MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

30. Juni 2003 / Meteoschweiz

 

Hohe Temperaturen

 

Extreme Temperaturen im Juni 2002
Stephan Bader, Eugen Müller, MeteoSchweiz 24. Juni 2002

Bedingt durch ein ausgesprochen stabiles Hochdruckgebiet über Mittel- und Südeuropa sowie durch sehr warme Luftmassen hat eine Hitzewelle die Schweiz erfasst. Vom 14. bis zum 23. Juni 2002 bewegten sich die Tageshöchsttemperaturen in den Niederungen auf hochsommerlichem Niveau.

Am 18. Juni 2002 wurden vielerorts die bisher höchsten Werte in diesem Jahr gemessen. Am heissesten war es in Buchs-Aarau mit 35.1 Grad. In Basel stieg das Quecksilber auf 34,5 Grad, in Genf auf 34,3 Grad und in Luzern auf 33,7 Grad. Zudem lag die Nullgradgrenze auf 4850 Metern, was ausserordentlich hoch ist. In Genf wurden die höchsten Temperaturen hingegen erst am Ende der Hitzeperiode erreicht. Am 23. Juni 2002 stieg hier das Tagesmaximum auf 35.3 Grad.

Derart extreme Temperaturen im Monat Juni sind sehr selten. Wie selten lässt sich allerdings vorderhand nicht genau beantworten. Das Resultat der Messung von sommerlichen Maximum-Temperaturen ist stark von der Messmethodik abhängig. Vor der automatischen Messung befanden sich die Messinstrumente in Wetterhütten, welche durch die intensive sommerliche Strahlung der Sonne selber stark aufgeheizt wurden. Die in der Hütte ruhende Luft erwärmte sich dadurch deutlich stärker als ausserhalb davon. Die Messung erfolgte somit unter ungünstigen Bedingungen. Die heutigen automatischen Messstationen hingegen sorgen ständig für Frischluftzufuhr. Das Aufheizen ruhender Luft ist nicht mehr möglich.

Da in der Vergangenheit mehrere Arten von Wetterhütten in Gebrauch waren, sind die heute automatisch gemessenen Maxima-Werte nicht mehr direkt mit den früheren vergleichbar. Die Werte vor der automatischen Messung würden mit dem heutigen Messverfahren etwa 1 bis 2 Grad tiefer liegen.

Für die Messstation Basel sind Maximum-Temperaturen bis ins 19. Jahrhundert zurück verfügbar (Figur 1). Der Juni-Höchstwert aus dem Jahre 1947 ist dabei auch unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Messverfahren vermutlich die höchste je gemessene Temperatur in dieser Messreihe. Er liegt auch nach einer allfälligen Reduktion immer noch deutlich über dem bisher im Juni 2002 erreichten Höchstwert.

 

Temperatur-Maximum Monat Juni

Figur 1: Maximum-Temperatur im Monat Juni für die Messstation Basel. Der bisherige Juni-Höchstwert aus dem Jahre 1947 würde mit der heutigen Messanordnung vermutlich bis 2 Grad tiefer liegen.

An die seit Messbeginn registrierten Höchstwerte im Monat Juni kamen die aktuellen Werte an den meisten Orten also nicht heran. Einzig an höheren Standorten wurden vereinzelt die höchsten je gemessenen Juniwerte übertroffen, wie zum Beispiel in Engelberg OW mit 30,5 Grad oder in Davos mit 27,7 Grad. Die höchste überhaupt gemessene Temperatur stammt wiederum aus Basel. Sie betrug 39,0 Grad im Juli 1952.

Während auf der Alpennordseite zum Zeitpunkt der grössten Hitze durch die geringe relative Luftfeuchtigkeit von 40 Prozent die Situation noch einigermassen "erträglich" war, litt das Tessin mit rund 60 Prozent Luftfeuchtigkeit zusätzlich unter ziemlich schwülen Bedingungen. Dadurch bildete sich auch ein dichter Dunst. Schwül wurde es in der Nordschweiz ganz am Ende der Hitzeperiode. Am 23. Juni 2002 herrschten bei immer noch sehr hohen Temperaturen 70 % relative Luftfeuchtigkeit. Der Taupunkt lag zwischen 17 und 20 Grad.

Ab den frühen Morgenstunden des 24. Juni 2002 setzte eine sehr aktive Gewitterfront der Hitzeperiode ein Ende. In mehreren Schüben durchzogen intensive Gewitter-Niederschläge, z.T. durchsetzt mit Hagelschlägen, unser Land und brachten eine merkliche Abkühlung.

 

Satellitenbild vom 24. Juni 2002

Figur 2: Satellitenbild vom 24. Juni 2002 um 6:30 h Mitteleuropäischer Sommerzeit. Erkennbar sind massive Gewitterherde in der Region der Schweiz.

Extreme Hitze und Trockenheit in der Vergangenheit

Auch unsere Vorfahren litten bisweilen unter extrem heissen Sommern (C.G. Brügger, 1882). Eine ganz besondere Hitze brachte offenbar das Jahr 1540 für die Schweiz. Die grosse Wärme begann bereits im Februar und hielt bis zum Dezember an. Im Hochsommer herrschte eine anhaltende Dürre, so dass die meisten Brunnen versiegten und viele Bäche vollständig austrockneten. Vielerorts konnte man gar zu Fuss durch den Rhein waten. Die Hitze und Trockenheit war derart enorm, dass sich Wälder selbst zu entzünden vermochten.

Ähnliches wird aus dem Jahre 1473 berichtet. Als Folge der Wärme blühten bereits im Februar die Bäume. Im Sommer kam eine bisher nicht gekannte Hitze über unser Land und liess grossen Wassermangel entstehen. Zum Teil musste deshalb gar das Vieh von den Alpen hinunter getrieben werden. Auch von diesem Jahr wird berichtet, dass sich Wälder selbst entzündeten und verbrannten. Gar wunderlich verhielt sich der Herbst: Im Oktober sollen die Bäume erneut zu blühen begonnen haben, und Anfang November konnte man ein zweites Mal reife Kirschen ernten.

Literatur:
Brügger C.G., 1882: Beiträge zur Naturchronik der Schweiz, insbesondere der Rhätischen Alpen. I.-IV. Folge. Chur.

 

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