MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

4. März 2006 / Stefano Zanini, Felix Schacher

 

Turbulenter Start in den ersten Frühlingsmonat

 

Seit einigen Tagen liegt die Schweiz im Einflussbereich einer kräftigen West- bis Nordwestströmung.
Eine darin eingelagerte Störung erfasste am vergangenen Donnerstag die Alpennordseite und es kam verbreitet zu Schneeschauern. Im Bereich der hochreichenden Polarluft löste sich am Donnerstagabend die Quellbewölkung rasch auf und die Schneefälle liessen nach. Bei Höchsttemperaturen von wenig über 0 Grad und etwas Einstrahlung konnte der Schnee insbesondere auf den Fahrbahnen anschmelzen. Mit dem raschen Absinken der Temperaturen in den Frostbereich fror das Schmelzwasser oder der vorhandene Schneematsch am frühen Abend rasch zu Eis, was auf der ganzen Alpennordseite zu teilweise prekären Strassenverhältnissen führte. Auch auf der Alpensüdseite kam es lokal wegen friendes Schneematsches zu Verkehrsproblemen; so musste die Kantonsstrasse über den Monte-Ceneri zeitweise gesperrt werden.
Am Freitag früh folgte dann eine Warmfront. Sie brachte zunächst auf den angefrorenen Strassen erneut 10 bis 15 cm Neuschnee, was den Morgenverkehr zum Teil beeinträchtigte.
Im Laufe des Vormittags setzte sich die Warmluft aber zunehmend durch und liess die Schneefallgrenze auf über 1000 Meter ansteigen. Am Nachmittag liess ein knapp nördlich der Schweiz durchziehendes Teiltief den Westwind kräftig aufleben, wodurch die Temperatur im Mittelland sowie am Juranordfuss verbreitet auf 5 bis 9 Grad stieg.

 

Wetterlage am 3. März 2006, 13 Uhr Lokalzeit

Abbildung 1: Wetterlage von Freitag, 3. März 2006 13:00 Uhr.

Ein weiteres kräftigeres Teiltief folgte in der Nacht auf Samstag. Es verursachte dabei vor allem im westlichen Mittelland bis Luzern sowie in der Nordschweiz bis in die Niederungen Windböen von 70 bis über 90 km/h. Im Genferseegebiet wurden um 85, in Bern knapp 90, in Schaffhausen 92 km/h gemessen. Leicht erhöhte Lagen verzeichneten zum Teil über 100 km/h. Die im Basler Jura gelegene Messstelle Rünenberg meldete 115 km/h.
Die heranfliessende Kaltluft verursachte in den westlichen Alpentälern ebenfalls zum Teil sehr kräftige Windböen. So meldete Amsoldingen bei Thun 85 km/h.

 

Böenspitzen gemessen in der Nacht auf Samstag

Abbildung 2: Böenspitzen in km/h gemessen von den automatischen Messstationen der MeteoSchweiz im Zeitraum 3.3.2006 14:40 Uhr bis 4.3.2006 14:30 Uhr Lokalzeit.

Auf der Rückseite des erwähnten Tiefs, dessen Zentrum am Samstagmorgen bereits östliche der Schweiz lag, hat in der zweiten Nachthälfte eine aktive Kaltfront die Alpennordseite erfasst. Sie löste neue Niederschläge aus, gleichzeitig floss aus Nordosten wieder kältere Luft zur Schweiz, so dass östlich von Bern die Schneefallgrenze rasch bis in die Niederungen sank. So lagen am Samstagmittag im zentralen und östlichen Mittelland verbreitet 5 bis über 10 cm Neuschnee, während es in Bern gleichzeitig noch bei knapp 4 Grad regnete.

 

Temperaturgegesätze an der Luftmassengrenze in der Region Bern

Abbildung 3: Starke Temperaturgegesätze an der Luftmassengrenze in der Region Bern.

Gegen Abend dürfte sich die Grenze zwischen kalter und milderer Luft weiter nach Süden verlagern, so dass die Schneefallgrenze auch in den westlichen Landesteilen bis Bern bis in die Niederungen fallen dürfte. Bis Sonntagmittag ist im Flachland der Alpennordseite mit beträchtlichen Schneemengen zu rechnen, vor allem in der Ostschweiz dürften am Sonntagabend bis zu über 30 cm Neuschnee liegen. Dementsprechend wurde eine Unwetterwarnung ausgegeben.

 

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