MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

26. Dezember 1999 / MeteoSchweiz

 

Orkan 'Lothar'

 

Windspitzen vom 26.12.1999, gemessen von den ANETZ-Stationen der MeteoSchweiz

Die Windspitzen vom 26.12.1999, gemessen von den ANETZ-Stationen der MeteoSchweiz.

Die Böenspitzen und der mittlere Wind (in Knoten) vom 25. bis und mit dem 28. Dezember, gemessen von unserer ENET Messstation auf dem Üetliberg.

 

windgeschwindigkeit und böenspitzen

Abb. 1 zeigt den Verlauf der über zehn Minuten gemittelten Windgeschwindigkeit und der Böenspitzen, die in Grössenordnungen von einer Sekunde auftreten. Auffällig beim Orkan "Lothar" ist die extrem schnelle Zunahme der Windgeschwindigkeit innert kürzester Zeit und die Heftigkeit der Böen gegenüber der mittleren Windgeschwindigkeit. Die höchste Böenspitze auf dem Uetliberg bei Zürich betrug 241.2 km/h (1 Knoten = 1.853 km/h).

Der Lufdruck QNH vom 25. bis und mit dem 28. Dezember, gemessen von unserer ANETZ Messstation in Luzern

 

luftdruck
In Abb. 2 ist zeitgleich der Verlauf des Luftdruckes an der Station Luzern dargestellt. Hier erkennt man, dass der Orkan "Martin", welcher in der Nacht auf Dienstag das Mittelland mit seinem Zentrum durchquerte, mit einem deutlich tieferen Luftdruck, der bei uns nur höchst selten erreicht wird, verbunden war. Auch hier wurden die grössten Windgeschwindigkeiten mit einsetzendem Druckanstieg gemessen. Diese waren jedoch deutlich geringer. Verantwortlich dafür ist nicht nur der bei "Martin" allgemein schwächere Druckgradient (Luftdruckunterschied) über der Schweiz, der sich aus der unmittelbaren Nähe des Tiefzentrums erklärt. "Lothar" passierte uns im Gegensatz dazu mit seinem Südrand, wo der Druckgradient in der Regel am stärksten ist.

Von grosser Bedeutung für die extremen Windgeschwindigkeiten bei "Lothar" ist vor allem auch die extrem schnelle Änderung des Luftdruckes. So zeigt die Kurve eine Druckänderung von ca. 30 hPa innerhalb von 6 Stunden am 26. 12. zwischen 6 und 12 Uhr. Sie setzt sich aus einem Druckfall und einem Druckanstieg von jeweils etwa 15 hPa zusammen. Dies führt zu der so extremen, sogenannten isallobarischen Verstärkung der Windgeschwindigkeit und besonders auch der Böigkeit. Eine vergleichbare Druckänderung findet man bei "Martin" etwa in 13 Stunden, d.h. in mehr als der doppelten Zeitspanne.

Auch die viel grösseren Schäden finden darin zum Teil ihre Begründung. Neben der reinen kinetischen Energie der Luftströmung, die mit dem Quadrat der Windgeschwindigkeit wächst und für den sogenannten Winddruck sorgt, ist für die durch den Wind hervorgerufene mechanische Beanspruchung von Bauwerken oder auch Baumbeständen noch die Windpulsation verantwortlich. Diese hängt entscheidend von der Böigkeit des Windes ab, und zwar in Betrag und Richtung. Sie regt Schwingungserscheinungen an den dem Wind ausgesetzten Gegenständen an. Erreichen solche Windpulsationen mit grosser Amplitude die Eigenfrequenz von Bauwerken, so können selbst an massiv erscheinenden Gebäuden oder Brücken grösste Schäden entstehen. Entscheidend für den markanten Druckverlauf bei "Lothar" war zum einem seine rasante Eigenverlagerung in der allgemein starken Westströmung, als auch seine eigene relativ kurze Lebensdauer, d.h. ein rasches Entstehen und ein schnelles Wiederauffüllen eines in der starken Strömung eingebetteten Teiltiefs, dessen Name uns nun noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

 

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