MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

11. November 2007 / Michael Kasper, Patrick Hächler

 

Starke Schneefälle in den Alpen vom 9.-11. Nov. 07

 

Eine kräftige Nordwestströmung sorgte in den letzten 48 Stunden für starke Schneefälle in den Alpen. Vielerorts fiel oberhalb 1000 m.ü.M. ein halber Meter Neuschnee. So kam es auf Strassen und Schienen da und dort zu Problemen.
Am Sonntagvormittag lassen die Schneefälle vorübergehend etwas nach. In der Nacht auf Montag werden mit sinkender Schneefallgrenze nochmals etwa 15-30 cm Neuschnee erwartet.

 

Freitag, 9. November: Kaltfrontdurchgang mit viel Wind

Am Freitagmorgen erreichte eine aktive Kaltfront die Alpennordseite. Sie zog rasch über die Alpen hinweg. Bild 1 zeigt die Kaltfront am Donnerstagmittag noch über den Britischen Inseln, auf Bild 2 liegt sie am Freitagmittag bereits südlich der Alpen.

 

Bild 1: Donnerstag, 8.11.07

Bild 1: Donnerstag, 8.11.07

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Bild 2: Freitag, 9.11.07

Bild 2: Freitag, 9.11.07

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Begleitet war der Frontdurchgang von starken bis stürmischen Westwinden. Die Böenspitzen lagen im Mittelland bei 60-80 km/h, in den Alpentälern bei 80-100 km/h und auf den Bergen sowie auf den Jurahöhen zwischen 100 und 150 km/h.

Boeenspitzenkarte.gif, 121 KB

 

Einsetzender Stau am Alpennordhang und Nordwind im Tessin

Hinter dieser Kaltfront stellte sich im Mittelland in der frisch eingeflossenen Polarluft typisches Rückseitenwetter ein. Kurze Aufhellungen im Wechsel mit Schnee- Schneeregen oder Graupelschauern prägten den Freitag. An den Alpen hingegen stauten sich mit dem Nordwestwind die feuchten Luftmassen. Auf der Alpensüdseite kam ein stürmischer Nordwind auf und sorgte für Wolkenauflösung.

 

Aufhellungen in Yverdon am Neuenburgersee

Aufhellungen in Yverdon am Neuenburgersee

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Samstag, 10. November: Warmfront mit intensiven Schneefällen

Eingelagert in der starken nordwestlichen Höhenströmung erreichte am Samstagvormittag eine Staffel sehr feuchter und weniger kalter Luft die Schweiz. Im Flachland ging der Schnee bald in Regen über, während die Alpentäler noch länger in der kalten Luft liegen blieben.

 

Bodenwetterkarte mit Fronten am Samstagmittag, 10. November

Bodenwetterkarte mit Fronten am Samstagmittag, 10. November

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Satellitenbild mit Höhenströmung am Samstagmittag

Satellitenbild mit Höhenströmung am Samstagmittag: Nördlich der Alpen ist die kompakte Bewölkung mit dem Randtief zu erkennen. Ueber der deutschen Bucht liegt aufgelockerte Kaltluftbewölkung. Die Warmfront liegt über Benelux und Grossbritannien. Im Lee der Alpen wolkenlos.

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Das Randtief, das im Laufe des Samstags über Deutschland südostwärts zog, schob zuerst eine Warmfront, gegen Abend eine Kaltfront gegen die Alpen. Bei einer solchen Konstellation wird ohnehin festgestellt, dass die nachrückende Kaltluft die Feuchtigkeit der Warmluft sehr intensiv zum Ausregnen bzw. Ausschneien bringt. Bei der vorliegenden Zugbahn und als Folge des gegen Süden immer höher werdenden Geländes werden diese Niederschlagsprozesse bis zum Alpenkamm noch massiv verstärkt. Anderweitig wären die gewaltigen Niederschläge gar nicht vorstellbar. Mit den stürmischen Nordwinden gelangten diese zudem über den Alpenhauptkamm bis ins nördliche Tessin und die Bündner Südtäler. 
Schliesslich folgte am späteren Abend eine weitere Warmfront. Sie verstärkte die Niederschläge nochmals und liess die Schneefallgrenze von Nordwesten her auf 800-1200 m.ü.M. ansteigen.

 

Casaccia im Bergell: Schwacher Schneefall von Norden her

Casaccia im Bergell: Schwacher Schneefall von Norden her

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Aussergewöhnlich grosse Neuschneemengen in den Bergen

Am stärksten von den Schneefällen war der zentrale und östliche Alpennordhang betroffen. Dort fiel zwischen Freitagmorgen und Sonntagmorgen (48 Stunden) oberhalb 1000 m.ü.M. vielerorts ein halber Meter Neuschnee. In speziell günstig gelegenen Staugebieten konnte sogar gegen einen Meter beobachtet werden. 

 

Die 24-stündigen Neuschneesummen vom Sonntagmorgen betrugen in Davos 62 cm und auf dem Weissfluhjoch 68 cm. In Davos ist ein solcher Wert im November 1952 letzmals gemessen worden. Auf dem Weissfluhjoch findet man keine vergleichbare Neuschneemenge seit 1944 (94 cm; Quelle SLF). In Elm muss man nicht so weit zurück gehen. Die 36 cm waren der höchste Wert seit 1996.

 

Nicht nur für November sind diese Neuschneesummen aussergewöhnlich. Vergleicht man über alle Monate, so findet man in Davos alle 5-10 Jahre eine eintägige Neuschneesumme von mehr als 60 cm.


Desweiteren erwähnenswert ist, dass wegen dem stürmischen nordwestlichen Höhenwind relativ grosse Schneemengen weit nach Süden verfrachtet wurden (z.Bsp. Oberengadin).

Nachfolgend finden Sie ein paar ausgewählte Stationen mit beobachteten Schneehöhen (Quelle: MeteoSchweiz und SLF):

 

Neu- und Gesamtschneehöhen am 11. November

Ort

Höhe

Neu

Gesamt

Andermatt 1442 38 58
Arosa 1818 48 82
Bivio 1770 37 50
Blatten 1535 40 49
Braunwald 1310 40 72
Davos 1560 62 87
Elm   965 36 42
Mürren 1660 27 40
Obersaxen 1420 48 51
Rigi 1640 17 30
Samnaun 1750 50 62
Schwägalp 1350 45 48
St. Antönien 1510 64 95
Stoos 1280 21 28
Ulrichen 1350 39 50
Unterwasser/Iltios 1340 59 72
Weissfluhjoch 2540 68 110
Zermatt 1600 19 19
Zuoz 1710 48 55

 

Neuschnee Sonntagmorgen

3-Tagesneuschneesummen

Bodensee, 9. Nov. 07

Kaltluft führt Schauerwolken über den östlichen Bodensee zu den Staugebieten am Alpennordhang. Foto von Marco Stoll, MeteoSchweiz

Klosters, 10. Nov. 07

Starkschneefall in Klosters, 10. Nov. 2007

Arosa, 10. Nov. 07

Arosa, 10. Nov. 07

Samedan Flugplatz, 11. Nov.

Laret (GR), 12. Nov. 07

1 Meter Schnee liegt hier in Laret auf 1500 m

Flüelatal, 12. Nov. 07

Frisch verschneites Flüelatal, Schneehöhe 85 cm

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