Zum Ende der Hundstage (23. Juli bis 23. August) gibt der Sommer so richtig Gas. Verbreitet werden Höchsttemperaturen über 30 Grad erwartet.
Zwischen einem Hoch über Mittel- und Osteuropa und einem Tief westlich der Iberischen Halbinsel herrscht über dem Alpenraum eine südwestliche Strömung. Diese führt zunehmend sehr warme Luft von Spanien her zur Schweiz (siehe Abbildung 1).
Am Freitag, den 19. August 2011 steigt die Temperatur auf der Alpensüdseite und teils im Norden auf über 30 Grad. Ab dem Wochenende werden verbreitet Höchswerte über der 30 Gradmarke erreicht, und eine mehrtägige Hitzeperiode wird eingeleitet.
Am Sonntag sind in den Niederungen Höchsttemperaturen zwischen 30 und 35 Grad zu erwarten. Auch die Nullgradgrenze steigt an. Am Sonntag liegt sie auf über 4500 Metern Höhe, damit sind auch auf den höchsten Alpengipfeln positive Temperaturen zu erwarten.
Die Warmluft sorgt auch in der ersten Wochenhälfte weiterhin für meist sonnige Verhältnisse bei Höchsttemperaturen über 30 Grad. Die aus Südwesten zugeführte Luftmasse ist allerdings zunehmend feuchter und damit schwülheiss. Besonders in den Bergen steigt daher jeweils in der zweiten Tageshälfte das Gewitterrisiko an.
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Abb. 1: Temperatur und Geopotential in 850 hPa (~1500 m ü.M.). Für die Bestimmung der Höchsttemperatur in den Niederungen müssen 10 bis 15 Grad hinzuaddiert werden.
gross.png, 328 KBWie war es in früheren Jahren?
Hitzetage kommen in der zweiten Augusthälfte recht häufig vor: in tiefen Lagen wartet jedes zweite Jahr mit mindestens einem solchen auf, häufig sind es dann aber gerade 2 oder 3 Hitzetage nacheinander. Im vergangenen Jahr gab es nur lokal einmal 30 Grad, und zwar am 26. August. Vor zwei Jahren bewirkte eine kleine Hitzewelle vom 16. bis 20. August in den meisten Gegenden 3 bis 5 Hitzetage. Auch in den Jahren 2003 und 2001 wurden 30 Grad um den 25. August herum an mehreren Tagen übertroffen. In den 80er und 90er Jahren war dies allerdings deutlich seltener der Fall.
Die grösste Hitzewelle ereignete sich bekanntlich in der ersten Augusthälfte 2003. Sie wird hier zum Vergleich herangezogen, da die Wetterlage der kommenden Tage eine gewisse Ähnlichkeit aufweist. Das damalige Ausmass der Hitze wird nicht übertroffen werden, aber wir sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine rekordverdächtig späte Hitzewelle.
Die extreme Hitzewelle im August 2003
Praktisch während der gesamten ersten Monatshälfte befand sich Mitteleuropa im Bereich einer ausserordentlich warmen Luftmasse. Afrikanische Warmluft wurde häufig mit südwestlichen Höhenwinden herangeführt (siehe Abbildung 2).
Tagelang überschritt das Thermometer die Hitzemarke, am längsten in Locarno mit 14 Tagen in Folge (siehe Abbildung 3). An den meisten Orten lagen die typischen Tageshöchstwerte vom 4. bis 13. August um 34 Grad, und in Grono im Misox wurde am 11. August der bisher absolute Höchstwert der Schweiz gemessen: 41,5 Grad.
Höhepunkt der Hitzewelle am 22.08.2011 und Vergleich zu früheren Hitzewellen
Extrem hohe Temperaturen in Teilen der Schweiz:Auf der Rückseite eines markanten Höhenrückens floss aus Südwesten heisse Saharaluft zur Schweiz, so dass die Temperatur in der freien Atmosphäre auf 1600 Meter bei 23 Grad lag. Im Zusammenhang mit der uneingeschränkten Sonneneinstrahlung ergaben sich sehr hohe Tagesmaxima. So stieg beispielsweise auf dem Säntis die Temperatur auf maximal 20.5 Grad, dies ist nur 0.3 Grad vom absoluten Hitzerekord am 27. Juli 1983 entfernt. Auch in Davos war es extrem heiss. So wurden am Nachmittag 28.5 Grad gemessen, dies ist nur 0.5 Grad vom absoluten Hitzerekord entfernt, welcher ebenfalls am 27. Juli 1983 aufgestellt wurde.
Diese Wetterlage ist im übrigen prädestiniert für Hitzerekorde. Dies war zum Beispiel am 4. Juli 1905 so, auch der 6. Juli 1957 war durch südwestliche Höhenwinde geprägt und dann natürlich insbesondere die Tage vom 26. bis 28. Juli 1983 und der 31. Juli 1983. Selbst der Hitzesommer 2003 kann sich an einigen Orten nicht mit den exorbitant hohen Temperaturen messen, welche bei einer Südwestlage mit involvierter Sahraluft auftreten.
Der Grund liegt darin, dass die Wetterlage damals anders war. Dazumal herrschten am heissesten Tag, nämlich den 13. August 2003, schwache westliche Winde, und die Luft war in höheren Niveaus etwas kühler. Allerdings war damals die Hitze über weite Teile von Mitteleuropa verbreitet, so dass in den untersten Luftschichten sich keine stabile Luftschicht halten konnte. Aus diesem Grund waren im August 2003 auch in den Niederungen die Lufttemperaturen sehr extrem und erreichten auf der Alpennordseite mit 38.6 Grad in Basel einen sehr hohen Wert. Beim aktuellen Fall hingegen findet sich bis auf 1500 Meter über Meer eine stabile Luftschichtung vor, das heisst es ist in den Niederungen nicht wesentlich wärmer als zum Beispiel auf 1000 Metern Höhe. Man könnte dies mit der fortgeschrittenen Jahreszeit im letzten Drittel des August deuten. Dies ist aber wahrscheinlich nicht der Fall. Wenn man nämlich auf ähnliche Fälle zurückschaut, war es auch im Hochsommer bei solchen Südwestlagen nicht anders, dies zum Beispiel am 6. Juli 1957 und an den obgenannten Daten Ende Juli 1983, ganz besonders am 31. Juli 1983. Zudem waren 1983 die Böden völlig ausgetrocknet. Dennoch hielt sich die stabile Schichtung am 31. Juli den ganzen Tag. Durch das allgemein extrem hohe Temperaturniveau - auf 1600 Meter über Meer wurden fast unglaubliche 26 Grad gemessen - gab es in Basel mit 38.4 Grad trotzdem eine äusserst hohe Temperatur.
Auch am heutigen Montag war es in den Niederungen trotz stabiler Schichtung sehr heiss, gab es doch in Basel 35.0,in Chur mit etwas Föhn 35.4 und in Sion gar 36.8 Grad. Extrem war es in einigen Alpentäleren; so gab es in Ulrichen 30.2 Grad, In Andeer im Hinterrheintal auf 987 Metern wurden ebenfalls mit etwas Föhn 32.4 Grad gemessen.







