MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

02. November 2004 / H. Maurer

 

Erneut grosse Regenmengen auf der Alpensüdseite

 

Nachdem bereits in der ersten Hälfte der letzten Oktoberwoche grosse Regenmengen im Nordtessin und in den angrenzenden Gebieten niedergegangen waren (siehe Bericht vom 27.10.2004), fielen zum Monatswechsel erneut grosse Regenmengen auf der Alpensüdseite.
Bereits am Donnerstag und Freitag steuerte ein Sturmtief mit Zentrum zwischen Irland und der Bretagne feuchte Meeresluft aus Südwesten gegen die Schweiz: vom Tessin bis zum Rheinwald fielen dabei an beiden Tagen erneut je 20 bis 50 mm oder l/qm Regen. Die Schneefallgrenze lag zwischen 2000 und 2500 Metern.
Am Samstag begann sich an der ausgeprägten Luftmassengrenze über dem westlichen Mittelmeer und auf der Vorderseite eines sich von der Biskaya nach Ostspanien abspaltenden Höhentiefs ein neues Teiltief zu bilden. Dieses steuerte - nach einer Entlastung am Samstag - ab Sonntag wieder feuchte und sehr milde Mittelmeerluft aus Süd bis Südost gegen die Alpensüdseite (Bild 1). Diese sorgte einerseits in einem Streifen von Tunesien über Sardinien, Korsika, Norditalien bis zur Alpensüdseite für zum Teil ergiebige Regenfälle. In der labil geschichteten Luft waren diese von lokalen Gewittern begleitet. Anderseits liess der Scirocco an den Küsten der Adria die Temperaturen zum Teil auf 25 bis 30 Grad ansteigen

 

ALMO-Karte der äquivalent-potentiellen Temperatur auf 850 hPa, 31.10.2004

Darstellung der aLMo-Prognose der äquivalent-potentiellen Temperatur auf 850 hPa am 31.10.2004 06.00 UTC

Vom südlichen und westlichen Tessin bis zum Simplongebiet fielen zwischen Sonntagabend und Dienstagnachmittag rund 90 bis 140 mm oder l/qm, auf der Simplon-Südseite mit eingelagerten Gewittern lokal sogar 255 mm oder l/qm (Simplon Dorf). Grössere Mengen wurden erneut auch in Robiei im hinteren Val Bavona (Seitental zum Maggiatal) mit rund 150 mm oder l/qm in etwa 45 Stunden gemessen. Aber auch in den angrenzenden Gebieten von den südlichen Vispertälern über das Obergoms, das Grimselgebiet, das östliche Tessin, das Misox, das Rheinwald bis zum Puschlav fielen im gleichen Zeitraum 30 bis 80 mm oder l/qm (Bild 2).
Die Schneefallgrenze bewegte sich in hohen Lagen, und zwar zwischen 2500 und 3000 Metern. Dadurch erreichte am Dienstag zum Beispiel der Pegel des Lago Maggiore die kritische Marke von 195 m/M und vereinzelt kam es zu Erdrutschen (z.B. bei Brissago). Ueber den Alpenkämmen bliesen zeitweise starke bis stürmische Südostwinde, die etwa am Dienstagmittag mit Windspitzen von 120 bis 170 km/h ihr Maximum erreichten: die höchste Böenspitze wurde dabei mit 200,2 km/h auf dem Gütsch bei Andermatt registriert.

 

Summierte Niederschlagssumme vom 31.10.2004 abends bis am 2.11.2004 mittags

Summierte Niederschlagssumme vom Abênd des 31.10.2004 bis am Mittag vom 2.11.2004

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