15. Februar 2009 / Marco Stoll
Die Wetterentwicklung in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 2009 erlaubte ein Absinken der Temperatur auf sehr tiefe Werte. Die von MeteoSchweiz registrierten Tiefstwerte sind in Abb. 1 zusammengestellt. Vielerorts war dies die kälteste Nacht im bisherigen Winter 2008/2009, so zum Beispiel in La Brévine, La Chaux-de-Fonds, Zermatt, Evolène, Montana, Grimsel, Altdorf, Davos, Kloten und Reckenholz, sowie auf den Bergstationen Jungfraujoch, Pilatus, Gütsch, Säntis, Piz Martegnas, Crap Masegn und Weissfluhjoch. In Samedan wurde in der vorangegangenen Nacht vom 13. auf den 14. Februar mit -29.3°C die kälteste Nacht dieses Winters gemessen. Samedan oder Ulrichen, in den höher gelegenen alpinen Talkammern, sowie die Station La Brévine in einer Jurasenke auf 1041 m ü. M. weisen im Winter regelmässig sehr tiefe Temperaturminima auf. So wurde auch der absolute Negativrekord mit -41.8°C am 12. Januar 1987 in La Brévine gemessen (
Wetterrekorde).
Meteorologisch günstige Bedingungen für tiefe Nachttemperaturen
Die Bedingungen für sehr kalte bodennahe Temperaturwerte waren optimal: Schon seit mehreren Tagen floss Kaltluft zum Alpenraum. Darin eingelagerte Schneeschauer bedeckten weite Teile der Alpennordseite mit Schnee. Berechnungen der Luftmassenherkunft auf Grundlage der numerischen Modelle des Europäischen Zentrums für Mittelfristvorhersagen (EZMW) sowie der US-amerikanischen NOAA (GFS-Modell) für verschiedene Höhenbereiche sind in den Abbildungen 2 und 3 gezeigt. Sie deuten bspw. für die blauen Zugbahn (Trajektorie), welche auf etwa 1500 m ü. M. endet (Jurahöhen), auf eine Luftmasse polaren Ursprungs hin, welche von der Norwegischen See über Südnorwegen, Dänemark und Deutschland zum Alpenraum eingeflossen ist.
Ein wichtiger Faktor war das Einfliessen von trockener Luft in den mittleren und höheren Luftschichten und damit das Aufklaren pünktlich auf die Nachtphase, welches maximale thermische Abstrahlung erlaubte. Einzig im östlichen Mittelland und in den östlichen Alpen waren bis am frühen Morgen noch Bewölkungsreste in den unteren Wolken-Stockwerken vorhanden, bzw. es bildeten sich am frühen Morgen in diesen Gebieten dann flache Nebel- oder sehr tief liegende Hochnebelbänke. Die weitgehend wolkenlose Schweiz ist in Abb. 4 im Satellitenbild erkennbar, welches von einem polarumlaufenden NOAA-Satelliten in einer tiefen Umlaufbahn um etwa 0530 UTC kurz vor Tagesanbruch aufgenommen wurde. Deutlich erkennbar sind die dunklen Seeflächen und die hell erscheinenden Schneeflächen der Gebirgsregionen, aber auch des Flachlandes. In etwas weniger hellen grautönen heben sich einzig die Nebelbänke in der Zentral- und Ostschweiz leicht schneebedeckten Untergrund der ansonsten wolkenlosen Schweiz ab. Eine weitere günstige Randbedingung für tiefe Nachtminima war der schwache Wind, der die Bildung von dünnen bodennahen Kaltluftseen erlaubte. So setzte beispielsweise am Flughafen Genf-Cointrin bereits gestern die Bise ein und sorgte auch während der ganzen Nacht für eine stete Durchmischung der tiefen Luftschichten. Auch in La Brévine wehte am Nachmittag noch die Bise, die in der Nacht gebildete Kaltluft war in Folge Abkühlung jedoch rasch entkoppelt von der abgehobenen Bisenströmung und konnte ruhig am Boden liegen bleiben, wie aus dem Verlauf der Böenspitzen und Temperatur in Abb. 5 ersichtlich wird. In Zürich-Kloten wehte der Wind am Samstag noch aus Nordwest, flaute schon am Abend rasch ab und blieb in der Nacht und am Sonntagvormittag ebenfalls schwach.
|
|
|
Abb. 5: Verlauf der Böenspitzen und der 2m-Temperatur in La Brévine, Genf-Cointrin und Zürich-Kloten in der Nacht auf den 15. Februar 2009 Boen_Temperatur_Verlauf.jpg, 58 KB
|