12.+13. Juni 2006 / Michael Kasper
Kühle Bise dämpft Temperaturanstieg
Nach dem viel zu nassen, unbeständigen Mai und dem zu kalten Junianfang stellte sich die Grosswetterlage am 7. Juni über Mitteleuropa komplett um. Ein kräftiges Hoch verlagerte sich mit seinem Zentrum von den Britischen Inseln nach Mitteleuropa und Skandinavien. Die kalte Nordströmung verschob sich dementsprechend nach Osteuropa. Diese Konstellation löst im Mittelland üblicherweise Bise aus. Die Bise ist ein kühler, aber meistens trockener Nordostwind kontinentalen Ursprungs. Die Bise sorgte dafür, dass sich die Luft nur sehr langsam erwärmte, wie dies Bild 1 mit dem Temperaturverlauf schön zeigt:
Aussergewöhnlich später erster Sommertag
Erst mit der Ostverlagerung des Hochs und dem Bisenende am Montag, 12.6. stiegen die Temperaturen in den Niederungen verbreitet auf sommerliche Werte von 25 Grad oder mehr an. Somit wurde vielerorts denn auch der erste Sommertag registriert; aus klimatologischer Sicht ein eher ungewöhnlich später Termin. Normalerweise werden die ersten Sommertage im Mai gemessen, manchmal sogar schon im April.
Grafik mit Temperaturmaximum vom 12.6.2006.jpg, 320 KB
Grafik mit Temperaturmaximum vom 13.6.2006.jpg, 320 KB
Grafik mit Temperaturmaximum vom 14.6.2006.jpg, 323 KB
Satellitenbild Alpen
Auf dem Satellitenbild (für eine Animation auf den Link unter dem Bild klicken) vom Montagnachmittag sieht man die noch schneebedeckten Hochalpen und nur ganz kleine Quellwolken besonders über dem Jura und Schwarzwald:
Gute Thermikbedingungen
Besonders erfreut über die sich endlich einstellende sommerliche Hochdruckwetterlage ist auch die nicht motorisierte Fliegerei. Durch die kräftige Junisommersonne und die trockene Luft konnte sich im Tagesverlauf gute Thermikaktivität entwickeln. Thermik entsteht, wenn die Erdoberfläche durch Sonneneinstrahlung erwärmt wird. So lösen sich Warmluftblasen vom Boden ab (warme Luft ist leichter als kalte Luft) und steigen in die Höhe bis die Umgebungsluft wieder gleich warm ist. Nach einem physikalischen Gesetz kühlt sich die Luft beim Aufsteigen um 1 Grad pro 100 Meter ab, der Taupunkt sinkt hingegen nur um 0.14 Grad/100m.
Je nach Feuchtegehalt der Luftmasse kondensiert der Wasserdampf und es bilden sich Quellwolken. Diese Aufwinde unter den Quell- oder Cumuluswolken werden von der Gleitschirm- Delta und Segelfliegerei genutzt um Höhe zu gewinnen. Im Extremfall können so Vertikalgeschwindigkeiten von 5 oder sogar bis 10 Metern pro Sekunde erreicht werden.
Panoramabilder vom Montagnachmittag mit Quellwolkenbildung über den Bergen
Die Höhe der Quellwolkenbasis kann aufgrund von Radiosondierungen recht gut bestimmt werden. Bild 2 zeigt ein Beispiel mit der gemessenen Temperatur und dem Taupunkt der Station Disentis:
So wurden am Montagnachmittag in dieser Region tatsächlich Höhen von 3500 m.ü.M , vereinzelt sogar 4000 m.ü.M erreicht.
Der Hochsommer bleibt erhalten
Der Alpenraum wird auch in den nächsten Tagen in der sehr warmen, aber zunehmend feuchteren Luftmasse verharren. So treten vermehrt Wärmegewitter auf, dies vor allem in den Bergen. Eine grundlegende Wetterumstellung ist bis auf Weiteres nicht in Sicht.