MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

15. Oktober 2007 / Ludwig Z'graggen, Bernd Konantz

 

Schönes Bergwetter am vergangenen Wochenende

 

Ein kräftiges Hochdruckgebiet lag am Samstag über Mitteleuropa (siehe Bild 1). Es bewirkte im Alpenraum eine kräftige Subsidenz. Subsidenz bedeutet ein grossräumiges, langsames Absinken innerhalb eines Hochdruckgebietes. Dabei werden die Luftmassen abgetrocknet und erwärmt. Dieser Vorgang erklärt das milde und trockene Wetter in den Bergen. Da zudem die aus höheren Luftschichten absinkende Luft einen geringen Staubgehalt aufweist, ist die Fernsicht bei solchen Wetterlagen in grösserer Höhe meist sehr gut. Dies war auch am vergangenen Wochenende der Fall.

 

In Bodennähe hingegen wird die Luft durch die im Herbst immer länger werdenden Nächte gekoppelt mit starker negativer Strahlungsbilanz abgekühlt. Es entstehen dadurch Inversionen, welche die Sonneneinstrahlung tagsüber nur noch mit Mühe kompensieren kann. An einigen Orten bleibt die Inversion bereits ganztags bestehen. Da durch die nächtliche Auskühlung in den Niederungen die Temperatur meist auch bis zum Taupunkt absinkt, bildet sich dort häufig Nebel, welcher sich mit fortschreitender Jahreszeit ebenfalls immer zögernder auflöst. Je nach Position des Hochs herrschen in den Niederungen unterschiedlich starke Bodenwinde vor.

 

Am Samstag wehte der Wind aus Ost- bis Nordost und machte sich im Mittelland als Bise bemerkbar. Die Bise schafft es, die Bodeninversion abzuheben und sie in eine Höheninversion umzuwandeln. Entsprechend hebt der Nebel vom Boden ab und wandelt sich in Hochnebel um, welcher je nach Obergrenze unterschiedlich weit in die nördlichen Alpentäler hineinreicht. Am Samstag lag die Höheninversion und dementsprechend der Hochnebel bei über 1500 Meter.

 

Am Sonntag verlagerte sich der Schwerpunkt des Hochdruckgebietes nach Osteuropa (siehe Bild 2). Die Bise schwächte sich im Mittelland ab und die Inversion sank auf etwa 1000 Meter. Südlich der Alpen kamen hingegen südöstliche Winde auf und drücken von der Poebene und von der Adria her dunstige und feuchte Luft zur Alpensüdseite. Die Sicht verschlechterte sich zusehends und in der Nacht auf Sonntag trat eine recht kompakte hochnebelartige Bewölkung auf. Man nennt dieses Phänomen auf der Alpensüdseite Retour d’Est. Es kommt im Winter ab und zu vor, dass sich südlich der Alpen eine solche Wolkendecke bildet. Allerdings sind Hochnebellagen nördlich der Alpen deutlich häufiger.

 

Bodenanalyse und Satellitenbild vom 13.10.2007 um 12 UTC

Bild 1: Bodenanalyse und Satellitenbild vom 13.10.2007 um 12 Uhr UTC, dies entspricht 14 Uhr Lokalzeit.

gross.png, 1.3 MB
Bodenanalyse und Satellitenbild am 14.10.2007

Bild 2: Bodenanalyse und Satellitenbild am 14.10.2007 um 12 Uhr UTC

gross.png, 1.2 MB
Satellitenbildanimation vom 14.10.2007

Bild3: Satellitenbildanimation vom 14.10.2007. Die Satellitenanimation zeigt sehr anschaulich die langsame Nebelauflösung im Mittelland und die Hochnebelsituation auf der Alpensüdseite.

Satellitenanimation.gif, 2.2 MB
Der Unterschied zwischen milder und trockener Luft in den Bergen und kühler und feuchter Luft in den Niederungen konnte am Sonntag gut beobachtet werden. So stieg die Temperatur auf 1000 bis 1400 Meter Höhe auf über 16 Grad. Am wärmsten war es dabei mit 17.6 Grad in La Chaux-de-Fonds, aber auch in Ulrichen und Schuls war es mit 17.4 bzw. 16.6 Grad sehr mild. Anders im Kanton Thurgau, wo der Hochnebel sich den ganzen Tag nicht aufzulösen vermochte. Dort stiegen die Temperaturen nur gerade auf 10 Grad. Gleichzeitig war es in den Bergen sehr trocken. Auf dem Säntis zeigte der Feuchtigkeitsmesser am Sonntagmorgen vorübergehend extreme 2 % relative Luftfeuchtigkeit an, aber auch der Titlis, das Jungfraujoch und der Pilatus zeigten zeitweise weniger als 10 % an.

 

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