Zugbahn und Luftdruckentwicklung
Die Entwicklung des Sturmtiefs "Joachim" nahm seinen Anfang am Donnerstagmorgen (15. Dezember 2011) über dem nahen Atlantik südwestlich von Irland. In der Nacht auf Freitag (16. Dezember 2011) lag der Kern des Tiefs mit einem Druck von etwa 980 Hektopascal (hPa) über dem Ärmelkanal. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte über dem Nordosten Frankreichs und den Benelux-Staaten eine rasche Vertiefung mit einem Druckfall von bis zu 15 hPa innerhalb von 3 Stunden.
Bild 1: Prognose der Druckverteilung über Europa für Freitag, 16. Dezember 2011 um 7 Uhr aus dem Prognosemodell COSMO7 von MeteoSchweiz. Isobaren (schwarze Linien) und Druckänderung in 3h (gelb: Druckfall, braun: Druckanstieg).
gross.png, 343 KBAm Freitag um 10 Uhr lag das Tief mit einem Kerndruck von 968 hPa bei Düsseldorf, um 13 Uhr mit 965 hPa bei Bielefeld. Die weitere Zugbahn führte über Hannover (16 Uhr, 964 hPa) nach Berlin (22 Uhr). Der tiefste Kerndruck im Tief wurde um 16 Uhr mit 963.8 hPa aus Braunschweig gemeldet. Siehe dazu auch Bilder 1-3.
Auswirkungen in der Schweiz
Wind:
Auf der Vorderseite des Tiefs nahmen die Höhenwinde in der Nacht auf den Freitag stetig zu. Aufgrund der starken Niederschläge und der relativ stabilen Schichtung der Atmosphäre erreichten die Böenspitzen in den tiefsten Regionen des Mittellandes am Vormittag vorerst nur vereinzelt Sturmstärke.
Anders die Situation in den leicht erhöhten Regionen, im Jura sowie auf den Voralpen- und Alpengipfeln. In den windexponierten Gipfellagen wurden Böenspitzen von 130 bis 175 km/h registriert. In den leicht erhöhten Regionen erreichten die Spitzengeschwindigkeiten 100 bis 120 km/h, in Rünenberg/BL wurden auf 611 m sogar 143 km/h gemessen.
Am Nachmittag erreichte die zum Tief gehörende Kaltfront unser Land. Der Druck stieg markant an und damit verbunden erfasste der Sturm auch die tiefen Lagen und die nördlichen Alpentäler. So wurden auch in den Niederungen verbreitet Windspitzen um 90 km/h, lokal aber auch höher, gemessen.
In Rünenberg/BL wurde die grösste Böenspitze seit Messbeginn im Jahre 1984 aufgezeichnet. Die bisherige Rekordmarke stammte mit 139 km/h vom Orkan Lothar am 26. Dezember 1999. Allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass auf Grund der übrigen Messwerte (flächig gesehen) ein Vergleich mit Lothar nicht zulässig ist.
Mit dem oben beschriebenen starken Druckfall hat sich in den Alpentälern am Vormittag zusätzlich eine starke Föhnströmung mit Böen von 80 bis 100 km/h entwickelt.
Niederschlag:
Mit der stürmischen Westströmung wurde bereits seit mehreren Tagen abwechselnd feucht-milde und feucht-kalte Meeresluft zu den Alpen geführt. In den Weststaulagen (Jura, westliche Voralpen und Alpen, Unterwallis, nördliches Wallis) aber auch in der Nordschweiz wurden dadurch intensive Niederschläge ausgelöst. Insbesondere im Wallis fiel dabei viel Neuschnee. Auf Grund der windgeschützten Lage konnte sich die milde Luft hier nicht durchsetzen, sodass vielerorts Schnee bis in die Niederungen gefallen ist. Die grössten Neuschneemengen wurden im Lötschental gemessen. Hier fielen zwischen Donnerstagmorgen und Freitagmorgen je nach Messstation 60 bis 100 cm Schnee:
Bild 5: 24-stündige Neuschneemengen im Zeitraum von Donnerstagmorgen (15. Dezember) bis Freitagmorgen (16. Dezember). Händische Messungen der Schnee- und Wetterbeobachter des SLF und von MeteoSchweiz
gross.png, 203 KBWeitere Entwicklung
Auf der Rückseite der Kaltfront liess der Westwind allmählich nach und in der Nacht auf Samstag floss labil geschichtete Polarluft in den Alpenraum ein. Am Alpennordhang setzten Stauniederschläge ein, wobei die Schneefallgrenze in die tiefsten Lagen sank. Am Samstagmorgen konnte im Flachland erstmals im Winter 2011/2012 zum Teil eine dünne Schneedecke beobachtet worden.






