18. Juli 2009 / E. Zala, B. Konantz, D. Murer
Allgemeine Lage
Weite Teile West- und Mitteleuropas lagen im Einflussbereich eines umfangreichen Tiefs mit Kern über Südengland (siehe Abb. 1). Auf seiner Rückseite drang rasch markant kühlere Polarluft gegen Mitteleuropa vor, eine sogenannte Kaltfront. Diese überquerte unser Land am Freitagnachmittag und in der Nacht auf Samstag. Der Temperaturunterschied zwischen der Subtropenluft und der eingeflossenen Polarluft betrug 10 bis 15 Grad.
Erste heftige Gewitter in der Nacht auf Freitag
Bereits im Vorfeld der Kaltfront kamen im Westen und Süden in der Nacht zwischen Donnerstag und Freitag erste heftige Gewitter auf. Auf der unten aufgeführten Niederschlagssummenkarten sind 3 „wetspots“ auszumachen: einer in der Region Genf, ein weiterer in den nördlichen Teilen des Kantons Bern sowie ein besonders ausgeprägter über dem Piemont und dem mittleren Teil des Tessins. Bei der automatischen Station Lugano gingen beispielsweise innert 3 Stunden knapp 100 mm Regen nieder, die Hälfte davon innerhalb von nur 40 Minuten. Auf der Alpennordseite waren die Gewitter auch von starken Windböen begleitet, so wurden in Grenchen 90 km/h und in Mühleberg gar 107 km/h registriert.
Radarniederschlagssumme über 12 Stunden (Do. 22:00 bis Fr 10:00)
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Massive Niederschläge mit der Kaltfront
Am Freitagnachmittag überquerte die eigentliche Kaltfront die Alpennordseite und erreichte am Abend die Ostschweiz. Gleichzeitig verlagerte sich der Höhentrog von Südfrankreich Richtung Oberitalien und zeigte eine Tendenz zur Abspaltung. Damit verlangsamte sich die weitere Verlagerung der Front über die Alpen. Während oberhalb von 3000 Metern mit über 100 km/h feuchtwarme Mittelmeerluft über die Alpen geführt wurde, brachte der starke Westwind mit der Front kühle Polarluft Richtung Ostalpen. Aus dieser Kombination resultierten Aufgleitprozesse, welche die Niederschlagsaktivität nördlich der Alpen massiv verstärkten. Die Frontalzone blieb dabei für einige Stunden nahezu stationär.
Wie weit nach Norden sich diese massiv verstärkten Niederschläge auswirkten, zeigt sich beispielsweise an der Messstation St. Gallen. Dort wurde innerhalb von 6 Stunden über 75 mm Niederschlag registriert.
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Insgesamt brachte die Kaltfront beträchtliche Niederschlagsmengen zustande. Von Freitagabend 18 Uhr bis Samstagmorgen um 6 Uhr sind von den östlichen Alpen bis zum Bodenseeraum verbreitet zwischen 40 und 70 mm Niederschlag gefallen. In den östlichen Voralpen, wo die Aufgleitprozesse besonders wirksam waren, kamen Niederschlagsmengen von über 100 mm zustande.
Berechnete Niederschlagssumme des Radars vom 17.07.2209 18 Uhr bis 18.07.2009 06 Uhr
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Massives Absinken der Schneefallgrenze
Inneralpin, wo der Westwind in den unteren Schichten nicht durchgreifen konnte, wirkte sich dafür die Niederschlagsabkühlung entsprechend aus. Die anhaltenden und intensiven Niederschläge sorgten zum Beispiel in der Surselva und von Mittelbünden bis zum Hinterrhein für ein rasches Abkühlen der Luftschichten und liessen die Schneefallgrenze bis am Samstagmorgen lokal bis gegen 1200 Meter absinken.
Konkret wurden folgende Neuschneemengen gemessen (MeteoSchweiz/SLF):
Auf dem Weissfluhjoch (2540 m) 17 cm, auf dem Säntis (2502 m) 8 cm, in Arosa (1818 m) 10 cm, in Splügen (1457 m) 3 cm, in Sedrun (1420 m), Obersaxen (1420 m) und Samedan (1709 m) je 1 cm.
Verlauf der berechneten Schneefallgrenze anhand der Psychrometertemperatur an der Station Disentis
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Seltenes Ereignis in Arosa
Dass in den Bergen im Sommer Schnee bis 1500 Meter fällt, ist nichts Aussergewöhnliches.
Möchte man jedoch die am 18.7.09 gemessenen 10 cm Neuschnee in Arosa einordnen, so findet man seit 1931 nur acht Tage im Juli mit mehr Neuschnee. Zum letzten Mal war dies am 11.7.1993 der Fall, am meisten überhaupt im Juli fiel am 8.7.1954 mit 24 cm.
Berücksichtigt man nur die zweite Julihälfte, so mass man sogar nur einmal mehr und zwar am 19.7.1981.
Schneeräumung im Einsatz in Arosa am 18.7.09 (Quelle: www.arosa.com)
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