Präfrontale Gewitterzellen
Mit der kräftigen Sonneneinstrahlung stiegen die Temperaturen nochmals überall auf hochsommerliche Werte. In den Niederungen gab es vielerorts mehr als 30 Grad und selbst auf dem Jungfraujoch (3500 müM) verzeichnete man als Höchstwert 5.1 Grad. Etwas weniger hohe Werte wurden im Tessin wegen der reduzierten Besonnung registriert. Am Nachmittag erfasste die zum Tief über der Nordsee gehörende Kaltfront den Jura. Auf ihrer Vorderseite nahm über den Alpen die Südwestströmung zu und so kam es am späteren Nachmittag und Abend zu einzelnen heftigen Gewittern.
Eine kräftige Gewitterzelle entlud sich dabei am Juranordfuss. In der Region Basel beispielsweise prasselten innert kurzer Zeit rund 40 Liter Regen pro Quadratmeter herunter und es gab Windböen von annähernd 100 km/h. Diese Gewitterzelle zog weiter Richtung Schaffhausen. Auf nachfolgender Grafik ist der Verlauf der Windböen, der abrupte Temperaturrückgang sowie der Druckanstieg ersichtlich.
Radarloop Nordwestschweizer Gewitterzelle
Karte Böenspitzen Freitag, 11.7.
Trübes und nasses Juliwochenende
Karte Sonnenscheindauer Wochenende.jpg, 295 KB
Erneutes Aufleben der Gewitteraktivität im Süden
Die intensivsten Gewitter entluden sich dabei über dem Mittel- und Südtessin sowie in den anliegenden Bündner Südtälern. In Lugano beispielsweise fielen am Sonntagvormittag innert einer Stunde rund 35 Liter pro Quadratmeter. Solche Niederschlagsintensitäten sind auch für die Alpensüdseite nicht alltäglich, liegen aber deutlich unter dem Rekordwert von 91,2 Liter pro Quadratmeter innert einer Stunde (gemessen am 28. August 1997).
Die nachfolgende Radarbildserie zeigt eindrücklich, wie sich immer wieder am gleichen Ort Gewitterzellen bildeten und sich kaum verlagerten.
Soviel Regen innert 24 Stunden ist ungewöhnlich. In der langen, bis ins Jahr 1864 zurückgehenden Messreihe von Lugano gab es im Juli nur noch 3 mal höhere Tagessummen als in diesem Jahr. Nämlich am 11.7.1890 mit 206,4 l/m2, am 31.7.1979 mit 170,3 l/m2 und am 24.7.2000 mit 144,0 l/m2.
Ein ausführlicher Bericht zum Ereignis gibt es hier: Passaggio di un attivo fronte temporalesco
Verlagerung der Hauptniederschläge auf die Alpennordseite
Mit der weiteren Ostverlagerung des Tiefs auf Montag (14.7.), drehten die Winde allmählich auf Nord, sodass sich die Hauptniederschläge auf die Alpennordseite verlagerten. Insbesondere am Alpennordhang wurden beträchtliche Niederschlagsmengen registriert. Auf dem Napf fielen innerhalb von 12 Stunden 53 l/m2 und im sonst eher trockenen Chur ebenfalls 41 l/m2. Chur verzeichnete zudem mit 63.2 l/m2 die Höchste Tagessumme im Juli seit Messbeginn im Jahre 1958.
Trotzdem entspannte sich die Situation bei den Abflüssen recht rasch, denn durch die Abkühlung sank die Schneefallgrenze auf etwa 1800 m. Im Averstal (GR) sorgte die Niederschlagsabkühlung gar kurzzeitig für eine Schneedecke auf 1600 m. In Juf (2100 m) wurden am Montagmorgen 23 cm Neuschnee gemessen (Quelle: SLF).
So präsentierte sich die Bergwelt mitten in der Sommerferienzeit mancherorts in einem weissen Gewand, wie beispielsweise hier im Oberengadin:












