MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

02. Juli 2003 / MeteoSchweiz

 

Extreme Temperaturen

 

Aussergewöhnlicher Hitzerekord
Stephan Bader, Peter Zbinden, MeteoSchweiz

Heissester Juni in der Messreihe
Das Monatsmittel der Temperatur im diesjährigen Juni liegt weit über den bisherigen Erfahrungswerten seit dem offiziellen Messbeginn im Jahr 1864 (Figur 1). In den Niederungen der Nordschweiz liegt es zwischen 6.5 und 7.5 Grad über dem normalen Wert. In der Südschweiz ist die Abweichung zum normalen Wert mit 6.0 bis 7.0 Grad leicht tiefer. Die Juni-Wärme 2003 wird desahalb als die bisher extremste in die Annalen eingehen.

Diese Bewertung beruht auf sogenannten homogenen Monatswerten. In der Schweiz startete das offizielle Messnetz im Jahr 1864. Von diesen damals begonnenen Messreihen liegen heute 12 in einem vollständig bereinigten (=homogenen) Zustand vor. Bereinigt deshalb, weil sich in der langen Messzeit aus verschiedenen Gründen in den Daten immer wieder künstliche Änderungen eingeschlichen haben, z.B. durch Stationsverlegungen oder Änderungen von Messinstrumenten. Die wenigen Messreihen in der Schweiz, welche zum Teil deutlich vor 1864 einsetzen, beruhen in der Zeit vor 1864 auf nicht homogenen Daten, womit ein verlässlicher Vergleich auf der Basis dieser Daten nicht möglich ist.


Heissester Monat überhaupt
Der diesjährige Juni ist der wärmste Monat seit 1864 überhaupt. Der bisherige Rekord hielt der Juli 1983. Dabei ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass im Juli der Erwartungswert grundsätzlich deutlich höher liegt. In Bern beträgt die Juni-Norm 15.2 Grad, die Juli-Norm hingegen 17.5 Grad. Das mag verdeutlichen, wie extrem sich die Temperatur im Juni 2003 entwickelt hat.

Der heisse Juli 1983 führte in Genf zu einer Monatsmittel-Temperatur von 23.0 Grad. Die anhaltende Junihitze 2003 liess das Monatsmittel in Genf auf 24.1 Grad steigen. In Sion ist der Juni 2003 (23.1 Grad) knapp ein Grad wärmer gewesen als der Juli 1983 (22.2 Grad). An anderen Stationen sind die Differenzen zum Juli 1983 etwas geringer. So liegt zum Beispiel das Juni-Mittel 2003 in Bern mit 21.7 Grad nur wenig über den 21.5 Grad des Juli-Mittels von 1983. Die angegebenen Juli-Werte 1983 stammen von homogenisierten Messreihen.

Auf der Alpensüdseite war hingegen der Juli 1928 eine Spur wärmer als der diesjährige Juni 2003. Lugano zeigte damals ein Juli-Monatsmittel von 25.0 Grad, dieses Jahr ein Juni-Monatsmittel von 24.8 Grad.

 

temperaturmittel basel
temperaturmittel juni bern
temperaturmittel juni genf
temperaturmittel juni lugano

Figur 1: Verlauf der Juni Monatsmittel-Temperaturen seit 1864 für die Stationen Basel, Bern, Genève und Lugano.

Erster Höhepunkt 12./13. Juni 2003

Die extreme Situation im diesjährigen Juni kommt vor allem in der langen Dauer der hohen Temperaturen zum Ausdruck (Figur 3). Die Hitzeperiode setzte am 30. Mai 2003 ein. Die aktuelle Hitzeperiode ist damit im Vergleich zur letztjährigen (Juni 2002) und jener aus dem Jahre 1976 deutlich früher. Einen ersten Höhepunkt auf der Alpennordseite erreichte sie am 12. Juni. Verbreitet lagen die Tages-Höchstwerte in den Niederungen zwischen 31 und 33 Grad. Vereinzelt wurden aber auch deutlich höhere Werte registriert. In Wynau wurden 35.2 Grad, in Buchs-Aarau 35 Grad gemessen. In Basel lag der Höchswert bei 34.9 Grad, in Genf bei 34.7 Grad. Auf der Alpensüdseite erreichten die Tages-Höchstwerte verbreitet über 33 Grad. In Locarno-Monti und Magadino lag das Maximum bei 34.6 Grad.


Zweiter Höhepunkt 23. Juni 2003

Nach dem Hitze-Wochenende vom 21./22. Juni 2003, vor allem am Sonntag stiegen die Tages-Höchstwerte wieder verbreitet deutlich über 30 Grad, erreichte die Hitzewelle am 23. Juni 2003 ihren zweiten Höhehpunkt. An der Station Buchs-Aarau wurde ein Maximum von 36.1 Grad registriert (35.1 Grad am 18. Juni 2002), in Kloten ein solches von 36.0 Grad (33.8 Grad am 18. Juni 2002). In Basel erreichte das Maximum 35.9 Grad (34.5 Grad am 18. Juni 2002), in Genf 35.8 Grad (35.3 Grad am 23. Juni 2002), in Zürich 34.7 Grad (34.1 Grad am 18. Juni 2002), und in Schaffhausen 35.5 Grad (34.2 Grad am 18. Juni 2002).

An einigen Orten stieg das diesjährige Maximum massiv höher als in der Juni-Hitzewelle vor Jahresfrist. Chur registrierte 35.9 Grad während vor einem Jahr 33.8 Grad gemessen wurden. Güttingen am Bodensee zeigte ein Maximum von 35.0 Grad, vor einem Jahr ein solches von 32.0 Grad.

Im Mittelland der Schweiz übertrifft die aktuelle Hitze diejenige vom vergangenen Jahr. An einigen Stationen, an welchen bereits seit längerer Zeit Maximum-Temperaturen erfasst werden, sind auch Rekordwerte gefallen. Dies betrifft z.B. die 1962 eingerichtete Station Genève-Cointrin. Weitere Beispiele sind Chur (Datenverfügbarkeit seit 1957) und Schaffhausen (Datenverfügbarkeit seit 1959).

In Genf stieg die Maximum-Temperatur zwei Tage später, am 25. Juni 2003, auf den absoluten Juni-Rekordwert von 36.5 Grad. Dieser Wert ist auch am alten Genfer Standort in der Stadt (Genève-Observatoire) seit 1864 nie erreicht worden.

In Locarno-Monti auf der Alpensüdseite kletterte das Thermometer am 21. Juni 2003 auf 34.8 Grad, und damit auf den höchsten bisherigen Juni-Wert. Maximum-Temperaturen sind hier seit 1935 verfügbar. Am selben Tag lag hier auch die Tagesmitteltemperatur mit 28.2 Grad auf der höchsten bisher im Juni gemessenen Marke.

An dieser Stelle sei erneut darauf hingewiesen, dass das Resultat der Messung von sommerlichen Maximum-Temperaturen stark von der Messmethodik abhängig ist. Vor der automatischen Messung (vor 1978) befanden sich die Messinstrumente in Wetterhütten, welche durch die intensive sommerliche Strahlung der Sonne je nach Bauart selber mehr oder weniger stark aufgeheizt wurden. Die in der Hütte ruhende Luft erwärmte sich dadurch mitunter stärker als ausserhalb davon. Die Messung erfolgte somit unter ungünstigen Bedingungen. Die heutigen automatischen Messstationen hingegen sorgen ständig für Frischluftzufuhr. Das Aufheizen ruhender Luft ist nicht mehr möglich. Da in der Vergangenheit mehrere Arten von Wetterhütten in Gebrauch waren, sind die heute automatisch gemessenen Maxima-Werte nicht mehr direkt mit den früheren vergleichbar. Die Werte vor der automatischen Messung würden mit dem heutigen Messverfahren etwa 1 bis 2 Grad oder sogar noch tiefer liegen. Als Beispiel hierzu sei die Station Luzern genannt. Der bisherige Rekordwert für den Monat Juni mit 35.3 Grad stammt aus dem Jahr 1950 (Messbeginn ist 1901). Der aktuelle Maximalwert liegt bei 34.3 Grad. Nach dem alten Messverfahren wäre also der aktuelle Maximalwert 1 bis 2 Grad höher ausgefallen, und damit hätte auch Luzern einen Rekordwert verzeichnet. Bei den aktuellen Rekordwerten entfällt diese Problematik.


Wind reduzierte die weitere Erwärmung

Am Nachmittag des 23. Juni 2003 stellte sich ein kräftiger Südwestwind ein. Ohne Wind hätten sich die in der Umgebung der Messstationen ruhenden Luftmassen während der üblichen nachmittäglichen Wärmespitze weiter erhitzen können. Die gute Durchlüftung sorgte nun aber für eine ständige Frischluftzufuhr, wodurch der Erhitzungprozess unterbrochen wurde (Figur 2). Bei windstillen Verhältnissen wären die Tageshöchstwerte am 23. Juni 2003 wahscheinlich höher geklettert.

 

temperatur in bern am 23. Juni 2003

Figur 2: Tagesgang der Temperatur in Bern am 23. Juni 2003. Deutlich ist das abrupte Ende des Temperaturanstiegs am Nachmittag zu erkennen.

Tagesmittelwerte im Vergleich

Eine Hitzeperiode wird nicht allein über die maximalen Temperaturen charakterisiert. Die nächtliche Abkühlung spielt für die gesamte Temperaturentwicklung eine nicht minder wichtige Rolle. Deshalb geben die Tagesmittelwerte der Temperatur einen guten summarischen Überblick zur Entwicklung der Wärme. In Figur 3 ist der Verlauf der Tagesmittel-Temperaturen für die drei Hitzeperioden Juni 1976, Juni 2002 und Juni 2003 für einige Stationen aus den Niederungen der Schweiz ersichtlich. Am 23. Juni 2003 übertrafen die Tagesmittelwerte an mehreren Stationen die höchsten Werte aus dem Vorjahr. Ganz deutlich wird dies in der Grafik der Station Genève. Einige Stationen verzeichneten gleichzeitig die höchsten Juni-Tagesmittelwerte in der Messreihe. So z.B. Genève, Neuchâtel, Zürich und St. Gallen.

In Chur stieg das Tagesmittel am letzten Tag der Hitzeperiode auf den höchsten Wert (Figur 3). Grund dafür war die zusätzliche Erwärmung durch Föhnluft. Mit dem Zusammenbruch des Föhns und dem Vorrücken der Kaltfront aus Westen ging die aussergewöhnliche Hitzeperiode präzis auf das Monatsende hin zu Ende.

 

tagesmitteltemperatur juni basel
tagesmitteltemperatur juni bern
tagesmitteltemperatur juni chur
tagesmitteltemperatur juni genf
tagesmitteltemperatur juni lugano
tagesmitteltemperatur juni sion
tagesmitteltemperatur juni zürich

Figur 3: Verlauf der Tagesmittel-Temperaturen für die drei Hitzeperioden Juni 1976, Juni 2002 und Juni 2003 für die Stationen Basel, Bern, Chur, Genève, Lugano, Sion und Zürich.

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