Regen und Schnee in Flachland
Am letzten Novemberwochenende kam es auf der Alpensüdseite zu den erwarteten Niederschlägen (s. Internetbeitrag von MeteoSvizzera).
Ein umfangreiches Tiefdrucksystem über Italien steuerte immer wieder Staffeln feuchter Luft gegen die Alpensüdseite, wo es - verstärkt durch die Staukomponente - zu ergiebigen Niederschlägen kam. Da über der Poebene in der ersten Phase noch relativ kalte Luft stagnierte, fielen die Niederschläge besonders am Freitag (28. November 2008) bis in die Niederungen in Form von Schnee. In der Folge stieg die Temperatur im Tessin mit etwas Warmluftzufuhr auf positive Werte. Damit zog sich die Schneefallgrenze in höhere Regionen zurück.
Mit der erneuten Intensivierung der Niederschläge sank die Schneefallgrenze am Samstagabend (29. November 2008) wieder bis ins Flachland. In der Tat entziehen die schmelzenden Schneeflocken der Luft Energie, was zu einem Sinken der Temperatur führt. Dieses Phänomen wird als Niederschlagsabkühlung bezeichnet, und es konnte während des Ereignisses mehrmals beobachtet werden, so zum Beispiel am Samstagabend oder auch am Montag.
Bild 1: Verlauf der Temperatur und des Niederschlags an der Station Lugano am Samstagabend. Sobald die Temperatur unter 1.5 Grad sinkt, geht der Niederschlag in Schnee über.
Niederschlagsmengen
Bild 2: Neuschneesumme über 3 Tage der SLF und MeteoSchweiz Stationen (28. November 2008, 7 Uhr bis 1. Dezember 2008, 7 Uhr)
Bildquelle: SLF
Bild 3: Niederschlagssumme (Wasseräquivalent) über 3 Tage, selber Zeitraum wie in Bild 2
Aussergewöhnliches Ereignis?
Gesamthaft gesehen handelt es sich um ein relativ seltenes Ereignis, besonders was die Schneewerte im Monat November im Flachland betrifft. In Locarno Monti zum Beispiel (367 m.ü.M.) wurde am Samstag mit 12 cm die zweithöchste je gemessene Neuschneemenge im November registriert. Grössere Werte (14 cm) wurden einzig vor über 60 Jahren am 29. November 1947 gemessen. Am 22. November 1977 wurden mit 11 cm ähnliche Neuschneemengen gemessen.
Betreffend der Tessiner Bergregionen treten solche Schneemengen gemäss einer ersten Einschätzung vom Ch. Marty vom Institut für Schnee und Lawinenforschung in Davos (SLF) im Schnitt annähernd einmal pro Jahr auf. Im Engadin hingegen ist die Wiederkehrperiode deutlich länger. Für Zuoz oder Samedan zum Beispiel, beträgt sie 10 bis 20 Jahre.
Bild 4: Die Sonne ist zurück in den Bergen des Kanton Tessin: Ghridone und Corona Pinci am Dienstagmorgen, 2. Dezember 2008
Selten so viel Schnee am 1. Dezember
Die Gesamtschneehöhen am 1. Dezember können folgendermassen eingeordnet werden:
| Station: | Gesamtschneehöhe in cm am 1.12.2008 | Rang: |
| San Bernardino | 105 | 3. |
| Nante | 73 | 2. |
| Maloja | 118 | 2. |
| Splügen | 89 | 1. |
| Poschiavo | 39 | 1. |
| Sils Maria | 95 | 1. (zus. mit 1.12.1966) |
| Samedan | 78 | 1. |
| Zuoz | 83 | 1. |
Optimaler Winteranfang
