Aktualiserung 5.11.2011, R. Mühlebach
Auf der Vorderseite eines umfangreichen Tiefdruckgebietes über dem Atlantik besteht im Wallis und auf der Alpensüdseite eine markante Staulage, die bis am Sonntag andauert. Insbesondere in der Region Simplon-Gondo, aber auch in den angrenzenden Gebieten des Wallis, in Teilen des Tessins und im Misox sowie am zentralen Alpenhauptkamm vom Berner Oberland über das Gotthardgebiet bis ins Rheinwald fällt teils kräftiger Dauerregen. Gleichzeitg besteht im Alpenraum eine Föhnlage. In den nördlichen Alpentälern sind Böenspitzen bis 110 km/h gemessen worden.
Wetterlage
Am Freitag hat sich über Südfrankreich ein Sekundärtief abgespaltet. Es verursacht einen Stau am Alpensüdhang, der vor allem in der Nacht auf Samstag intensive Niederschläge im Tessin verursacht hat. Das Tief verlagert seinen Schwerpunkt auf den Sonntag zu den Balearen und schwächt sich in der Folge ab. Dadurch drehen die Winde am Samstag von Süd auf Südost, was eine Verlagerung der intensiven Niederschläge ins Gebiet Simplon bis Monte Rosa bewirkt. Auch werden die Niederschläge über den Alpenhauptkamm in die angrenzenden Gebiete im Wallis und am zentralen Alpennordhang verfrachtet. Am Sonntag lassen sowohl die Stauniederschläge im Süden und in den Alpen sowie der Föhn nach.
Bild 1: Vorhersage Bodendruck und Wind auf 700hPa (ca. 3000 m ü.M.) für Sonntag, 6.11.2011 00 UTC des Europäischen Wettermodells (Berechnung vom 05.11.2011 00 UTC).
gross.jpg, 224 KBNiederschläge
Bis Samstagmorgen sind folgende Niederschlagsmengen gefallen: Region Simplon bis Zermatt 20-50 mm, Tessin 70-130 mm. Nördlich des Alpenhauptkamms fielen bisher keine nennenswerte Niederschläge. Die Schneefallgrenze bewegt sich gegenwärtig um 1900-2600 Meter.
Bis Sonntagabend fallen in der Region Simplon bis Monte Rosa 80-120 mm, in den angrenzenden Gebieten 20-60 mm, auf der Alpensüdseite noch 30-80 mm. Die Schneefallgrenze liegt auf der Alpennordseite bei 2300-2500 Meter; auf der Alpensüdseite sowie in den südlichen Walliser Alpen bei 2200-2600 Metern. In der Nacht auf Sonntag sinkt die Schneefallgrenze um 100-300 ab.
Mit starken Höhenwinden greifen heute Samstag die Niederschläge auch in die nördlich angrenzenden Gebiete über.
Von Freitagabend bis Sonntagabend werden folgende Mengen erwartet:
- in der Region Simplon-Gondo mit 230 bis 280 mm oder Litern pro Quadratmeter
- im Gebiet um den Lago Maggiore und im Valle Maggia mit über 200 mm
- im übrigen Mittel- und Nordtessin mit über 160 mm
- im Goms sowie im Saas- und Mattertal mit 100 bis 140 mm
- in den südlichen Walliser Alpen mit 60 bis 100 mm.
Am zentralen Alpenhauptkamm vom Berner Oberland über das Gotthardgebiet bis ins Rheinwald konzentriert sich die Phase des Übergreifens vor allem auf die Zeitspanne von Samstag auf den Sonntag. Innerhalb von 24 Stunden sind dort über 50 mm angekündigt.
In den hauptsächlich betroffenen Gebieten ist mit Hangrutschungen und in kleineren Bächen und Flüssen mit Hochwasser zu rechnen. Die Abflussspitzen dürften in der Nacht von Samstag auf Sonntag auftreten (Quelle: BAFU).
|
Bild 2: Vorhersage 72h-Niederschlagssumme zwischen Freitag 04.11.2011 00 UTC und Montag 07.11.2011 00 UTC des Europäischen Wettermodells (Berechnung vom 03.11.2011 00 UTC) gross.png, 90 KB |
Bild 3: Wahrscheinlichkeiten für verschiedene Niederschlagssummen berechnet aus mehreren Läufen des regionalen Wettermodells (COSMO-LEPS) mit unterschiedlichen Anfangsbedingungen vom 02.11.2011 12 UTC. gross.bmp, 437 KB |
Föhn (inkl. Temperaturen)
Während am Alpensüdhang zum Teil intensive Stauniederschläge fallen, bläst in den Tälern der Alpennordseite Föhn. Zeitweise reicht er gar bis ins Mittelland hinaus. Bis anhin wurden im Messnetz der MeteoSchweiz nachfolgende Böenspitzen gemessen: Meiringen 110 km/h, Altdorf 101 km/h, Wädenswil 59 km/h, Quinten 70 km/h, Glarus 80 km/h, Vaduz 77 km/h.
Diese Föhnlage ist für diese Jahreszeit recht typisch. Der aktuelle Föhn beschert uns einen neuen November-Temperatur-Rekord in Altdorf (seit 1959): so wurden am Freitag um 13.40 Uhr 23.1 Grad gemessen! Auch in Vaduz wurde es am Freitag mit 22.2 Grad beinahe sommerlich warm. Bei dieser Temperatur handelt es sich um den fünfthöchsten je gemessenen November-Wert. Spitzenreiter war dort der 9. November 1985 mit 23.6 Grad. Schon in der Nacht zum Freitag gingen die Temperaturen wegen des Föhns kaum zurück: so erlebte Glarus beinahe eine Tropennacht mit einem nächtlichen Minimum von 19.7 Grad.
Wetterablauf
Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Wetterverhältnisse in den verschiedenen Regionen der Schweiz finden Sie in den aktuellen Wetterberichten:
Deutschschweiz, Nord- und Mittelbünden
Ständig aktualisierte Details zu den Gefahren finden sich auf folgenden Seiten:
Stand der meterologischen Information: Donnerstag, 3. November 2011, 17 Uhr




