MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

22. November 2007 / Marco Stoll

 

Der Föhn ist zurück!

 

Nach dem frühen und markanten Wintereinbruch in der ersten Novemberhälfte hat sich die Grosswetterlage zu Beginn der 2. Novemberdekade umgestellt. Die Höhenströmung hat bereits am Montagvormittag, 19. November 2007 auf südliche Richtungen gedreht und am Dienstagmorgen, 20. November 2007  kurz nach Tagesanbruch, hat der Föhn auch in Altdorf im Urner Reusstal eingesetzt.
Eine Überlagerung des aktuellen Satellitenbildes mit Messungen der Temperatur und des Windes am Boden ist in Bild 1 gezeigt. Die Einflussgebiete des Föhns in den nördlichen Alpentälern treten durch deutlich höhere Temperaturen als in den umliegenden Regionen des Alpenvorlandes und des Mittellandes hervor und weisen südliche, teils kräftige Winde auf. In den Föhngebieten des Wallis, des Haslitales, im Urner Reusstal, im Glarnerland und im Rheintal liegt die Temperatur im Bereich von 12 bis 18 Grad, während sich über dem Flachland der Alpennordsee ein Kaltluftsee mit Temperaturen um 5 Grad befindet.

 

Bild 1: Satellitenbild (sichtbarer Kanal), 2-Meter-Temperatur und 10-Meter-Wind am Mittwoch 21. November 2007 um 13 Uhr.

Bild 1: Satellitenbild (sichtbarer Kanal), 2-Meter-Temperatur und 10-Meter-Wind am Mittwoch 21. November 2007 um 13 Uhr.

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Föhnwolke über Mittelbünden

Die Föhnluft ist nicht nur relativ warm, sie ist auf Grund ihrer Herkunft von höheren Luftschichten und nachfolgendem Absinken auch verhältnismässig trocken: die Bewölkung ist am zentralen und östlichen Alpennnordhang aufgelockert, während sich im Süden geschlossene Staubewölkung zeigt und längs des Juras sowie in den westlichen Landesteilen ausgedehnte Frontalbewölkung den Himmel bedeckt. Die absinkende Luft in den Föhntälern wird über der komplexen Topographie zu Wellenbewegungen angeregt. Dabei bilden sich in den oberen Teilen dieser Wellen oft interessante Wolkenformationen, die trotz der starken Föhnströmung an Ort und Stelle stehen bleiben. Eine Animation der Kamerabilder von Landquart zeigt augenfällig eine solche stationäre Wolke am rechten Bildrand, in der Region Chur-Lenzerheide (Bild 2).

 

Bild 2: Animation der Kamerabilder von Landquart (Messnetz der MeteoSchweiz) in 10-Minuten-Intervallen, von 11 bis 14 Uhr 22. November 2007. Der Kameraausschnitt reicht vom Sarganserland (Blickrichtung Nord am linken Bildrand) über den Taleingang ins Prättigau (Blickrichtung Ost in der Bildmitte) bis nach Chur (Blickrichtung SW am rechten Bildrand).

Bild 2: Animation der Kamerabilder von Landquart (Messnetz der MeteoSchweiz) in 10-Minuten-Intervallen, von 11 bis 14 Uhr 22. November 2007. Der Kameraausschnitt reicht vom Sarganserland (Blickrichtung Nord am linken Bildrand) über den Taleingang ins Prättigau (Blickrichtung Ost in der Bildmitte) bis nach Chur (Blickrichtung SW am rechten Bildrand).

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Seine stärkste Ausprägung hatte der Föhn am Mittwoch 21. November mit Böenspitzen von 120 km/h in Altdorf und 123 km/h in Les Diablerets, auf 2966 Metern über Meereshöhe. In den übrigen Föhntälern lagen die Böenspitzen zwischen rund 60 und 80 km/h.

 

Bild 3: Böenspitzen am Mittwoch 21. November 2007

Bild 3: Böenspitzen am Mittwoch 21. November 2007

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Bislang ausgesprochen wenig Föhn im Jahr 2007

Auffällig in diesem, wie auch schon im vergangenen Jahr, ist die Föhnarmut auf der Alpennordseite. In Bild 4 ist ein Verlauf der mittleren Anzahl Beobachtungstermine mit Föhn an der Station Altdorf gezeigt. In rot sind die Anzahl Termine für das laufende Jahr darübergelegt. Während im klimatologischen Mittel der Föhn in den Frühlingsmonaten ein Häufigkeitsmaximum von rund 8 Beobachtungsterminen aufweist, trat der Föhn im Jahr 2007 bislang im Mai noch am häufigsten auf (4 Fälle). Im Juli lag die Föhnhäufigkeit etwas höher als im langjährigen klimatologischen Mittel. Im Juni, August, September und Oktober wurde gemäss den angewendeten Kriterien (Wind in Altdorf aus Richtung 160-200 Grad, 10-Minuten-Mittel höher als 10 Knoten und Luftfeuchte unter 50%) gar kein Föhn beobachtet.

 

Bild 4: mittlere Häufigkeit und Standardabweichung des Föhns im Jahresverlauf sowie aktuelle Werte für das Jahr 2007 (Stand 22. November 2007)

Bild 4: mittlere Häufigkeit und Standardabweichung des Föhns im Jahresverlauf sowie aktuelle Werte für das Jahr 2007 (Stand 22. November 2007.) Quelle: Alexander Gohm, Meteorologisches Institut der Universität Innsbruck

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Linderung der Trockenheit auf der Alpensüdseite

Im Süden fielen die letzten nennenswerten Niederschläge im September. Seither sind nur noch zwischen 30 und 40 mm Niederschlag gefallen. Die klimatologischen Monatssummen für die Monate Oktober und November liegen in der Grössenordnung von 100 bis 150 mm. Während der im Bericht beschriebenen Periode (Montag, 19. November 2007 bis Freitag, 23. November 2007, 19 Uhr) wurden diese Normwerte allerdings an einigen Tessiner Stationen weitgehend erreicht. So registrierte z.B. die Station Locarno Monti in diesem Zeitraum 100 mm Niederschlag, in San Bernardino wurden gar 108 mm gemessen. Die Niederschläge im Tessin dauern auch am Samstag, 24. November 2007 weiter an, wenn auch in abgeschwächter Form.

 

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