im Januar `05 nicht der Fall. Einerseits wirkte die Bise oft störend, anderseits verliefen die Nächte meist nicht wolkenlos. Hochnebelfelder und Restbewölkung behinderten zeitweise die Abstrahlung. Obwohl der Biswind das subjektive Kälteempfinden deutlich erhöht (gefühlte Temperatur?), sorgt er dafür, dass die Temperaturen in der Nacht nicht allzu tief sinken.
Nur die dritte Bedingung wäre praktisch in allen Gebieten erfüllt gewesen: Es war verbreitet eine - zumindest dünne - Schneedecke vorhanden.
Das nachstehende Bild 2 zeigt einen Vergleich der absolut tiefsten Januarwerte einiger Stationen, mit den absoluten Minimumtemperaturen im Januar `05. Es zeigt sich, dass die registrierten Werte im Flachland teilweise noch 10 Grad über den tiefsten je gemessenen Werten lagen. An den Bergstationen waren diese Abweichungen deutlich geringer.
Bild 3: gibt einen Temperaturüberblick für die ganze Schweiz. Dargestellt sind die gemessenen Tiefsttemperaturen vom 24. bis zum 31. Januar 2005 von sämtlichen automatischen Stationen der MeteoSchweiz.
