MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

12. Oktober 2009 / Andreas Asch, Thomas Schlegel, Marco Stoll

 

Stürmische Kaltfront am 12. Oktober 2009

 

Nachdem am Mittwoch der Vorwoche noch vielerorts ein Sommertag mit Temperaturen über 25 Grad registriert wurde, erreichte in der Nacht auf den 12. Oktober eine Kaltfront die Schweiz und sorgte für stürmische Winde und in den Alpen für den ersten Wintereinbruch. Bis am Abend sank die Schneefallgrenze bis gegen 1300 Meter ab.

 

(Aktualisierung am Mittwoch 14. Oktober 2009: Böenspitze Quinten und letzte Schneemessungen)

 

Murtel am 11. und 12. Oktober 2009

Abbildung 1: Blick vom Murtel im Oberengadin (2700 m.ü.M.). Oben am 12. Oktober um 12 Uhr, unten am Vortag um 12 Uhr.

Die Wetterlage

Zwischen einem Hochdruckgebiet über dem Atlantik und einem Tiefdruckgebiet über Nordosteuropa lag die Schweiz am Rand einer kräftigen Nordwestströmung (siehe Abbildung 2). Mit dieser Strömung wurde hochreichend polare Kaltluft von Norden her zu den Alpen geführt. Die kältesten Luftmassen strömten östlich der Schweiz nach Süden, z.B. in Bayern oder in Österreich, die Schweiz lag am Rand dieser Kaltluft. In der Nacht auf Montag und am Montagmorgen erreichte die Kaltfront die Alpennordseite. Die Abkühlung in allen Höhenlagen war markant (siehe Abbildung 3).

 

Höhenkarte 300 hPA mit Jetstream

Abbildung 2: Die Höhenkarte von 300 hPa (entspricht ca. 9000 m.ü.M.) mit dem Geopotential (schwarze Linien) und den Windgeschwindigkeiten (farbige Flächen) zeigt den direkt auf die Alpen gerichteten starken Höhenwind (Jetstream).

Sondierungen Payerne vom 12. Oktober 2009

Abbildung 3: Radiosondierungen von Payerne von 00z (schwarz) und 12z (grün) vom 12. Oktober. Die Abkühlung vom Boden bis zu etwa 370 hPa (7500 m.ü.M.) ist gut zu erkennen.

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Stürmische Winde

Die Kaltfront sorgte auf der Alpennordseite für einen kräftigen Druckanstieg und damit für stürmische Winde (siehe Abbildung 4). Im Flachland wurden verbreitet 60 bis 80 km/h gemessen. Die höchsten Böenspitzen in den Niederungen sind in den nördlichen Voralpentälern zu suchen. So wurden Beispielsweise in Altdorf 100 km/h, oder in Glarus 95 km/h gemessen (siehe Abbildung 5). Solche Windspitzen sind für einen Herbststurm jedoch nichts Aussergewöhnliches (Weitere Hintergründe zu extremen Windereignissen in der Schweiz sind hier zu finden). Der Messwert von 150 km/h in Quinten am Nordufer des Walensees ist hingegen als aussergewöhnlich hoch einzustufen und wurde seit Messbeginn im Februar 1993 an dieser Station erst einmal überboten, am 9. August 1999 (156 km/h). Anwohner in Quinten bestätigten zumindest qualitativ das sehr kurzzeitige Auftreten von heftigen Böen am frühen Morgen des 12. Oktobers 2009. Dabei wurden Blumenkisten herumgewirbelt und vereinzelt Bäume geknickt, unter anderem ein 90-jähriger Ahornbaum. Die Genauigkeit des Messinstrumentes bei derart hoher Windgeschwindigkeit liegt in der Grössenordnung von 3%, wir gehen von einem korrekten Messwert aus. Diese Böenspitze ist jedoch nicht für ein grösseres Gebiet repräsentativ und widerspiegelt die komplexen Windverhältnisse in einem typischen, topographisch reich gegliederten Voralpental.

 

Böenspitzen vom 12. Oktober 2009

Abbildung 4: Böenspitzen am 12. Oktober 2009.

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Druckverlauf und Böenspitzen in Altdorf und Glarus

Abbildung 5: Druckverlauf (unten) und Böenspitzen vom 11. und 12. Oktober 2009 an den Stationen Altdorf und Glarus.

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Wintereinbruch in den Bergen

Die Front brachte in allen Höhenlagen eine spürbare Abkühlung. In Abbildung 6 ist schön zu sehen, wie mit dem Frontdurchgang am Vormittag die Temperatur rasch zurückging. Mit der Kaltfront gab es auch verbreitet Niederschläge und mit der Nordströmung stellte sich dann am Alpennordhang eine Stausituation ein. Hier gab es oft anhaltende Niederschläge und mit der Abkühlung fiel auch die Schneefallgrenze. Am Morgen lag sie bei etwa 1800 Metern und sank bis am Abend dann bis gegen 1300 Meter ab. Die grössten Schneemengen verzeichneten dabei die Gebiete der zentralen und östlichen Alpen (siehe Abbildung 7).

 

Böenspitzen und Temperaturverlauf Chasseral und Jungfraujoch

Abbildung 6: Böenspitzen (oben) und Temperatur (unten) an den Bergstationen Chasseral (1594m.ü.M.) und Jungfraujoch (3580 m.ü.M.).

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Winterliches Samnaun am 13.10.2009

Winterliches Samnaun am 13.10.2009 (Quelle: www.samnaun.ch)

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Messstation

Höhe m.ü.M.

Neuschnee (Dienstag)

Neuschnee (Mittwoch)

Gesamtschnee (Mittwoch)

Motta Naluns 2150 30 11 41
Weissfluhjoch 2540 30 13 45
Samnaun 1750 27 - -
St. Antönien 1510 25 29 47
Glattalp 1850 25 - -
Arosa 1818 21 15 35

Abbildung 7: Neuschneehöhen in cm (24h) sowie Gesamtschnee vom Dienstag- und Mittwochmorgen, 13. und 14. 10.09, 8 Uhr (Quelle: Meteoschweiz/SLF)

 

Schneefälle im Oktober bis auf die Passlagen gehören zum Herbstklima der Schweiz und treten regelmässig auf. Bedeutende Schneefallereignisse von mehr als 20 cm können im mittleren Höhenlagen (1500 bis 2000 m ü.M.) in den Herbstmonaten September und Oktober ca. alle 2 bis 3 Jahre beobachtet werden. So bildet sich zum Beispiel an der Messstation Grimsel in 50 % aller Jahre vor dem 10. Oktober eine Schneedecke von 20 cm oder mehr aus (s. Grafik). Allerdings schmolz dieser erste Schnee in der Mehrzahl der Jahre anschliessend wieder weg.

 

Termin der ersten Schneedecke von mindestens 20 cm auf dem Grimsel-Hospiz

Abbildung 7: Erster Termin mit einer Schneedecke von mindestens 20 cm auf dem Grimsel-Hospiz der Periode 1964/65 - 2008/09. Der Termin des ersten Termins mit einer Gesamtschneehöhe von 20 cm ist jeweils als Tag im Jahr ab dem 1. Januar dargestellt. Als Orientierungshilfe ist der 15 Oktober eingezeichnet (rote Linie). Man beachte, dass im Diagramm der Winter der Jahrzahl des Winter-Endes zugeordnet wird. Der Winter 2008/2009 wird also der Jahrzahl 2009 zugeordnet.

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Häufigkeit von Böenspitzen

Sturmtief südwestlich von Island (4.9.2003)

Winterimpressionen aus dem Gebiet Melchsee-Frutt

Winterimpressionen aus dem Gebiet Melchsee-Frutt

Winterimpressionen aus dem Gebiet Melchsee-Frutt

Winterimpressionen aus dem Gebiet Melchsee-Frutt

Winterimpressionen aus dem Gebiet Melchsee-Frutt

Winterimpressionen aus dem Gebiet Melchsee-Frutt

Winterimpressionen aus dem Gebiet Melchsee-Frutt

Winterimpressionen aus dem Gebiet Melchsee-Frutt

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