04. Januar 2007 / Marco Stoll, Dani Gerstgrasser, Stefano Zanini
Vom 19. Dezember bis zum Silvester bestimmte ein kräftiges und umfangreiches Hoch das Wetter in der Schweiz und in weiten Teilen Europas (
Bericht lesen).
Die Anzahl Sonnenstunden im Zeitraum vom 19. bis 31. Dezember 2006 sind in Bild 1 gezeigt. An den Bergstationen im Alpenraum und im Jura wurden alleine in diesem Zeitraum verbreitet 70 bis 90 Stunden Sonnenschein registriert. Dies entspricht rund 70 bis 80% der Gesamtsumme von rund 110 Stunden, die normalerweise im gesamten Monat Dezember zu erwarten sind (Referenzperiode 1961-90). In den Hochnebelgebieten des Mittellandes und der nördlichen Alpentäler wurden im selben Zeitraum zwischen 7 und 40 h Sonne Stunden gemessen, am oft nebelfreien Juranordfuss und im Tessin waren es 50 bis 70 Stunden.
Bild 1: Sonnenscheindauer im Zeitraum vom 19. bis 29. Dezember 2006, in Stunden.
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Durch die absinkenden Luftbewegungen im Hoch wurde die Luft in der Höhe stetig erwärmt, so dass es in mittleren Höhenlagen zwischen 1500 Metern und der Hochnebelobergrenze ausgesprochen mild war. Bild 2 zeigt beispielhaft die Tages-Höchsttemperatur vom 27. Dezember 2006, als der Hochnebel noch bis in Höhenlagen von 800m reichte. In Regionen knapp über der Hochnebeldecke war es ausgesprochen mild, so beispielsweise in La Frétaz (1202m) mit 9.1°C oder in Plaffeien (1042m) mit 8.4°C, während dazwischen in der neblig-trüben Broye-Ebene an der Station Payerne (490m) mit -1.4°C Höchsttemperatur ein Eistag verzeichnet wurde.
Wetterumstellung am 30. Dezember
Kurz vor dem Jahreswechsel entwickelte sich ein kräftiges Zentraltief bei Island und wurde zunehmend auch im Alpenraum wetterbestimmend. An seinem Südrand bildeten sich über dem Nordatlantik in rascher Folge mehrere Randtiefs und zogen, eingebettet in einer lebhaften Westströmung, über Westeuropa hinweg nach Skandinavien (Bilder 3 bis 6). Eine erste, schwache Warmfront erreichte die Alpennordseite am Abend des 30. Dezember. Im Vorfeld der Front frischte der Südwestwind zunächst in den Bergen markant auf und griff im Tagesverlauf auch zunehmend ins Flachland durch.
Bild 3: Bodenwetterkarte vom Samstag 30. Dezember 2006, 13 Uhr Lokalzeit.
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Bild 4: Bodenwetterkarte vom Sonntag 31. Dezember 2006, 13 Uhr Lokalzeit.
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Bild 5: Bodenwetterkarte vom Montag 1. Januar 2007, 13 Uhr Lokalzeit.
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Bild 6: Bodenwetterkarte vom Dienstag 2. Januar 2007, 13 Uhr Lokalzeit.
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Die kalte Nebelluft wurde vielerorts ausgeräumt, die Temperatur stieg dabei innert Kürze auf deutlich mildere Werte als zuvor an. Bild 7 zeigt einen Verlauf der 2-Meter-Temperatur in Zürich-Kloten (436m), Wynau (422m) im zentralen Mittelland und Fahy-Boncourt (596m) in der Ajoie. Bild 8 zeigt den Verlauf der Windgeschwindigkeit im selben Zeitraum. In Fahy und Kloten stieg die Temperatur um rund 10 Grad an. In Wynau konnte der Wind bis am Abend nicht durchgreifen, die Kaltluft blieb liegen und die Temperatur stieg auch am Nachmittag nur wenige Grad über Null an. Das Randtief, welches am Nachmittag noch über dem westlichen Ärmelkanal lag (Bild 3) verlagerte sich während der Nacht über die Nordsee und Dänemark hinweg zur Ostsee und entwickelte sich dabei zum Orkantief, das in den Deutschen Küstenregionen für Windböen zwischen 140 und 170 km/h verantwortlich war. Die dazugehörige Kaltfront überquerte in der Nacht auf Silvester die Alpennordseite, womit in allen Regionen die alte Luftmasse endgültig ausgeräumt wurde. Mit vorübergehendem Zwischenhocheinfluss dominierte am letzten Tag des alten Jahres trotz hohen Wolkenfeldern recht sonniges Wetter. Die Temperatur stieg tagsüber in Zürich und Bern auf milde 12 Grad, in Basel sogar bis auf knapp 15 Grad.
Bild 7: Temperaturverlauf am Samstag 30. Dezember 2006 in Zürich-Kloten, Wynau und Fahy-Boncourt.
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Bild 8: Zeitlicher Verlauf der Windgeschwindigkeit am Samstag 30. Dezember 2006 in Zürich-Kloten, Wynau und Fahy-Boncourt.
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Stürmischer Wind in der Silvesternacht und zum Jahresbeginn
Bereits in der Silvesternacht entwickelte sich westlich von Irland das nächste Sturmtief und führte an seiner Südflanke ein wetteraktives Frontensystem zum Festland (Bild 4). Eine erste Schauerlinie sorgte unmittelbar vor Mitternacht auf der Alpennordseite für die ersten Regentropfen. Gleichzeitig frischte der Südwestwind erneut auf und drohte, vielerorts die geplanten Feuerwerks-Spektakel zu verhindern. In der zweiten Nachthälfte und an Neujahr überquerte die nachfolgende Warmfront die nördlichen Landesteile und brachte weitere Niederschläge. Der Südwestwind nahm an Stärke zu und erreichte in den Niederungen sein Maximum um die Mittagszeit, als die Kaltfront zum Alpennordhang vorankam. Bodendruckfeld und Frontenanalyse am 1. Januar 2007 um 13 Uhr Lokalzeit sind in Bild 5 oben dargestellt: die Kaltfront hat im Westen bereits den Alpennordhang erreicht. Der Verlauf der Böenspitzen während Silvester und Neujahr (Bild 9) in der Zentralschweiz zeigt, wie an den Bergstationen Napf und Pilatus der Südwestwind in Böen bereits während der Nacht Sturmstärke erreichte, im geschützten Luzern hingegen erst mit Durchzug der Kaltfront bis auf 80 km/h auffrischte.
Bild 9: Zeitlicher Verlauf der Böenspitzen in der Zentralschweiz von Sonntagabend, 31. Dezember 2006, bis Montagabend, 1. Januar 2007 UTC.
Universal Time Coordinated, MEZ - 1 Stunde
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Eine gesamtschweizerische Übersicht der Windspitzen am 1. Januar (Bild 10) zeigt im Flachland der Alpennordseite Werte zwischen 60 und 90 km/h, in den Bergen bis 120 km/h (Les Diablerets 128.5 km/h).
Nach vorübergehender Beruhigung zog in der Nacht auf Dienstag 2. Januar bereits das nächste Sturmsystem von Irland zur Schweiz (Bild 5) und überquerte in der Folge rasch die Alpen. Am Dienstagmittag lag sein Zentrum bereits über der Adria und auf der Rückseite der Kaltfront breitete sich ein weiterer Schub Polarluft über Westeuropa bis in den zentralen Mittelmeerraum aus (Bild 6). Das Frontensystem war neuerlich begleitet von stürmischen Winden mit Böenspitzen zwischen 70 und 90 km/h im Flachland. In den Bergen wurden Höchstwerte von 100 bis 140 km/h gemessen (Bild 11 zeigt die Böenspitzen am 2. Januar 2007). Durch den kräftigen Druckanstieg nördlich des Alpenkamms und die Drehung der Höhenwinde auf nordwestliche Richtung setzte auf der Alpensüdseite Nordföhn ein, der in den Niederungen Böenspitzen von 50 bis 70 km/h erreichte. Auf der Cimetta (1672m) oberhalb Locarno wurden 131 km/h gemessen. An den exponierten Bergstationen in den Alpen betrugen die Böenspitzen verbreitet 120 km/h, auf dem Titlis wurden 135 km/h und auf dem Gornergrat bei Zermatt (3130m) 166 km/h registriert. Zusammengefasst wurden im Flachland während beiden Ereignissen in etwa ähnlich hohe Windgeschwindigkeiten gemessen, in den Bergen jedoch war der Wind am 2. Januar noch etwas stärker. Die Gründe hierfür liegen zum Einen im starken Druckanstieg, der am Dienstag den Kaltfrontdurchgang begleitete. Zum Anderen wurde die Schichtung durch Einfliessen von Höhenkaltluft labilisiert, was eine effizienteres Herabgreifen des starken Höhenwindes ermöglichte.
Beträchtliche Neuschneemengen am Alpennordhang
Bereits am Neujahrstag fielen im Warmsektor des ersten Sturmtiefs tagsüber 15 bis 25 mm Niederschlag. Die Schneefallgrenze sank mit Eintreffen der kühleren Luft am Nachmittag von 2000 auf 1000 Meter ab. In der Nacht auf Dienstag folgten mit dem zweiten Frontensystem weitere, teils ergiebige Niederschläge, die sich zu Beginn vor allem auf das Unterwallis und den westlichen Alpennordhang konzentrierten. Dabei fiel die Schneefallgrenze im Laufe des Nachmittags bis in tiefe Lagen, in stärkeren Schauern wurden auch im Mittelland Schnee vermischt mit Regen beobachtet. Bild 12 zeigt die Niederschlagssummen vom 31. Dezember bis 2. Januar: entlang des Alpennordhangs, aber auch an der Station La Frétaz im Jura fielen bis zu 60 mm Niederschlag. Die Neuschneemengen der letzten 3 Tage, gemessen an den Beobachtungsstationen der MeteoSchweiz, sowie weitere Messungen, publiziert vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF sind unterhalb von Bild 12 verlinkt: sie zeigen vom Unterwallis bis ins Lötschental sowie von den Waadtländer und Freiburger Alpen bis ins Berner Oberland 3-tägige Neuschneesummen von gut 60 cm. Messungen oberhalb von 2000 Meter zeigten lokal mehr als 1 Meter Neuschnee in diesen Regionen. Von den Zentralschweizer Bergen über die Glarner Alpen und die Alpsteinregion bis ins Prättigau waren es rund 40 cm, oberhalb 2000 Meter bis 70 cm.
Bild 12: Niederschlagssummen vom 31. Dezember 2006 bis 2. Januar 2007 des Messnetzes der MeteoSchweiz.
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