12. März 2008 / D. Gerstgrasser, P. Albisser, B. Konantz
Bereits am 1. März hat das Sturmtief
„Emma“ für kräftige Winde gesorgt. In der Folge bildeten sich zwischen dem 10. und 12. März über dem nordwestlichen Europa weitere Tiefdruckwirbel, die sich auch in der Schweiz bemerkbar machten. Insgesamt waren die Auswirkungen allerdings geringer als beim Tief „Emma“ zum Monatsbeginn.
Sturmtief "Johanna" - 10. März 2008
Am Sonntag, 9. März entwickelte sich über dem nördlichen Atlantik das Tief „Johanna“, am Montagmittag (10. März) lag es mit einem Kerndruck von 955 hPa bereits über Südwestengland, der tiefste Kerndruck erreichte bereits zuvor etwa 950 hPa. Bild 1 zeigt das erwähnte Tief mit dem Frontensystem aus der Satellitenperspektive, in Bild 2 ist die vom Meteorologen angefertigte Frontenanalyse für denselben Zeitpunkt dargestellt.
Bild 1: Satellitenbild und Bodendruckanalyse, 10. März 2008, 12 UTC. Westlich vom Tiefkern stösst Kaltluft nach Süden vor, erkennbar an der flockigen Bewölkung.
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Druckfall löst Föhnströmung aus
Mit dem kräftigen Druckfall auf der Vorderseite des Tiefs und unterstützt durch die südwestlichen Höhenwinde entwickelte sich über den Alpen im Laufe des Montags eine ausgeprägte Föhnströmung. Die Druckdifferenzen zwischen Süden und Norden erreichten mit bis zu 12 hPa beträchtliche Werte.
Bild 3: Windsituation am 10. März 2008, 15.50 UTC; Der Föhn ist in den meisten bekannten Föhntälern durchgebrochen, gleichzeitig weht über dem Jura und der Westschweiz kräftiger Südwestwind.
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In den klassischen Föhntälern lagen die Böenspitzen zwischen 85 und knapp 115 km/h (Altdorf). Auf dem Gütsch ob Andermatt wurden 151 km/h gemessen, auf dem Titlis waren es 136 und auf den Jurahöhen bis zu 121 km/h.
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Sturmtief Kirsten - 11./12. März 2008
In der Folge entstand an der fast identischen Stelle über dem Nordatlantik ein weiteres Sturmtief mit den Namen „Kirsten“. Die Zugbahn verlief etwas nördlicher als bei „Johanna“, der tiefste Kerndruck betrug etwa 960 hPa und wurde am Dienstagmittag (11. März) erreicht.
Bild 4: Satellitenbild und Bodendruckanalyse, 11. März 2008, 12 UTC.
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In der Folge zog das Sturmtief weiter zur Nordsee, dabei wurde in der Nacht auf den Mittwoch (12. März) auch die Alpennordseite von den Sturmwinden erfasst. Im Laufe des Mittwochs entstand an der Nordseeküste zusätzlich noch ein zweites, namenloses Randtief.
Bild 6: Satellitenbild und Bodendruckanalyse, 12. März 2008, 12 UTC.
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In der Schweiz wurden im Flachland die grössten Böenspitzen im Laufe des Mittwochvormittags im Vorfeld der Kaltfront, bzw. während des Kaltfrontdurchgangs erreicht. Spitzenreiter war die Station Basel-Binningen mit 101 km/h, gefolgt von der Station MeteoSchweiz in Zürich mit 100 und Schaffhausen mit 90 km/h. Im zentralen und östlichen Mittelland lagen die Spitzen im Durchschnitt über alle Stationen zwischen 70 und 90 km/h
Bild 8: Radarbild und Böenspitzen der vergangenen 3 Stunden, 12. März 2008, 9 UTC. Die Front hat die Nordwestschweiz erreicht, es fällt kräftiger, schauerartiger Niederschlag.
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In einer zweiten Phase sorgte rasch ansteigender Luftdruck auch in den Voralpen und Alpentälern gebietsweise für stürmisch auffrischenden Wind. So wurden beispielsweise in Amsoldingen bei Thun (Alpennordrand) Böen von 118 km/h und am Walensee 92 km/h gemessen. In den Gipfellagen war es ganztags stürmisch, gebietsweise wurden auch orkanartige Böen aufgezeichnet. Spitzenreiter war mit 153 km/h die Station Titlis in der Zentralschweiz, gefolgt von der Station Säntis mit 143 und dem Jungfraujoch mit 142 km/h.
Im Bereich der schleifend durchziehenden Kaltfront fielen kräftige Niederschläge, in einem Streifen vom Unteraargau bis nach Schaffhausen kamen innert weniger Stunden 20 bis gut 25 mm Regen zusammen. Im Vorfeld der Kaltfront stieg die Schneefallgrenze auf der Alpennordseite vorübergehend gegen 2000 Meter. Die Niederschläge fielen meist als kräftige Schauer, im Bereich der Front waren vereinzelt auch Gewitter eingelagert.
Wie kommen Hoch- und Tiefdruckgebiete zu ihren Namen?
Die Namensgebung für Hoch- und Tiefdruckgebiete ist schon ein recht alter Brauch. Seit 1954 bezeichnet das Institut für Meteorologie der FU Berlin Hoch- und Tiefdruckgebiete, die das Wetter in Europa beeinflussen, mit Namen. Das Ziel der Namengebung war, Wettersysteme auf den Wetterkarten besser verfolgen zu können. Bis fast ins Jahr 2000 erhielten in alphabetischer Reihenfolge Tiefdruckwirbel weibliche und Hochdruckgebiete männliche Vornamen.
1998 kam es in den Medien wegen den Regeln im Zusammenhang mit der Vergebung der Namen und wegen einer möglichen Diskriminierung der Frauen zu grösseren Diskussionen. Der Streit konnte jedoch rasch beigelegt werden. Als Ergebnis der Diskussionen einigte man sich darauf, ein jährlich wechselnder Turnus einzuführen. So tragen im Jahr 2008 Hochdruckgebiete männliche Vornamen und Tiefdruckgebiete weibliche Vornamen. Davon ausgehend folgte auf das Tief „Emma“, das Tief „Fee“, dann „Gabi“, „Helga“, „Inge“, „Johanna“ und weiter das Tief „Kirsten“.
Im Jahr 2009 wird es umgekehrt sein, d. h. die Hochdruckgebiete haben weibliche, die Tiefdruckgebiete männliche Vornamen.
Weitere interessante Informationen über der Namengebung von Hoch- und Tiefdruckgebieten sind bei der Freien Universität Berlin
(www.wetterpate.de) erhältlich.