20. Februar 2006 / Urs Keller
Tief "Steffi" war Schuld
Ein Tief, das von der Universität Berlin den Namen "Steffi" erhielt, hat sich am Samstag westlich der Biskaya gebildet und am Sonntag nach Frankreich verlagert. Auf dessen Vorderseite drehte die Höhenströmung über den Alpen auf Südwest bis Süd und wurde mit 90-130 km/h mittlerem Wind auf 3000 Meter Höhe sehr kräftig. Daraus entwickelte sich am Alpennordhang eine kräftige Föhnlage und am Alpensüdhang setzten intensive Stauniederschläge ein.
Bild 1: Das Satellitenbild vom Meteosat zeigt die Wolkenverteilung vom 19.Feb.2006 um 19 Uhr. Die Störungszone hat auf die Schweiz übergegriffen und der Südwind drückt die Feuchtigkeit gegen den Alpensüdhang.
Die Wetterkarte vom Sonntagmittag zeigt die Position des Tiefs am Boden und in der Höhe.
WetterkarteFeb19.pdf, 315 KB
Der Föhn stürmte über die Gipfel und durch die Täler
Am Sonntagmorgen um 7 Uhr brach der Föhn in Altdorf ein. Anschliessend weitete er sich über alle nördlichen Alpentäler aus und zog sich am Abend ab 19 Uhr wieder zurück. Er blies biszum Genfersee, über Zug hinaus nach Zürich und das Rheintal hinunter weit auf den Bodensee hinaus. Dabei kletterten die Temperaturen Höchstwerte von 13 Grad in Altenrhein, Wädenswil, Cham und Aigle sowie rund 12 Grad in den Föhntälern sowie in Luzern. Die folgende Schweizerkarte zeigt die Windspitzengeschwindigkeiten vom Sonntag. Herausragend ist die kurze aber massive Sturmböe auf dem Titlis.
Bild 2: Böenspitzen in km/h vom 19.02.2006, 06 UTC bis 20.02.2006, 06 UTC
Extrem intensiver Schneefall in den Bergen
Der Staueffekt verstärkte die Wirkung der aus Westen eintreffenden Frontalzone. Die Feuchte wurde in Form von intensivem Schneefall am Alpensüdhang abgelagert. Die Schneefallgrenze lag dabei zwischen 200 und 500 Metern, je nach Intensität der Niederschläge. Während im Süd- und Mitteltessin der Niederschlag in Form von Regen oder sehr nassem Schnee fiel, türmte sich der Neuschnee in den oberen Tälern und auf den Bergen bis 80 cm. So mussten gewisse Strassenverbindungen wegen Räumarbeiten oder grosser Lawinengefahr geschlossen werden.
Der Hauptniederschlag fiel am Abend und in der Nacht auf Montag. MeteoSchweiz warnte bereits zwei Tage im Voraus vor diesem Starkschneefall. Gemäss Auskunft von MeteoSchweiz in Locarno-Monti fällt nur alle 8-10 Jahre soviel Neuschnee in einer Nacht. Die am Schluss angefügten Bilder sind am Montagvormittag aufgenommen worden.
Bild 3: Neuschneehöhe, publiziert vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos
Quelle: www.slf.ch
Bild 4: Die Graphik zeigt den Verlauf der Niederschläge von Sonntag bis Montag. Die grössten Intensitäten zeigt Robiei auf 1800 Metern im oberen Maggiatal.
Bild 5: Die 24-stündige Niederschlagsmenge der MeteoSchweiz-Messstationen zeigt, wo am meisten Regen, bzw. Schnee gefallen ist. Man erkennt darauf auch gut, wie zum Föhnende der Niederschlag über die Alpen bis ins Goms, in die Surselva und sogar bis Altdorf vorgestossen ist.