Extreme Temperaturverhältnisse und aussergewöhnliche Trockenheit kennzeichneten den April 2007. Schweizweit wurden die bisherigen Monatsmitteltemperatur-Rekorde aus dem Jahre 1865 für die Alpennordseite bzw. 1949 für die Alpensüdseite gebrochen. Der Temperaturüberschuss betrug im Mittel ca. 5.5 Grad, in erhöhten Lagen sogar 6-7.5 Grad. An einigen Stationen traten zudem die höchsten im Monat April gemessen Tagesmaximatemperaturen auf. In weiten Teilen der Schweiz fielen weniger als 30%, im Tessin und Engadin weniger als 20% des üblichen Niederschlags und an vielen Orten war es während praktisch des ganzen Monats trocken. Die spärlichen Niederschläge fielen meist in Form von Schauern oder Gewitter, weshalb sich lokal recht grosse Unterschiede ergaben. Als Folge der ungewöhnlich warmen Witterung im April hat sich die Vegetation rasant entwickelt. Allgemein beträgt der Vorsprung gegenüber dem langjährigen Mittelwert zwei bis drei Wochen.
Ursache für die lang andauernde stabile Wetterlage
Verbreitet neue Monatsmitteltemperatur-Rekorde
Grafik: Die Temperaturreihe der Schweiz für den Monat April setzt sich aus 12 repräsentativen Messreihen zusammen.
homogene_messreihenbildgross.gif, 33 KBMonatstemperaturen ausgewählter Stationen
|
Messstation |
Monatsmittel |
Abweichung zur Norm 1961-1990 |
Bisheriger Rekord |
| Basel | 14.4 °C | 5.3 °C | 12.9 °C (1865) |
| Davos | 7.1 °C | 5.8 °C | 4.6 °C (1961) |
| Engelberg | 10.5 °C | 6.0 °C | 8.1 °C (1947) |
| Genf | 14.3 °C | 5.3 °C | 12.6 °C (1865) |
| Lugano | 15.6 °C | 4.9 °C | 14.2 °C (1949) |
| Säntis | 1.5 °C | 6.2 °C | 0.7 °C (1865) |
| Segl-Maria | 5.0 °C | 5.2 °C | 3.1 °C (1949) |
| Sion | 15.2 °C | 5.8 °C | 13.9 °C (1865) |
| Zürich | 13.9 °C | 6.1 °C | 11.9 °C (1865) |
Keine flächenhaften neuen Tageshöchsttemperaturen
Es wurden für den Monat April auch sehr hohe Tagesmaxima gemessen. Diese bedeuteten allerdings für die meisten Orte keine Rekordwerte. In Zürich stieg das Thermometer schon mehrmals über 28 °C, so in den Jahren 1926, 1934, 1947, 1949 und 1968. Der Rekordwert liegt bei 31.3 °C aus dem Jahr 1934. Allerdings muss gesagt werden, dass die Tagesmaxima in früheren Jahren auf 490 m. ü.M., also rund 60 Meter tiefer als heute gemessen wurden. Zum anderen wurden die Tagesmaxima in Zürich in einer so genannten Wild’schen Hütte registriert. Dieser Hüttentyp kann es sich bei sonnigem und windstillem Wetter stark aufheizen, so dass die Temperaturwerte gegenüber den heutigen Aufstellungsbedingungen ca. 2-3 °C zu hoch liegen. Am heutigen Standort und mit aktuellen Aufstellungsbedingungen wäre 1934 statt 31.3 °C ca. 28-28.5 °C gemessen worden. Damit lag der diesjährige Höchstwert von 25.4 °C immer noch fast 3 °C unter dem „korrigierten“ Rekord. In Basel, wo früher ebenfalls in einer Wild’schen Hütte gemessen wurde, sieht es ähnlich aus. Das absolute Maximum liegt hier bei 30.5 °C, ebenfalls aus dem Jahr 1934. Mit heutigen Aufstellungsbedingungen ergäbe dies ca. 28.8-29.3 °C. Der Höchstwert in Basel im diesjährigen April betrug 27.3 °C, also ca. 1.5 °C tiefer als der absolute „korrigierte“ Rekord. Auch in Genf wurden mit 25.9 °C im April 2007 keine neuen Rekordwerte verzeichnet. Der bisherige Höchstwert von 27.6 °C datiert vom April 1904. Ebenfalls sehr deutlich waren die Verhältnisse in Lugano, wo die Temperaturen in früheren Jahren ebenfalls in einer Wild’schen Hütte gemessen wurden. Hier wurde 1949 31.4 °C gemessen. Am heutigen Standort und unter aktuellen Messbedingungen würde der Höchstwert ca. 28.5-29.0 °C betragen. Das Maximum im April 2007 von 25.8 °C lag damit ungefähr 3 °C tiefer als der bisherige „korrigierte“ Rekord.
Lang andauernde Trockenheit
Grafik: Niederschlagssummen für den Monat April, Messstation Zürich, seit 1864. Angegeben sind die fünf trockensten April.
Monatssummen der Niederschläge ausgewählter Stationen
| Messstation | Monatssumme April 2007 |
Verhältnis zur Norm 1961-1990 | Bisheriger Rekord |
| Basel | 2.0 mm | 3% | 0.0 mm (1893) |
| Davos | 20.3 mm | 34% | 13.3 mm (1946) |
| Engelberg | 30.0 mm | 25% | 2.2 mm (1865) |
| Genf | 23.1 mm | 35 % | 0.4 mm (1938) |
| Lugano | 8.6 mm | 6% | 0.0 mm (1955) |
| Säntis | 11.6 mm | 5% | 15.3 mm (1893) |
| Segl-Maria | 1.2 mm | 2% | 0.6 mm (1983) |
| Sion | 1.4 mm | 4% | 0.0 mm (1883) |
| Zürich | 6.4 mm | 7% | 0.0 mm (1893) |
Aussergewöhnliche Trockenperioden ausgewählter Stationen
| Messstation | Tage ohne Niederschlag April 2007 | Bisheriger Rekord |
| Basel | 23 Tage | 45 Tage (März/April 1893) |
| Davos | 22 Tage | 21 Tage (März/April 1971) |
| Engelberg | 24 Tage | 13 Tage (April 1993) |
| Genf | 22 Tage | 35 Tage (März/April 1893) |
| Lugano | 20 Tage | 42 Tage (März/April 1893) |
| Säntis | 13 Tage | 25 Tage (März/April 1892) |
| Segl-Maria | 22 Tage | 40 Tage (März/April 1870) |
| Sion * | 27 Tage | 49 Tage (März/April 1885) |
| Zürich | 22 Tage | 45 Tage (März/April 1893) |
|
Stationen mit * Periode dauert noch an |
||
| Stand 02.05.2007 |
Die Vegetation entwickelt sich im Rekordtempo
Als Folge der ungewöhnlich warmen Witterung im April hat sich die Vegetation rasant entwickelt. Allgemein beträgt der Vorsprung gegenüber dem langjährigen Mittelwert (die meisten Zeitreihen reichen bis in die Fünfzigerjahre zurück) zwei bis drei Wochen. Auch im Vergleich mit dem Vorjahr ist die Vegetationsentwicklung dieses Jahr rund zwei Wochen früher. In verschiedenen Regionen der Schweiz sind viele phänologische Phasen wie Blühtermine oder die Blattentfaltung seit Beobachtungsbeginn noch nie so früh eingetreten. So zum Beispiel die Blattentfaltung der Rosskastanien, die Blüte des Löwenzahns oder der Nadelaustrieb der Lärchen. Auch Obstbäume (Kirschen, Birnen oder Äpfel) blühen dieses Jahr bis zu drei Wochen früher als in „normalen“ Jahren. Besonders bemerkenswert ist die Blattentfaltung der Rotbuche. Die Buchenwälder sind bis in Höhenlagen von rund 1000 m/M bereits grün. Teilweise beträgt die Abweichung von Mittelwert bis zu drei Wochen. Da die zeitlichen Schwankungen bei der Blattentfaltung der Buchen von Jahr zu Jahr nur klein sind, erstaunt dieses Resultat umso mehr. Entsprechend konnten bei zahlreichen Beobachtungsstationen neue Rekordwerte registriert werden. In höheren Lagen wurden die alten Rekorde bis zu einer Woche übertroffen.
Obschon erst wenige Meldungen zur Blüte der Rosskastanien und der Margeriten vorhanden sind, zeichnen sich auch hier Rekordwerte ab. Der Vorsprung gegenüber dem langjährigen Mittel beträgt ebenfalls etwa drei Wochen und die alten Rekorde wurden um bis zu zehn Tage übertroffen. Da wir von nur 40 Beobachtungsstationen von insgesamt 160 Stationen Sofortmeldungen erhalten, kann erwartet werden, dass auch bei den übrigen 120 Beobachtungsstationen viele ausserordentliche Ereignisse eingetreten sind. Diese Meldungen erhalten wir aber erst am Ende der Vegetationsperiode.
Es muss aber beachtet werden, dass aufgrund von extremen Einzeljahren noch keine Rückschlüsse auf einen allgemeinen Trend gemacht werden dürfen. Doch Auswertungen von zahlreichen phänologischen Zeitreihen beweisen, dass der phänologische Frühling in den letzten etwa 50 Jahren einen deutlichen Trend zu immer früheren Eintrittsterminen bei der Blüte und Blattentfaltung verschiedener Pflanzen von 15 bis 20 Tagen aufweist. Da die phänologischen Frühlingsphasen sehr stark von den Temperaturen beeinflusst werden, zeigt dieser Trend sehr schön den Einfluss der aktuellen Klimaerwärmung auf die Vegetationsentwicklung.

