Im Bereich von stürmischen Höhenwinden ist im Laufe des Donnerstags bei Irland ein Randtief entstanden (s. Bild 1).
Es verlagerte sich in der Folge unter Verstärkung über den Ärmelkanal und Nordfrankreich hinweg nach Deutschland. Auf der Vorderseite des Tiefs verstärkten sich die Winde, in der Nacht auf Freitag erreichten sie in höheren Lagen Sturmstärke.
Bild 1: Bodendruckkarte mit Fronten, Donnerstag, 18. November 2004, Mittag
Die Position der Front (Bild 2, s. unten) ist im Übergangsbereich zwischen Druckfall (gelb) und Druckanstieg (braun) erkennbar.
Im weiteren Verlauf überquerte die Front den Jura und das Mittelland und legte sich an die Alpen. Um die Mittagszeit konnte die Kaltluft die Alpen überqueren, dadurch wurde auf der Alpensüdseite stürmischer Nordföhn ausgelöst.
Bild2: Prognosekarte Bodendruck und Drucktendenzen für Freitagmorgen
Auf der Alpennordseite wurden die stärksten Windböen im Vorfeld der Front etwa zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen gemessen. In den (bei Westwind geschützten) Alpentälern, traten die Sturmböen erst unmittelbar mit der durchziehenden Kaltfront auf. Die Böenspitzen lagen dabei verbreitet über 100 km/h. Ursache dieser Böen ist der mit dem Luftmassenwechsel verbundene starke Druckanstieg und die kräftige nordwestliche Höhenströmung.
Die stärkste Böe wurde mit 110 km/h in Quinten am Nordufer des Walensees aufgezeichnet. Die gemessenen Druckanstiege waren sehr markant, so stieg das Barometer in Glarus innert 30 Minuten um 3.4 Hektopascal an. Die 3-stündigen Druckänderungen betrugen im Flachland 6-8 in den Alpentälern 8-10 Hektopascal.
Im Flachland lagen die Böenspitzen bei 70 bis 85, am Bodensee lokal über 100 km/h. An leicht erhöhten Lagen des Mittellandes wurden 100 bis 115, auf den Voralpen- und Alpengipfeln 130 bis 150 km/h registriert. An exponierten Lagen wie zum Beispiel auf dem Säntis wurden sogar 180 km/h gemessen.
Bild3: Böenspitzen in km/h im Zeitraum von Freitag Mitternacht bis Mittag Im Laufe des Tages verlagerte sich die Sturmtätigkeit auf die Alpensüdseite, die Böenspitzen sind auf der Windkarte im Bild 3 noch nicht berücksichtigt!
