17. Februar 2009 / E. Zala
Einmal mehr diesen Winter erwachte die Alpennordseite am Dienstagmorgen unter einer Neuschneedecke. Je nach Region handelte es sich im Flachland um den rund 15ten Tag mit einer messbaren Neuschneedecke in dieser Saison. Eine klimatologische Einordnung des Winters 2008/09 ist in einem separaten Bericht zusammengestellt:
Wie streng ist der Winter wirklich?
Allgemeine Lage
Die grossräumige Wetterlage über Europa war gekennzeichnet durch eine kräftige Höhenströmung aus nördlicher Richtung, ein so genannter Jetstream. Auf 10 km Höhe wurden verbreitet knapp 200 km/h gemessen. Grund dafür waren grosse Temperaturdifferenzen zwischen den westlichen und östlichen Regionen Europas. Während im Bereich Ostdeutschland, Polen und Tschechien Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt gemessen wurden, registrierte man gleichzeitig über Frankreich und den Beneluxländern plus 5 bis 8 Grad (siehe Bild 1).
Bild 1: Satellitenbild überlagert mit 2 Meter Temperaturen um 10:00 Lokalzeit.
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Über der Schweiz lag seit einigen Tagen kalte Luft arktischen Ursprungs. Bereits am Montag setzte sich die wärmere Luft über Westeuropa in Bewegung und glitt auf die bei uns liegende Kaltluft auf. Dieser Aufgleitprozess verursachte einerseits die Bildung einer kompakten Wolkendecke, andererseits löste er zunächst eher schwachen, in der Nacht auf Dienstag dann allmählich intensiveren Niederschlag auf der gesamten Alpennordseite aus. Der Niederschlag fiel in einer ersten Phase verbreitet als Schnee, aber bereits in den frühen Morgenstunden ging er am Juranordfuss in Regen über. Auch im Mittelland war dies im Laufe des Vormittags an vielen Orten der Fall. Interessanterweise verharrte die Schneefallgrenze am Jurasüdfuss auf tieferem Niveau als zum Beispiel in der Zentralschweiz oder am Bodensee, obwohl der Jura näher an der Warmluft lag als die übrige Schweiz. Eine mögliche Erklärung dafür könnte die Bildung eines Kaltluftpolsters am Jurasüdfuss auf Grund der südwestlichen bodenahen Winde sein. In den Alpentälern hingegen und oberhalb von rund 600 Metern blieb der Niederschlag in fester Form.
Niederschlagsmengen (aktualisiert 17.2.2009 um 15:00 Uhr)
Am Dienstag wurden bis 15:00 Uhr folgende Niederschlagsmengen erfasst:
Bild 2: Niederschlagssumme um 15:00 Uhr Lokalzeit (24 stündige Akkumulation)
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Die Neuschneemengen in den tiefen Lagen weisen sehr unterschiedliche Werte auf und reichen von wenigen Zentimetern in der Region Basel bis 20 Zentimeter am Jurasüdfuss. Am Alpennordhang waren die Mengen deutlich grösser und bewegten sich bis zum Nachmittag in einem Bereich zwischen 30 und 60 cm Neuschnee. In Klosters beispielsweise wurden bis 16:00 Uhr 55 cm erfasst, in Gstaad waren es rund 50 cm.
Wie geht es weiter?
Am Dienstagabend und in der Nacht auf Mittwoch wird die eingeflossene mildere Atlantikluft durch markant kältere Luft aus Osteuropa ersetzt. Der Luftmassenaustausch dürfte von einer starken Bise begleitet sein, gleichzeitig wird ein Temperaturrückgang von 5 bis 10 Grad erwartet, am deutlichsten in den östlichen Regionen. Die Niederschläge gehen allmählich zu Ende. Der meist schwere Schnee, beziehungsweise die Nässe in den tiefsten Lagen dürften damit gefrieren und zu nochmals schwierigen Verkehrsbedingungen führen.
Die folgenden Abbildungen zeigen, wie von Nordosten deutlich kältere Luft einfliesst (Computersimulation COSMO-7, Temperatur und Wind auf ca. 1500 Meter Höhe):