22. Februar 2008 / Marco Stoll
Eine schwache Störung zog am Mittwoch und Donnerstag über die Schweiz. Sie beendete die seit anhaltende Phase hochdruckbestimmten und meist sonnigen Wetters.
Vom 6. auf den 7. Februar verlagerte sich ein Hoch von Südwest- nach Mitteleuropa, und bestimmte von dem Moment an auch das Wetter im Alpenraum (Bild 1, Wetterkarte vom 7.). Nach weiterer Verlagerung des Schwerpunkts nach Osten bildete es zusammen mit dem sehr kräftig ausgebildeten Russlandhoch einen Keil, an dessen Südwestrand sehr trockene Luft in die Schweiz geführt wurde. Am 15. und 16. sickerte von Norden her seichte Kaltluft ein, schwächte den Hochkeil vorübergehend ab, und brachte auf der Alpennordseite den sonst bei Hochdrucklagen eher üblichen Hochnebeldeckel über dem Mittelland (Bild 2, Wetterkarte vom 15.,
siehe dazu auch den Bericht vom 15. Februar). Tags darauf lag dann auch über den Niederungen der Alpensüdseite hartnäckiger Hochnebel. Nach Durchzug dieser Störung verstärkte sich das Hoch über dem Nordseeraum wieder. Es verlagerte seinen Kern auf den 17. zu den Ostalpen, und erreichte in der Nacht seine maximale Ausprägung (Bild 3, Wetterkarte vom 17.). In Stabio im Mendrisiotto wurde dabei mit einem Luftdruck von 1046.3hPa (reduziert auf Meereshöhe, QFF) fast der Rekordwerte vom 3. Januar 1989 (1046.4hPa) erreicht. In der Folge wurde das kräftige Hoch kontinuierlich abgebaut, was immerhin drei Tage dauerte. Ausgerechnet am Mittwoch und am Donnerstag, als in der Nacht eine partielle Mondfinsternis zu beobachten gewesen wäre, erfasste feuchte Subtropikluft mit ausgedehnter Bewölkung die Schweiz, und beendete die Schönwetterperiode (Bild 4, Wetterkarte vom 21.).
Für die Jahreszeit ausserordentlich viel Sonnenschein
Im Druckverlauf vom 1. bis 21. für Zürich, Genf und Stabio (Bild 5) wird der oben geschilderte Ablauf (Aufbau des Hochs, anhaltend hoher Druck von über 1030hPa, kurze Schwächephase, maximale Ausprägung, und anschliessender Abbau) noch einmal deutlich. Die während dieser Zeit gemessene Sonnenscheindauer zeigt, wie trocken und dementsprechend wolkenarm die herangeführte Festlandluft gleichzeitig war (Bild 6.) Zwischen dem 7. und 19. Februar wurde die in dieser Jahreszeit maximal mögliche Sonnenscheindauer von rund 8 Stunden fast täglich erreicht. Eine Ausnahme bilden der 15. und 16., als die oben erwähnte und in Bild 2 gezeigte Störung die Schweiz vorübergehend erfasste.
Bild 5: Luftdruck-Verlauf an den Stationen Zürich-MeteoSchweiz, Genève-Cointrin und Stabio vom 1. bis 22. Februar 2008
Luftdruck: QFF und QNH
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Bild 6: Tagessummen der Sonnenscheindauer an den Stationen Zürich-MeteoSchweiz, Genève-Cointrin und Stabio vom 1. bis 21. Februar 2008
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Schweizweit liegt die bislang im Februar 2008 registrierte Sonnenscheindauer bereits weit über dem langjährigen Mittel der Jahre 1961-1990 (Bild 7, vgl.
Klimanormwerte). Vor allem in den ansonsten vom Nebel und Hochnebel betroffenen Gebieten des Mittellandes ist der diesjährige Februar unüblich sonnig: in Kloten fehlt bis zur Überschreitung des bislang höchsten Wertes aus dem Jahr 2004 (125 Stunden Sonnenschein) nur noch wenig. In Anbetracht der Wetterprognosen für das kommende Wochenende dürfte dieser Rekord in den nächsten Tagen fallen. In Genf wurden im Februar 1998 168 Stunden registriert, in Bern und Basel datiert der Rekord aus dem Jahre 1949 mit 179, respektive 159 Stunden.)
Bild 7: Sonnenscheindauer im Februar 2008 in Stunden, Stand bis 21. Februar.
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In den Bergen konnte man wegen der sehr tiefen Luftfeuchtigkeit eine ausgezeichnete Fernsicht geniessen (bspw. Bild 12 ganz unten: Findeln und Matterhorn im Mattertal). Die Sicht wird im Hochgebirge in erster Linie durch Wasserdampf und feinste Wasserteilchen getrübt. Der Verlauf der relativen Feuchtigkeit an den Bergstationen Säntis, Jungfraujoch und Gornergrat (Bild 8) zeigt, wie trocken die Luft vom 8. bis 20. war. Die relative Feuchtigkeit betrug zeitweise weniger als 5%, so zum Beispiel in der Nacht vom 9. auf den 10. auf dem Säntis. Dies entspricht einem Wassergehalt in der Grössenordnung von 0.1 Gramm Wasser pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: an schwülen Sommertagen enthält ein Kubikmeter Luft im Flachland manchmal bis zu 15 Gramm Wasser!
Bild 8: relative Luftfeuchtigkeit auf dem Säntis, dem Jungfraujoch und dem Gornergrat vom 6. bis 21. Februar 2008
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Erhöhte Schadstoffbelastung
Auf Grund der fehlenden Luftmassenwechsel und der schwachen Durchmischung der bodennahen Luftschichten wurden an einigen Tagen massive Überschreitungen der Schadstoffkonzentration, beispielsweise
Feinstaub (PM10) gemessen. Eine Zusammenstellung der Tagesmittelwerte der PM10-Konzentration zeigt die deutlich erhöhten Werte während der Hochdruckphase (Tabelle 1). Der vorübergehende Rückgang der Schadstoffe korreliert sehr schön mit der schwachen Front vom 15. und 16.2. und dem damit einhergehenden Luftmassenwechsel, sowie der vorübergehend auffrischenden Bise.
An den meisten übrigen Tagen im Februar war der Wind sehr schwach, wie der Verlauf der Stundenmittel der Windgeschwindigkeit in Bild 9 zeigt. Damit fehlte eine Verteilung der Schadstoffe auf eine grosse Fläche, die Konzentration stieg von Tag zu Tag an. In der Deutschschweiz sorgten die Niederschläge vom Mittwoch 20. und Donnerstag 21. für ein „Auswaschen“ der Schadstoffe und einen Rückgang der Belastung auf tieferes Niveau leicht unterhalb des Grenzwertes.
Bild 9: Stundenmittel der Windgeschwindigkeit an den Stationen Zürich-MeteoSchweiz, Genève-Cointrin und Stabio vom 6. bis 22. Februar 2008
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In den kommenden Tagen weiterhin sehr mild
Über Westeuropa stellt sich auf Sonntag eine Südwestlage ein. Sehr milde Subtropikluft wird in den kommenden Tagen das Wetter in der Schweiz bestimmen. Insbesondere in erhöhten Lagen in den Alpen und Voralpen sowie in den Föhntälern des Alpennordhangs wird diese Luft sehr hohe Temperaturmaxima verursachen. Eine vergleichbare Wettersituation herrschte am 20. und 21. Februar 1998. Damals registrierte die Ballonsonde von Payerne bei ihrem Aufstieg auf einer Höhe 1500m ü. M. eine Temperatur von etwas über 10 Grad. Die aktuellen Vorhersagen gehen für den Sonntagmittag in eine ähnliche Grössenordnung (Bild 10).
Bild 10: Computervorhersage der Temperatur auf dem 850-hPa-Druckniveau (etwa 1500m ü. M.) sowie der Gesamtbedeckung für Sonntag 24. Februar 2008. Ausgangslage für die Vorhersage ist Freitag 22. Februar 2008 um 01 Uhr.
Numerisches Vorhersagemodell COSMOgross.png, 488 KB
In Disentis und Davos wurden an besagtem 20. Februar 1998 die bislang höchsten Februarmaxima registriert, mit Föhnunterstützung am Folgetag dann auch in Vaduz. Bild 11 zeigt die Höchsttemperatur in den Regionen Graubünden und Zentralschweiz von damals.
Bild 11: Höchsttemperatur in der Zentral und Südostschweiz am 20. Februar 1998
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Bild 12: Matterhorn und Findeln am 16. Februar 2008. Foto von B. Konantz, MeteoSchweiz
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