08. Februar 2008 / Bernd Konantz
Am gestrigen Nachmittag zeigte sich beim Blick auf die Radardaten Erstaunliches: eine schmale Niederschlagszone breitete sich ausgehend von der Nordwestschweiz nach Süden aus, und verlagerte sich unter Abschwächung langsam nach Südwesten.
Abbildung 1: das Radarkompositbild zeigt die Position der vermeintlichen Niederschlagszone um 15 Uhr UTC. Die angegebene Uhrzeit UTC entspricht MEZ+1 Stunde.
loop.gif, 2.0 MB
Erstaunlich daran ist auf den ersten Blick Folgendes:
Gestern lag ein umfangreiches Hochdruckgebiet mit seinem Kern knapp nördlich der Schweiz (Abbildung 2). Mit Hochdruckeinfluss wäre schönes Wetter zu erwarten gewesen. Eine Einschränkung wäre eventueller Nebel bzw. Hochnebel im Flachland. Das Satellitenbild von 15 Uhr UTC in Abbildung 3 zeigt sogar einen nahezu wolkenfreien Alpenbogen. Einzig über dem Jura und längs der Voralpen sind wenige harmlose Wolken zu erkennen. Was ist nun die Ursache der Niederschlagsechos?
In der militärischen Luftfahrt werden Düppel (engl. "Chaff") verwendet, um Radargeräte zu täuschen. Dabei handelt es sich um kleine metallhaltige Kunststoffpartikel, die einen Teil der ausgesendeten Radarstrahlen reflektieren. Diese Düppel sind auch für meteorologische Radargeräte sichtbar.
Im vorliegenden Fall ist die Quelle dieser Düppel vermutlich in Rheinland-Pfalz (D) zu suchen. Mit der Höhenströmung verlagerten sich die Düppel unter leichter Absinkbewegung zunächst nach Südsüdosten. Gleichzeitig breitete sich die Wolke immer mehr aus. Ab 14:30 Uhr UTC dominierte zunehmend eine Südwestverlagerung. Gegen Ende des betrachteten Zeitraums erreichten die Düppelteilchen den Erdboden und waren somit für das Radar nicht mehr sichtbar (Animation der Abbildung 1).
Diese Verlagerung der Düppelwolke kann sehr anschaulich an der in Abbildung 4 dargestellten Radiosondierung von Payerne nachvollzogen werden. Oberhalb von 5 km Höhe wehte ein Nordnordwestwind. Infolge langsamem Absinken der Düppelteilchen gelangten diese in die tieferen Luftschichten, wo ein schwacher Nordostwind blies. Es sei an der Stelle noch angemerkt, dass die quellnahen Radiosondierungen Idar-Oberstein bzw. Stuttgart oberhalb von ca. 5 km Höhe die gleiche Windrichtung wie die Sondierung aus Payerne aufgewiesen haben.