15. März 2007 / Daniel Gerstgrasser
Hoch "Maggi" und Hoch "Norma"
Nach dem Durchzug einer recht aktiven Kaltfront hat sich in der Nacht auf Sonntag, den 11. März 2007 in der frischen Polarluft ein stabiles Hochdruckgebiet über Mitteleuropa aufgebaut. Mit einer zügigen Bise fühlten sich die Höchstwerte von 10 bis 12 Grad im Flachland trotz strahlendem Sonnenschein recht frisch an.
Bild 1: Winterstimmung am Sonntag, 11. März 2007 am Grimselpass. Mit etwa 20 cm frischem Pulverschnee und einer Gesamtschneehöhe von gut 2 Metern herrscht tiefer Winter.
gross.jpg, 272 KB
Zu Wochenbeginn verschwand die Bise, damit stiegen die Tageshöchstwerte deutlich an. Am Dienstag wurde im Südtessin erstmals in diesem März die 20-Grad-Marke überschritten. Aber auch auf der Alpennordseite war es mit 15 bis 17 Grad ausgesprochen mild. Das Hoch "Maggi" (sprich Mäggi, engl. Kurzform für Margeret) wurde zur Wochenmitte nahtlos vom Hoch "Norma" abgelöst. Die beiden Hochdruckzellen waren so stark ausgeprägt, dass sie die zwischen ihnen liegende Kaltfront vollständig abtrockneten (s. Bild 2). Am Mittwoch (14. März 2007) kam an der Südostflanke des neuen Hochs eine schwache bis mässige Bisenströmung auf, welche im Mittelland den Tagesgang der Temperatur etwas dämpfte. Am Donnerstag schwächte sich die Bise bereits wieder ab, beidseits der Alpen wurde es vor allem im Flachland zunehmend dunstig.
Höchstwerte weit entfernt von Rekordwerten
Auf der Alpennordseite und in den Alpentälern stiegen die Temperaturen verbreitet auf 15 bis 17, im Wallis sogar auf knapp 20 Grad an. Auf der Alpensüdseite wurden noch etwas höhere Werte registriert, im Südtessin (Station Stabio) und im unteren Misox (Station Grono) wurde die 20-Grad-Marke geknackt. Höchstwerte aller Stationen von MeteoSchweiz während der aktuellen Hochdruckperiode (bis inklusive 15. März 2007):
txx_11_15_03.jpg, 320 KB
Diese Höchstwerte sind noch etwa 4 bis 6 Grad von den Märzrekorden entfernt, wie den untenstehenden Stationstabellen zu entnehmen ist.
Bern, 570m
| Rang |
Temp. |
Datum |
| 1. |
23.0°C |
22.3.90 |
| 2. |
22.0 |
29.3.89 |
| 2. |
22.0 |
28.3.89 |
| 4. |
21.7 |
30.3.89 |
| 5. |
21.5 |
27.3.12 |
Visp/VS, 640m
| Rang |
Temp. |
Datum |
| 1. |
23.8°C |
30.3.89 |
| 1. |
23.8°C |
29.3.89 |
| 3. |
23.5°C |
22.3.90 |
| 4. |
23.0°C |
18.3.04 |
| 5. |
22.9°C |
29.3.98 |
|
|
Basel Binningen, 316m
| Rang |
Temp. |
Datum |
| 1. |
25.2°C |
30.3.89 |
| 2. |
24.9°C |
22.3.90 |
| 3. |
24.6°C |
27.3.89 |
| 4. |
24.5°C |
30.3.52 |
| 5. |
23.8°C |
28.3.89 |
Scuol/GR, 1298m
| Rang |
Temp. |
Datum |
| 1. |
20.1°C |
22.3.05 |
| 1. |
20.1°C |
18.3.93 |
| 1. |
20.1°C |
30.3.89 |
| 4. |
20.0°C |
29.3.98 |
| 5. |
19.8°C |
22.3.90 |
|
|
Zürich Fluntern, 556m
| Rang |
Temp. |
Datum |
| 1. |
23.2°C |
30.3.89 |
| 2. |
23.1°C |
22.3.90 |
| 3. |
22.8°C |
30.3.68 |
| 4. |
22.8°C |
28.3.20 |
| 5. |
22.5°C |
22.3.74 |
Disentis/GR, 1190m
| Rang |
Temp. |
Datum |
| 1. |
19.3°C |
12.3.89 |
| 2. |
19.0°C |
24.3.94 |
| 3. |
18.2°C |
24.3.01 |
| 4. |
18.1°C |
30.3.89 |
| 5. |
18.0°C |
29.3.60 |
|
Wie lange bleibt das stabile Frühlingshoch noch erhalten?
Trotz allmählich sinkendem Luftdruck bleibt der Hochdruckeinfluss bis zum Ende der Woche erhalten. Die grossräumige Wetterlage über Europa beginnt sich jedoch bereits umzustellen: Das bei uns wetterbestimmende Hoch zieht sich allmählich auf den Atlantik zurück, im Laufe des Sonntags (18. März 2007) drehen die Höhenwinde auf Nordwest und nehmen an Stärke zu. Mit dem kräftigen Hoch über dem nahen Atlantik wird einerseits die Westdrift blockiert, anderseits zapfen die nordwestlichen Höhenwinde Kaltluft aus dem hohen Norden an (siehe auch Bild 3).
Markanter Wintereinbruch zum Wochenbeginn
In der Nacht auf den Montag, den 19. März, erreicht uns eine erste Kaltfront, die Schneefallgrenze dürfte bereits in der Nacht bis in die Niederungen sinken. In den Folgetagen stösst instabil geschichtete Arktikluft nach. Damit werden wiederholt teils kräftige Schneeschauer ausgelöst. Für Dienstag, 20. März berechnen die numerischen Modelle auf 3000 Metern Höhe Temperaturen von etwa -20 Grad, in 5300 Metern Höhe sind es bereits -40 Grad!
Hoehenkarte_DI_500hPa.jpg, 325 KB
Ab Mittwoch, 21. März, bildet die eingeflossene Kaltluft ein eigenständige Höhentief. Sein Zentrum liegt dabei knapp östlich oder südöstlich der Schweiz. Da auch das weiter oben angesprochene Hoch über dem Atlantik weitgehend stationär bleibt, dürfte uns das unbeständige und kalte Wetter mit Schneeschauern bis weit in die zweite Wochenhälfte hinein erhalten bleiben.
Erwartete Neuschneemengen
Da die genaue Zugbahn der Kaltluft und die Stärke der Höhenwinde zur Zeit (Stand: 15. März 2007, 17 Uhr) noch mit einigen Unsicherheiten behaftet sind, ist eine Angabe von Neuschneemengen recht schwierig. Der Schwerpunkt der Schneefälle dürfte jedoch aufgrund von Nordstaueffekten am Alpennordhang von den Waadtländer und Freiburger Alpen über das Berner Oberland bis zur Zentralschweiz, das Glarnerland bis ins Appenzellerland zu finden sein. In diesen Gebieten sind oberhalb von 700 bis 1000 Metern bis zur Wochenmitte durchaus 40 bis 70 cm Neuschnee möglich. Die erwarteten Schneefälle haben aufgrund der labilen Luftschichtung Schauercharakter, auch kurze Gewitter sind zu erwarten. Auch im Flachland dürfte es recht verbreitet für eine weisse Decke reichen, dies zumindest zeitweise. Allerdings ist zu bemerken, dass zu dieser Jahreszeit die Böden schon relativ warm sind und dass im März auch bei bewölktem Himmel eine recht starke diffuse Einstrahlung herrscht.
Ursprungsort der Luftmassen (Prognose)
Bild 4: 96-stündige Rückwärtstrajektorien (=Ursprung der Luftmassen, welche die Schweiz am Dienstag, 20. März 2007 erreichen). grün: Luftmasse welche die Schweiz in 5000 Meter über Grund Höhe erreicht; blau: 2500 Meter über Grund; rot: 1000 Meter über Grund
Quelle: NOAAgross.JPG, 94 KB
Die Luftmassen, die das Wetter in der Schweiz am kommenden Dienstag bestimmen, stammen aus dem hohen Norden. Die abgebildete Strecke legen die Luftmassen innert 4 Tagen zurück. Start der Berechnungen ist Freitagmittag (16. März), die Ankunftszeit ist Dienstagmittag (20. März). Demnach stammen die Luftmassen in den mittleren und oberen Schichten aus dem Bereich der Kara-, respektiver der Barents-See. In den unteren Schichten liegt der Luftmassenursprung an der Südspitze Grönlands.