26. Juni 2006 / Marco Stoll, Stefano Zanini
Im Vorfeld einer Kaltfront, welche die Schweiz in der Nacht auf Montag überquerte, bildeten sich in den westlichen Voralpen und im Jura mehrere kräftige Gewitterzellen und zogen nordostwärts. Sie waren von Sturmböen und teils zwetschgengrossen Hagelkörnern begleitet. Im Bereich der Hagelzüge traten unter anderem Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und Gebäuden sowie Verkehrsbehinderungen auf.
Bild 1: Bodendruckverteilung und Fronten am 25. Juni 2005 um 14 Uhr Lokalzeit.
Heranrückende Kaltfront mit präfrontalem Föhn
Über Frankreich hatte sich im Tagesverlauf ein kleinräumiges Tief entwickelt, welches sich in der Folge nordostwärts verlagerte und eine Kaltfront zur Schweiz lenkte (Bild 1). Auf der Vorderseite der Front befand sich die Schweiz im Einflussbereich sehr warmer und instabil geschichteter Luft. In den zentralen und östlichen Regionen der Alpennordseite griff derweil der Föhn, unterstützt durch aus Süden herannahende Gewitterzellen, bis weit ins Flachland hinaus. Kurz nach 15 Uhr bildeten sich am Genfersee sowie im Jura die ersten kräftigen Gewitterzellen, die in der Folge mit der südwestlichen Höhenströmung ostwärts zogen. Nebst den hohen Nachmittagstemperaturen und dem Föhn unterstützte ein gut ausgeprägter Höhentrog zusammen mit der zügigen Höhenströmung die Bildung und die Langlebigkeit der Gewitter.
Bild 2: Niederschlagssumme geschätzt aus Radarmessungen.
Starkniederschlag und Sturmböen
Aus Radarmessungen abgeleitete Tagessummen des Niederschlags sind in Bild 2 gezeigt. Die Zugbahnen der oben erwähnten Gewitter treten deutlich hervor. Die grössten Niederschlagsmengen traten vom Neuenburger Jura bis zum Juranordfuss, vom Genfersee entlang der Voralpen, über die Napfregion bis zum Kanton Aargau sowie im Südtessin auf. In diesen Regionen waren auch die Hagelzüge zu finden: Hagelkörner von 3 bis 7 cm Grösse wurden bspw. aus der Gantrischregion und dem Emmental gemeldet und auch fotografisch dokumentiert (Bild 3). Vom Zentralwallis über das Berner Oberland, die Vierwaldstättersee-Region bis zum Bodensee blieb es dank Föhn bis um Mitternacht niederschlagsfrei. Schliesst man die Gewitter in der zweiten Nachthälfte mit ein, registrierte die Station Locarno-Magadino eine Summe von 97 Litern pro Quadratmeter innert rund 6 Stunden.
Bild 1: Hagelkörner von rund 3cm Grösse, fotografiert von Christoph Matti in Riggisberg (BE).
Eine kräftige Gewitterzelle zog entlang der Freiburger Alpen über das Gantrischgebiet und das Napfgebiet hinweg. Weitere Gewitter zogen vom Neuenburger Jura zum Rheinknie sowie über das Baselbiet hinweg. Die eigentliche Kaltfront überquerte erst in der Nacht die Alpennordseite mit weiteren, zum Teil gewittrigen Niederschlägen. Auch im mittleren Tessin entstand in der zweiten Nachthälfte ein Gewitter, das über lange Zeit nahezu stationär blieb und innerhalb 6 Stunden knapp 100 Liter Regen pro Quadratmeter brachte.
Bild 2: Höchste Böenspitzen gemessen am 25. Juni 2006.
Die grössten Böenspitzen vom 25. Juni 2006 sind in Bild 4 gezeigt. Hier treten vor allem die Gewitter im Jura hervor, welche Böen um 100 km/h verursachten. Im Flachland der Alpennordseite lagen die Windspitzen zwischen 40 und 60 km/h. In den Föhntälern der Alpennordseite wehte der Föhn mit rund 80 km/h, wobei vielerorts die vorläufigen Rekordwerte der Höchsttemperatur für das Jahr 2006 erreicht wurden: in Vaduz im Rheintal wurden heisse 33.3 Grad registriert.
Die Gewitter brachten jedoch nicht nur Schäden und Zerstörung mit sich. Die Niederschläge beendeten eine langanhaltende Trockenphase in vielen Regionen der Alpensüdseite. Im Puschlav besteht jedoch nach wie vor Waldbrandgefahr.