Schwere Hagelgewitter haben am Nachmittag und Abend des Donnerstags 7. Juli 2011 in Teilen der Deutschschweiz grosse Schäden gebracht. Als Folge eines umgestürzten Baumes sind zwei Todesopfer zu beklagen. Auf der Alpensüdseite zogen kräftige Gewitterzellen wiederholt über Teile des Mittel- und Südtessins und verursachten Überschwemmungen und Murgänge.
Ausgangslage für diese intensive Wetterentwicklung bildete einerseits eine Luftmassengrenze, welche tagsüber stationär über dem Jura verharrte (Abbildung 1). Andererseits floss auf der Vorderseite der Front mit einer starken südwestlichen Höhenströmung feuchtlabile Subtropikluft von Südfrankreich und dem zentralen Mittelmeeraum zum Alpenraum. Abbildung 2 verdeutlicht dies anhand einer Luftmassenkarte (äquivalentpotentielle Temperatur, ein Mass für den kombinierten Wärme- und Feuchtegehalt der Luft). In dieser gewitterträchtigen Luftmasse konnte sich um die Mittagszeit in den Savoyer und Waadtländer Alpen eine kräftige Gewitterzelle (Wikipedia Superzelle) bilden, welche sich in der Folge rasch intensivierte und mit starken Höhenströmung dem Alpenrand entlang ostwärts zog.
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Abb. 2: Luftmassenkarte (äquivalentpotentielle Temperatur auf 850 hPa, 1500 m ü. M.) sowie Windpfeile und Geopotential auf 700hPa (3000 m ü. M.) um 15 UTC gross.jpg, 206 KB |
Das Radarbild in Abbildung 3 das Hagelgewitters während seiner Zugbahn von den Freiburger Voralpen über Bern und das Napfgebiet hinweg zum Zugerland, über den mittleren und oberen Zürichsee hinweg und schliesslich unter Abschwächung weiter über den Alpstein (siehe Animation zum download). Ein zweiter Hagelzug erstreckte sich spätabends vom Hallwilersee über das untere Limmat- und Aaretal und das Klettgau hinweg. Die während des ganzen Donnerstags sowie der Nacht auf Freitag 8. Juli gemessenen Gesamtniederschläge sowie die Hagelzüge sind in Abbildung 4 dargestellt. Zu den Regensummen haben einerseits die Gewitter beigetragen, welche im Verlauf des Abends immer zahlreicher wurden, sowie die frontalen Niederschläge, welche in der Nacht auftraten und das Ereignis abschlossen.
Während im Norden insbesondere Hagelschlag und Sturmböen auftraten, war auf der Alpensüdseite der starke Regen das markantere Phänomen. In der Region Locarno brachten die Gewitter insgesamt rund 120 mm Niederschlag (Abb. 4 oben). In Lugano wurde am späten Nachmittag eine 10-Minutensumme von 21.4 mm gemessen, was statistisch betrachtet etwa alle 5 Jahre vorkommt (der höchste Wert von 30.6 mm datiert vom 2. August 1988). Die gewittrigen Niederschläge wurden mit der starken südwestlichen Höhenströmung von der Alpensüdseite über den östlichen Alpenhauptkamm in die angrenzenden Gebiete Mittelbündens verfrachtet, wo genauso wie auf der Alpennordseite Tagessummen zwischen 25 und 50 mm registriert wurden.






