MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

11. und 17. April 2006 / Roland Mühlebach, Andreas Hostettler

 

Ergiebige Niederschläge auf der Alpennordseite

 

Der April mit seinen Wetterlaunen macht seinem Namen alle Ehre. Nach dem ersten markanten Niederschlagsereignis dieses Monats vom 5. April ist vier Tage später das nächste und noch ausgeprägtere Ereignis gefolgt. Beide Vorkommnisse ähneln sich meteorologisch sehr, sind aber in ihrem zeitlichen Verlauf recht unterschiedlich. In beiden Fällen strömte feuchtwarme Meeresluft Richtung Alpen und gleichzeitig stiess kühle Polarluft aus Nordwesten Richtung Mitteleuropa vor. Dort, wo sich die beiden Luftmassen trafen, nämlich über unserem Land, entstand in beiden Fällen durch Aufgleiten der Warmluft über die Kaltluft Niederschlag. Während im Falle des 5. Aprils die Kaltluft relativ zügig die Oberhand gewann und so zu einem raschen Absinken der Schneefallgrenze sowie zu einem baldigen Ende der Niederschläge führte, war im aktuellen Falle das Kräftespiel der beiden Luftmassen lange Zeit ausgeglichen, was zu einer relativ lang andauernden Niederschlagsperiode führte und die Schneefallgrenze nur zögerlich sinken liess.

 

Wetterkarte vom 10. April 2006
Nach einem sehr sonnigen und milden Samstag mit Höchsttemperaturen im Mittelland um 17 Grad stellte sich in der Nacht auf den Sonntag mit dem Vorstoss von Kaltluft aus Nordfrankreich und dem Zufluss von feuchtwarmer Meeresluft aus Südfrankreich die Wetterlage markant um. Diese aktive Luftmassengrenze blieb am Sonntag über der Alpennordseite weitgehend stationär und verursachte im Mittelland und im Genferseegebiet den ganzen Tag ausgiebige Niederschläge. So wurden in Pully 55, in Bern 60 und in Kloten 58 Liter pro Quadratmeter gemessen. Die Schneefallgrenze sank infolge Niederschlagsabkühlung im Mittelland bis gegen 700 Meter. Gleichzeitig zeigte sich das Wetter in den Alpen noch recht freundlich. So reichte es in Graubünden für mehrere Stunden Sonnenschein. Am Montag drängte ein nach Frankreich vorstossender Hochdruckkeil die Kaltluft allmählich Richtung Voralpen, sodass die Schneefallgrenze im Tagesverlauf bis in die Niederungen sank. Der Tag war durch weiter anhaltende Niederschläge beidseits der Alpen geprägt. Die Tagessummen erreichten im Mittelland und am Juranordfuss verbreitet 30-40, lokal 45 l/m2. Mit dem Einsickern der Kaltluft verlagerten sich die Hauptniederschläge allmählich an die Voralpen. In den zentralen und östlichen Alpen blieb es lange trocken, erst am späten Abend setzte hier der Niederschlag ein. Am Dienstag dehnte sich der über Frankreich liegende Hochdruckkeil weiter nach Osten aus und sorgte für eine Stabilisierung der Luftmassen. So liess der Niederschlag über der Alpennordseite rasch nach und auch den Voralpen entlang ging die Niederschlagsintensität zurück. Auf der Alpensüdseite sorgte der starke Nordwind für eine deutliche Wetterbesserung.

 

Die Niederschläge vom Sonntag, 9. April bis Dienstag, 12. April waren beeindruckend. So wurden an mehreren Orten die Monatsnorm April deutlich überschritten. Nachfolgende Abbildung zeigt die dreitägigen Niederschlagssummen über der Schweiz. Blau markiert ( > 50 mm) die Niederschlagsschwerpunkte über dem Mittelland und Jura einerseits, und über dem Tessin andererseits. Dunkelblau ( > 90 mm) die Maxima über den Regionen Bern-Emmental, Lausanne-Moudon, sowie in Teilen des Juras.

 

Auf den folgenden Karten sind die jeweils 24-stündigen Niederschlagssummen, ermittelt aus Radardaten, über der Schweiz ersichtlich. Die hier dargestellten Summen ergeben eine Annäherung an die tatsächlich gefallenen Niederschläge. Inneralpin sind die Radarmessungen infolge der Abschattung durch das Relief meist stark untertrieben.

 

Radarbild, 9. April 2006

24-stündige Radarsummenkarte vom Sonntag, 9. April 2006. Die ergiebigsten Niederschläge erstrecken sich quer über das ganze Mittelland.

Gross.gif, 70 KB
Radarbild, 10. April 2006

24-stündige Radarsummenkarte vom Montag, 10. April 2006. Die Zone mit den intensivsten Niederschlägen verschiebt sich etwas gegen Norden.

Gross.gif, 67 KB
Radarbild, 11. April 2006

24-stündige Radarsummenkarte vom Dienstag, 11. April 2006. Der Niederschlagsschwerpunkt verschiebt sich gegen die Voralpen.

Gross.gif, 61 KB
Markant sind auch, wie aus der nachfolgende Abbildung ersichtlich, die Schneemengen, die sich von Montagmorgen bis Dienstagmorgen anhäuften (1.Zahl: Neuschneesumme über 24 Stunden; 2. Zahl: Gesamtschneehöhe).

 

Temperatur- und Niederschlagsverlauf der Stationen Bern-Liebefeld, Basel-Binningen und St. Gallen vom Sonntag, 9. April bis Dienstag, 11. April, 08 Uhr.

Deutlich sichtbar sind hier die die langanhaltenden und ausgiebigen Regenfälle in Bern. Erst mit dem Einfliessen der Kaltluft (siehe Temperaturkurve) lassen die Niederschläge im Laufe des Montagvormittags deutlich nach.


Am schnellsten kommt einmal mehr die Nordwestschweiz in den Einflussbereich der Kaltluft. Schon am Montagmorgen sinkt die Temperatur in Binningen vorübergehend gegen null Grad ab. Mit nachlassenden Niederschlagsintensitäten steigen die Temperaturen in der Folge jedoch wieder deutlich an.


Ganz anders die Situation in St. Gallen: hier sickert die Kaltluft erst im Laufe des Montagnachmittags ein. Mit einsetzender Staukomponente setzt gegen Abend anhaltender Schneefall ein.

 

Erneuter Wintereinbruch

Kloster Notkersegg

An der Wetterstation der MeteoSchweiz beim Kloster Notkersegg oberhalb der Stadt St. Gallen wurden am Dienstag, 11. April morgens um 8 Uhr 32 cm Neuschnee gemessen.
Dies ist die grösste 24-stündige Neuschneesumme im April in St. Gallen seit Messbeginn 1938. Allerdings wurde bis 1979 an etwas tiefer gelegenen Standorten Schnee gemessen.
Schneehöhenkarte Schweiz
FrançaisItalianoEnglish Über uns Shop
       
Allgemeine Lage Detailprognose Aktuelles Wetter Ozonschicht Gesundheit Vegetationsentwicklung Modellvorhersagen Spezialprognosen Wetterereignisse Wetterrückblick Tagesaktualität
Klima Schweiz Klima heute Klima morgen Klima international Messsysteme Klima Berichte
Produkte A-Z Aviatik Bau- & Landwirtschaft Strassen Outdoor Beratung Datenportal Energie Tourismus Versicherungen Öffentliche Verwaltungen Schulen & Universitäten Telefon, SMS, Fax Homepage
Forschung & Entwicklung Publikationen Veranstaltungen Konsortien Aktuelle Projekte Abgeschlossene Projekte
Gefahren Wochenvorhersage Unwetterbulletin Zusatzinformationen Kantone