24. Oktober 2007 / Andreas Hostettler
Die erste Hälfte des Oktobers 2007 wurde über weite Teile von einem kräftigen Herbsthoch bestimmt, welches besonders den Bergregionen
sonniges und mildes Herbstwetter mit guter Fernsicht bescherte. Auch zu Beginn der zweiten Oktoberhälfte deutete angesichts weiterhin sehr milder Temperaturen und farbenfroher Herbstwälder noch nichts auf eine markante Wetterumstellung hin. So wurden am Mittwoch, 17. Oktober im Vorfeld einer Kaltfront mit auffrischendem Südwestwind im Mittelland vielerorts Temperaturmaxima von knapp 20, in der Nordwestschweiz gar bis 22°C erreicht.
Die Kaltfront erreichte in den Abendstunden des 17. Oktober den Nordrand der Schweiz und überquerte bis Donnerstag, 18. Oktober die Alpen (Bild 1). Die Niederschlagssummen blieben insgesamt bescheiden, einzig entlang des zentralen- und östlichen Alpennordhangs wurden zweistellige Summen registriert. Der Temperaturrückgang war im Vergleich zu der vorgängig milden Witterungsphase beachtlich. So lagen die Temperaturhöchstwerte am Donnerstag, 18.10.07 rund 6 bis 9°C unter den Werten des Vortages. Ganz anders im Tessin: hier sorgte der kräftige Nordwind für trockene und sonnige Verhältnisse. Die Maximumtemperaturen stiegen in den Niederungen verbreitet auf 20°C oder knapp darüber.
Bild 2: Analyse 500 hPa (rund 5500 Meter)vom 20. Oktober 2007, 12UTC.
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Höhenkaltluft erreicht die Schweiz
Im Laufe des Freitags 19. Oktober 2007 drehten die Winde von Nordwest gegen Nordost und verstärkten sich besonders in der Höhe markant. Eingebettet in der kräftigen Höhenströmung näherte sich auf Samstag, 20. Oktober 2007 ein Schwall hochreichender Polarluft den Alpen und sorgte für weiter sinkende Temperaturen (Bild 2). Trotz hohem Bodendruck (Tagesmittel von 1033 hPa in der Ostschweiz) vermochte der Kaltlufttropfen die Atmosphäre soweit zu labilisieren, dass in der Nacht auf Samstag aus Nordosten die Schauertätigkeit kontinuierlich zunahm. In Zusammenhang mit diesen Schauern wurden am Samstagmorgen in den zentralen- und östlichen Landesteilen Schneeflocken bis gegen 500 Meter gemeldet. Entlang des zentralen- und östlichen Alpennordhangs konnte sich bis in mittlere Höhenlagen eine Schneedecke ausbilden: so wurden an den Beobachtungsstationen des
SLF (Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos) in Braunwald auf 1340 Meter und auf der gleich hoch gelegenen Schwägalp, am Fusse des Säntis je 7 cm Neuschnee gemessen. In Zusammenhang mit dem vorübergehenden Aufgleiten von etwas wärmerer Luft auf die Kaltluft in den tieferen Luftschichten, kam es am Sonntagmorgen, 21. Oktober 2007 in den östlichen und nordöstlichen Landesteilen erneut zu etwas Schneefall. In diesen Regionen schneite es vorübergehend bis in die Niederungen. Die Intensität des Schneefalls war allerdings so schwach, dass sich keine Schneedecke ausbilden konnte.
Stürmische Bise in der Westschweiz
Der Kaltluftvorstoss aus Nordost sorgte für ein markantes Ost-West Druckgefälle über der Schweiz (Bild 3). Die Druckdifferenzen zwischen Boden- und Genfersee erreichten am Samstag, 20. Oktober 2007 zeitweise über 7 hPa . Dementsprechend erreichte die Bise in Genf mit Spitzenböen von 79 km/h Sturmstärke. Die stürmische Höhenströmung sorgte in Gipfellagen ebenfalls für beachtliche Windspitzen wie auf untenstehender Karte zu entnehmen ist:
In Berglagen winterlich kalt
Durch den Zustrom der kalten Polarluft aus Nordosten wurden in den Bergen winterliche Temperaturen gemessen. Auf rund 2000 Meter erreichten die Tageshöchstwerte in den in zentralen- und östlichen Alpen und Voralpen nur noch -5 bis -7°C. Wie untenstehende Grafik zeigt, war der Temperaturrückgang innert weniger Tage bemerkenswert:
Turbulentes Wetter im Mittelmeerraum
Mit der Abtropfung der Höhenkaltluft über dem Mittelmeer entwickelte sich am Sonntag, 21. Oktober 2007 über dem Tyrrhenischen Meer ein kräftiges Tief. Angesichts noch relativ hoher Wassertemperaturen im Zusammenspiel mit der Höhenkaltluft kam es zu verbreiteten Schauern und teils heftigen Gewittern. In den Balkanstaaten sowie in höher gelegenen Regionen Mittel- und Süditaliens sorgten ergiebige Schneefälle für teils hochwinterliche Verhältnisse. Die Dynamik des Wettergeschehens ist auf untenstehender Satellitenbild-Analyse vom Montag, 22. Oktober 14 Uhr förmlich zu sehen:
Bild 6: Satellitenbildanalyse, Montag, 22. Oktober 2007, 12 UTC
(Bodendruck, Wetter, Wind auf 850 hPa -rund 1500 Meter-, Wassertemperaturen. Roter Pfeil Warmluftadvektion, blaue Pfeile Kaltluftadvektion.
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Erwärmung in den Bergen, Bise und Hochnebel in tiefen und mittleren Lagen
Im Laufe des Montags liess der Zustrom von Höhenkaltluft deutlich nach. Oberhalb rund 2000 Meter setzte eine markante Erwärmung ein (siehe Bild 5). Allerdings bildete sich dadurch auch eine kräftige Inversionslage aus. So bildete sich im Tagesverlauf über weiten Teilen des Mittellandes eine kompakte Hochnebeldecke mit einer Obergrenze von 1500-2000 Meter aus. Zusammen mit einer erneut kräftigen Bise wurden die Höchsttemperaturen von 4 bis 6°C als sehr unangenehm empfunden. Die Inversionslage hielt auch am Dienstag, 23. Oktober 2007 an. Währenddem sich das Wetter im Mittelland und den angrenzenden Alpentälern von seiner herbstlich grauen Seite zeigte, konnte inneralpin und oberhalb des Hochnebels die Sonne genossen werden. Wie untenstehende Sondierung von Payerne zeigt, war die Inversion sehr stark ausgeprägt: so wurden auf 1450 Meter -4.4°C gemessen; auf 2000 Meter waren es bereits +4.2°C.
Deutlich zu tiefe Tagesmitteltemperaturen
Von Donnerstag, 18. Oktober 2007 bis Montag, 22. Oktober 2007 lagen die Tagesmitteltemperaturen im Vergleich zur Norm 90 (1961-1990) in einem deutlich zu tiefen Bereich. In Berglagen sind die negativen Temperaturabweichungen mit 8 bis 10°C markant. In den Niederungen der Alpennordseite bewegen sich die negativen Abweichungen mit 3 bis 5°C ebenfalls im extremen Bereich. Einzig in tiefen Lagen der Alpensüdseite sind die Tagesmitteltemperaturen nur knapp unter der Norm, dies dank der häufigen Nordwindlagen in der vergangenen Witterungsphase. Dank positiven Abweichungen in der ersten Monatshälfte bleiben die bisherigen Oktobermittelwerte insgesamt allerdings recht ausgeglichen (Stand 23. Oktober 2007).
Bild 8: Abweichung der Tagesmitteltemperaturen von der Norrm (18. bis 22. Oktober 2007)
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