15. August 2006 / Daniel Gerstgrasser
Sehr schneller Wechsel von ausgesprochen heiss zu kühl
Nach der
Hitzewelle im Juli mit zum Teil neuen Rekordwerten der Monatsmitteltemperaturen kündigte sich mit dem Monatswechsel eine markante Wetterumstellung an. Bereits am 25. Juli 2006 erfolgte über Südgrönland ein Kaltluftausbruch, welcher sich allmählich in Richtung Mitteleuropa in Bewegung setzte. Diese Kaltluft erreichte die Schweiz zwischen dem 3. und dem 5. August; die Tagesmitteltemperaturen lagen dabei auf der Alpennordseite 2.5 bis 4, in der Westschweiz zum Teil sogar 5 Grad unter dem langjährigen Mittel. In dieser ersten Phase waren die Wassertemperaturen in den Seen und Flüssen noch ausgesprochen hoch, wodurch am Genfersee und am Bodensee
mehrere Wasserhosen beobachtet werden konnten.
Teils ergiebige Niederschläge
Der Luftmassenwechsel löste teils intensive gewittrige Niederschläge aus, die zu lokalen Überflutungen führten. Innert weniger Stunden fielen in einigen Regionen über 50 mm oder Liter pro Quadratmeter Regen, wie den untenstehenden Radarbildern zu entnehmen ist (Bild 1 und Bild 2). Bis zur Monatsmitte fiel an einigen Station bereits deutlich mehr Niederschlag als üblicherweise im ganzen August, so zum Beispiel im Unterwallis, im Raum Lausanne, in den Freiburger Voralpen, in der Ajoie und im Gebiet von Biel bis nach Olten (Bild 3).
Bild 1: 24-stündige Nieder-schlagssummen aus den Radarmessungen (4. August 2006 00 bis 24 Uhr UTC). Punktuell sind über 50 mm gefallen, so zum Beispiel in Altenrhein am südöstlichen Bodenseeufer.
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Bild 2: 24-stündige Nieder-schlagssummen aus den Radarmessungen (5. August 2006 00 bis 24 Uhr UTC). Punktuell sind über 70 mm gefallen, so zum Beispiel vom Schächental (UR) bis zum Kanton Schwyz und in Teilen des Unterwallis'.
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Bild 3: Niederschlagssummen vom 1. - 14. August 2006 der Messstellen von MeteoSchweiz. Aufgrund der oftmals gewittrigen Niederschläge sind die Gesamtsummen recht unterschiedlich verteilt.
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In der Folge regenerierte sich das entstandene Höhentief über Europa immer wieder (s. Bild 4 bis Bild 6). Vom Nordmeer gab es einen kontinuierlichen Zustrom maritimer Polarluft Richtung Süden und Südosten. Die Schneefallgrenze sank am 3. August 2006 auf der Alpennordseite und im nördlichen Graubünden teilweise gegen 1800 Meter, sonst pendelte sie in den niederschlagsintensiveren Phasen meist zwischen 2000 und 2500 Metern.
Bild 4: Höhenkarte mit der Druckverteilung in etwa 5500 Metern (500hPa) am 3. August 2006, 12 Uhr UTC. Der erste Kaltluftvorstoss hat die Schweiz erreicht.
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Bild 5: Höhenkarte mit der Druckverteilung in etwa 5500 Metern (500hPa) am 8. August 2006, 12 Uhr UTC. Nach einer kurzen Beruhigung stösst von Norddeutschland her weitere Kaltluft zu den Alpen vor. Über Island folgt ein zweiter Kaltluftausbruch, welcher ebenfalls Kurs nach Südosten nimmt.
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Bild 6: Höhenkarte mit der Druckverteilung in etwa 5500 Metern (500hPa) am 14. August 2006, 12 Uhr UTC. Ein umfangreiches Höhentief liegt über Europa, über der Schweiz hat der Höhenwind auf West gedreht.
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Tiefe Temperaturen
Ab dem 3. August lagen die Temperaturen auf der Alpennordseite, im Wallis und in Graubünden mit wenigen Ausnahmen durchgehend unter dem langjährigen Mittel, die erste Monatshälfte war in den Niederungen 2 bis 2.5 Grad, in den höheren Lagen sogar um bis zu 4 Grad kälter als im langjährigen Durchschnitt (s. Bild 7). Die tiefsten Höchstwerte wurden am Sonntag, den 13. August 2006 gemessen. Im Mittelland wurden vielerorts nicht einmal 14 Grad erreicht. Zufälligerweise wurden im Hitzesommer 2003 am gleichen Tag die höchsten Werte des gesamten Sommers registriert, im Mittelland zeigte das Thermometer damals verbreitet 35 bis 36, lokal sogar 37 Grad...
Bild 7: Mitteltemperaturen vom 1. - 14. August 2006 und Abweichung zum langjährigen Monatsmittel der Messstellen von MeteoSchweiz
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Trendwende ab der Monatsmitte
Ab dem 15. August zeichnete sich eine Trendwende ab, die Höhenströmung drehte von Nordwest auf Südwest. Es wurden allmählich wieder wärmere Luftmassen zum Alpenraum geführt, sodass die Nullgradgrenze wieder gegen 3000 Meter kletterte. Markant ist, dass die kalte Phase mit einer für den Sommer doch eher aussergewöhnlich kräftigen Westlage abgeschlossen wurde. Innerhalb der polaren Kaltluft haben sich am 13. und am 14. August zwei Randtiefs gebildet, welche sich über Süddeutschland nach Osten verlagerten. Dadurch wurden im Flachland Böen von 40 bis knapp 60 km/h und in leicht erhöhten Lagen (Hörnli, Üetlibergturm) bis knapp 80 km/h ausgelöst.
Vergleich Luftmassenherkunft Juli 2006 vs. August 2006
Der Bildvergleich unten zeigt deutlich die verschiedenen Ursprungsgebiete der Luftmassen. Im heissen Juli stammten die Luftmassen in den oberen Schichten weit aus dem Südwesten, in den unteren Schichten stagnierte die Strömung während des beobachteten Zeitraumes von vier Tagen. Hier wurde die Luft also an Ort und Stelle erwärmt. Diese Erwärmung erfolgte nicht zuletzt aufgrund der bereits ausgetrockneten Böden sehr effizient. Im Laufe des Augusts drehte das Strömungsregime über Europa auf Nord bis Nordwest, wodurch wiederholt maritime Polarluft vom Nordmeer nach Mitteleuropa gelangte.
Bild 8: Rückwärtstrajektorie ("Zugbahn der Luftmassen") in verschiedenen Höhen. Die Luftmasse, welche uns am Juli 27. Juli (einer der heissesten Tage des Jahres) in grösserer Höhe erreichte, befand sich vier Tage zuvor noch südlich von Spanien.
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Bild 9: Rückwärtstrajektorie ("Zugbahn der Luftmassen") in verschiedenen Höhen. Die Luftmasse, welche uns am 13. August 2006 erreichte, überquerte vier Tage zuvor das Nordmeer und gelangte über die Britischen Inseln zu uns.
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