Markanter Temperaturrückgang
Nach mehreren Schüben feuchter und milder Atlantikluft seit Winterbeginn hat die Grosswetterlage über Europa in den letzten Tagen gründlich umgestellt. Zwischen einem kräftigen und umfangreichen Hochdruckgebiet mit Kern über Nordosteuropa und einem aktiven Tief mit Zentrum über Italien fliesst zunehmend sehr kalte und trockene Luft von Russland her gegen Mitteleuropa.
Auf der Bodenanalyse von Dienstag, dem 31. Januar sind beide wetterbestimmende Druckzentren ganz deutlich zu erkennen. In seinem Kern weist das Hoch einen bemerkenswerten Wert von über 1060 hPa auf. Ausserdem verdeutlichen die sehr tiefen 2-Meter Temperaturen zwischen -20 bis -25 Grad den sibirischen Ursprung der Luftmasse. Im westlichen Mittelmeerraum zeigt die Wetteranalyse die Bildung eines aktiven Tiefs mit den entsprechenden Warm- und Kaltfronten, die in den nächsten Tagen ergiebige Niederschläge in Italien und besonders an der Dalmatinischen Küste verursachen werden.
Abb. 1: Wetterkarte mit Bodendruck, Fronten und Beobachtungen vom 31. Januar 2012 um 12 UTC. Besonders markant ist das kräftige Russlandhoch, mit Werten im Kern über 1060 hPa.
gross.gif, 121 KBUrsprung der Kaltluft
Die letzten Berechnungen zeigen, dass der Höhepunkt der aktuellen Kältewelle am kommenden Wochenende erreicht wird. Gemäss Rückwärtstrajektorien liegt der Ursprung der am Samstag und Sonntag in der Schweiz ankommenden Luftmasse in einer Region etwa 300 km nordöstlich von Moskau (Abb. 2).
Abb. 2: Diese Karte zeigt, dass der Ursprung der Luftmasse, die die Deutschschweiz zwischen Samstag und Sonntag erreicht, etwa 300 km von Moskau liegt (Quelle: Rückwärtstrajektorie der GFS-Modell, NOAA).
gross.png, 30 KBRekordverdächtige Werte
Demzufolge sind in der Nacht auf Sonntag im Mittelland Tiefsttemperaturen zwischen -13 und -18 Grad zu erwarten. In windgeschützten Muldenlagen wird die Temperatur vermutlich unter der -20-Gradmarke absinken. Tagsüber erreichen die Temperaturen Höchstwerte zwischen -5 und -10 Grad. Die Kälteempfindung wird zudem durch eine starke Bise verstärkt. Der Abkühlungseffekt des Windes führt nämlich dazu, dass bei einer Temperatur von -15 Grad und einer Windstärke von 30 km/h der Körper eine Temperatur von -26 Grad empfindet.
Abb. 3: ECMWF Vorhersagekarte vom 31. Januar 2012 für Samstag, den 4. Februar. Diese Karte zeigt Linien gleicher Temperatur von -20 Grad auf 850 hPa (etwa 1500 Meter Höhe) über der Schweiz.
Hohe Prognosezuverlässigkeit
Die Unsicherheit bezüglich der Intensität der Kältewelle ist mit jeder neuen Modellberechnung kleiner geworden. Dementsprechend beträgt die Schwankung der Tiefstemperaturen für das kommende Wochenende nur noch etwa ±3 Grad, wie die Abbildung 4 es zeigt. Horizontal dargestellt ist die Zeitachse, vom Samstag 28. Januar bis Samstag 11. Februar (unten an der Grafik), vertikal ist der Temperaturverlauf der 2-Meter Temperaturen über Zürich wiedergegeben.
Die verschieden langen Balken (blau/Minima, rot/Maxima) basieren auf 52 Prognosen, welche alle mit leicht veränderten Anfangsbedingungen gerechnet werden. Je grösser die Balkenlänge, desto unsicherer ist die Temperatur Prognose. Der horizontale Mittelstrich in den farbigen Balken zeigt den Mittelwert der verschiedenen Prognosen.
Abb. 4: Streuung der Prognosetemperatur für Zürich auf Grund der Ensemble Berechnungen vom ECMWF. Die Abbildung zeigt, dass die Streuung der Temperatur am Samstag und Sonntag einen Wert von ±3 Grad aufweist.
gross.jpg, 37 KBÄhnlich wie vor 25 Jahren
Vor 25 Jahren, am 12. Januar 1987 wurden bei klaren und windstillen Verhältnissen in La Brévine, im Neuenburger Jura, -41.8 Grad gemessen. Auch im Mittelland sind damals die Höchstwerte nicht über -11 Grad angestiegen. In der nachfolgenden Nacht wurden dann im Mittelland verbreitet -20 Grad gemessen. Die Karten der Abbildungen 5 und 6 zeigen die Tiefst- und Höchsttemperaturen dieses 12. Januar 1987.
Tatsache ist, dass die erwartete Wetterentwicklung viele Ähnlichkeiten mit der damaligen Wetterlage aufweist.
Analogfall
Obgleich bekannt ist, dass die Natur nie eine Wetterentwicklung exakt wiederholt, kann eine auffallende Ähnlichkeit zwischen der Bodenkarte des 12. Januar 1987 (Abb. 7) und der Vorhersage des europäischen Wettermodells ECMWF für Sonntag, den 5. Februar 2012 (Abb. 8) festgestellt werden. Sowohl die Ausdehnung des Hochs mit Kern über Nordeuropa nach Frankreich als auch die Positionierung des Tiefs über Italien zeigen auf beiden Karten eine bemerkenswerte Übereinstimmung.
Abb. 8: ECMWF Vorhersagekarte für Samstag, den 4. Februar 2012. Diese Karte zeigt eine gewisse Übereinstimmung mit der Bodenanalyse vom 12. Januar 1987 (Abb. 7).
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