13. Dezember 2007 / Heinz Maurer, Daniel Gerstgrasser
Nach einer Woche mit weniger Neuschnee und milden Temperaturen folgte vom 9. bis 12. Dezember 2007 erneut eine Periode mit grösseren Schneefällen und tieferen Temperaturen. Am Sonntag, dem 9. Dezember zog ein Tief unter Auffüllung über die Britischen Inseln hinweg in Richtung Holland. Bild 1 zeigt das Tief auf 500 hPa, das heisst in einer Höhe von etwa 5500 Metern. Die Zone mit den stärksten Höhenwinden (rote Federn) ist dabei gegen Südfrankreich und Nordspanien gerichtet. Gleichzeitig liegt die Schweiz auf der kalten Seite dieses Starkwindstromes und die Westalpen in deren linken Ausgang. In diesem Gebiet werden die Hebungsprozesse verstärkt: so fielen dann - wie Bild 2 zeigt - auch in den südwestlichen Schweizer Alpen bis am Montagmorgen die grössten 24-stündigen Neuschneemengen.
Am Montag, dem 10. Dezember verlagerte sich das erwähnte Tief unter weiterer Auffüllung nach Deutschland (Bild 3). Die Höhenwinde drehten dabei im Alpenraum über West auf Nordwest. Sie führten hochreichend kalte und feuchte Polarluft heran. Diese staute sich zunehmend an den Alpen. Damit dehnte sich das Gebiet mit den grössten Neuschneefällen vom Unterwallis über den westlichen und zentralen bis zum östlichen Schweizer Alpennordhang aus (Bild 4).
Am Dienstag, dem 11. Dezember erreichte dann das Tief unter weiterer Auffüllung Österreich (Bild 5). Die nordwestlichen bis nördlichen Höhenwinde liessen zwar langsam etwas nach, führten aber immer noch recht feuchte Kaltluft gegen unsere Berge. Dementsprechend wurden dann am Mittwochmorgen die grössten Neuschneemengen von den Schwyzer- bis zu den Glarneralpen gemessen (Bild 6).
Zusätzliche Informationen zur Schneedeckenentwicklung, Schneehöhen, Schneedeckenstabilität und weitere Aspekte zur Schnee- und Lawinensituation in den Schweizer Alpen finden Sie im wöchentlichen Rückblick "WinterAktuell" vom SLF.
Vergleich der aktuellen mit den langjährigen Schneehöhen und Prognose
Die aktuellen Schneehöhen in den Schweizer Alpen liegen verbreitet deutlich über den langjährigen Mittelwerten (Bilder 7 bis 9). Sie liegen zwischen den Werten des schneereichen Winters 1999/2000 und den absolut höchsten Werten der vergangenen 40 bis 50 Jahren. Das heisst aber nicht, dass es in diesem Winter langfristig nach diesem Schema weitergeht: ähnlich wie bei den Aktien- oder Börsenkurse im Bankgeschäft sind vergangene Entwicklungen keine Garantie für zukünftige.
Kurz- und mittelfristig kommt es zu einem „Status quo“, was die Schneehöhen im Schweizer Alpenraum betrifft: bis gegen Weihnachten sorgt nämlich ein recht kräftiges Hoch mit Schwerpunkt im Nordosten Europas für meist heiteres und trockenes Bergwetter. Dadurch wird die grossräumige, feuchtmilde Westwinddrift über dem Atlantik blockiert. Die Temperaturen gehen dabei zunächst zurück und steigen dann in der Vorweihnachtswoche wieder allmählich an. Wegen der überwiegend trockenen Luft und den meist nur mässigen Winden aus Sektor Nordost bis Südost dürfte die Schneehöhe trotzdem in etwa gleich bleiben oder nur wenig zurückgehen.