MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

14. Juli 2008 / Peter Albisser, Michael Kasper

 

Starke Gewitterregen 11.-14. Juli 2008

 

Vom Freitag, 11.7. bis Montag, 14.7. sorgte eine nahezu stationäre Kaltfront für starke Regenfälle und heftige Gewitter. Schäden durch Sturmböen traten am 11.7. in der Nordschweiz auf. Durch die grossen Regenmengen kam es insbesondere im Tessin und Südbünden am Sonntag, 13.7. zu Murgängen und Überflutungen. Schlussendlich erhielt am Montag, 14.7. auch noch der Alpennordhang viel Niederschlag.

 

Niederschlagssumme Gesamtereignis (11.-14.7.2008)

Niederschlagssumme Gesamtereignis (11.-14.7.2008)

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Präfrontale Gewitterzellen

Am Freitag (11.7.) lag der Alpenraum auf der Vorderseite einer Kaltfront, die von Frankreich her langsam weiter nach Osten vorstiess. Bereits in ihrem Vorfeld bildeten sich über der Alpennordseite am frühen Morgen einige Schauerzellen, die aber nur unbedeutende Niederschlagsmengen brachten. Die Schauerzellen lösten sich jedoch rasch auf und in der Folge stellte sich fast im ganzen Alpenraum meist sonniges Wetter ein (7 bis 9 Stunden Sonnenschein). Deutlich weniger Sonnenstunden (2 bis 4 Stunden) konnte man im Tessin registrieren. Diese Region geriet bereits am Vormittag in den Einflussbereich von feuchten und labil geschichteten Luftmassen, die aus Südwesten gegen den Alpensüdhang geführt wurden.
Mit der kräftigen Sonneneinstrahlung stiegen die Temperaturen nochmals überall auf hochsommerliche Werte. In den Niederungen gab es vielerorts mehr als 30 Grad und selbst auf dem Jungfraujoch (3500 müM) verzeichnete man als Höchstwert 5.1 Grad. Etwas weniger hohe Werte wurden im Tessin wegen der reduzierten Besonnung registriert. Am Nachmittag erfasste die zum Tief über der Nordsee gehörende Kaltfront den Jura. Auf ihrer Vorderseite nahm über den Alpen die Südwestströmung zu und so kam es am späteren Nachmittag und Abend zu einzelnen heftigen Gewittern.
Eine kräftige Gewitterzelle entlud sich dabei am Juranordfuss. In der Region Basel beispielsweise prasselten innert kurzer Zeit rund 40 Liter Regen pro Quadratmeter herunter und es gab Windböen von annähernd 100 km/h. Diese Gewitterzelle zog weiter Richtung Schaffhausen. Auf nachfolgender Grafik ist der Verlauf der Windböen, der abrupte Temperaturrückgang sowie der Druckanstieg ersichtlich.

 

Verlauf Böen, Temperatur, Luftdruck für Basel, Leibstadt, Schaffhausen

Verlauf Böen, Temperatur, Luftdruck für Basel, Leibstadt, Schaffhausen

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Die Webcam Leibstadt (KKW) vom Messnetz der MeteoSchweiz dokumentiert den Durchgang des Gewitters ebenfalls sehr eindrücklich (10 min. Schritte):

 

Radarloop Nordwestschweizer Gewitterzelle

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Karte Böenspitzen Freitag, 11.7.

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Trübes und nasses Juliwochenende

Die zu den Alpen vorgestossene Kaltfront verlagerte sich am Samstag (12.7.) nur noch wenig. Im Bereich dieser Frontalzone blieb es im ganzen Alpenraum meist trüb und es kam immer wieder zu Niederschlägen, wobei sowohl nördlich wie auch südlich der Alpen die Tageshöchsttemperaturen nur noch etwa 20 Grad erreichten. Dementsprechend wenig Sonnenstunden wurden verzeichnet:

Karte Sonnenscheindauer Wochenende.jpg, 295 KB

 

Erneutes Aufleben der Gewitteraktivität im Süden

Am Sonntag (13.7.) entwickelten sich im Bereich der langgezogenen, von Finnland über den Alpenraum hinweg zur Iberischen Halbinsel verlaufenden Frontalzone verschiedene Wellen. Eine davon stiess am frühen Sonntagmorgen von Südfrankreich her nach Osten vor und liess südlich der Alpen die Gewittertätigkeit wieder aufleben.

 

Die intensivsten Gewitter entluden sich dabei über dem Mittel- und Südtessin sowie in den anliegenden Bündner Südtälern. In Lugano beispielsweise fielen am Sonntagvormittag innert einer Stunde rund 35 Liter pro Quadratmeter. Solche Niederschlagsintensitäten sind auch für die Alpensüdseite nicht alltäglich, liegen aber deutlich unter dem Rekordwert von 91,2 Liter pro Quadratmeter innert einer Stunde (gemessen am 28. August 1997).

Die nachfolgende Radarbildserie zeigt eindrücklich, wie sich immer wieder am gleichen Ort Gewitterzellen bildeten und sich kaum verlagerten.

 

Radarbild 10.30 Uhr

Radarbild 10.30 Uhr

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Radarbild 11.00 Uhr

Radarbild 11.00 Uhr

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Radarbild 11.30 Uhr

Radarbild 11.30 Uhr

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Südlich der Alpen dauerte der Niederschlag mehr oder weniger den ganzen Tag über an, wobei die Niederschlagsintensität sukzessive abnahm. Trotzdem kamen während des Tages beträchtliche Niederschlagsmengen zusammen. Die höchste Tagessumme gab es in Lugano mit 131,7 Liter pro Quadratmeter (00-24 Uhr).
Soviel Regen innert 24 Stunden ist ungewöhnlich. In der langen, bis ins Jahr 1864 zurückgehenden Messreihe von Lugano gab es im Juli nur noch 3 mal höhere Tagessummen als in diesem Jahr. Nämlich am 11.7.1890 mit 206,4 l/m2, am 31.7.1979 mit 170,3 l/m2 und am 24.7.2000 mit 144,0 l/m2.
Ein ausführlicher Bericht zum Ereignis gibt es hier: Passaggio di un attivo fronte temporalesco

 

Verlagerung der Hauptniederschläge auf die Alpennordseite

Mit der weiteren Ostverlagerung des Tiefs auf Montag (14.7.), drehten die Winde allmählich auf Nord, sodass sich die Hauptniederschläge auf die Alpennordseite verlagerten. Insbesondere am Alpennordhang wurden beträchtliche Niederschlagsmengen registriert. Auf dem Napf fielen innerhalb von 12 Stunden 53 l/m2 und im sonst eher trockenen Chur ebenfalls 41 l/m2. Chur verzeichnete zudem mit 63.2 l/m2 die Höchste Tagessumme im Juli seit Messbeginn im Jahre 1958.

Trotzdem entspannte sich die Situation bei den Abflüssen recht rasch, denn durch die Abkühlung sank die Schneefallgrenze auf etwa 1800 m. Im Averstal (GR) sorgte die Niederschlagsabkühlung gar kurzzeitig für eine Schneedecke auf 1600 m. In Juf (2100 m) wurden am Montagmorgen 23 cm Neuschnee gemessen (Quelle: SLF).

 

So präsentierte sich die Bergwelt mitten in der Sommerferienzeit mancherorts in einem weissen Gewand, wie beispielsweise hier im Oberengadin:

 

Montag, 14.7.08: Murtel, 2700 m.ü.M.

Montag, 14.7.08: Murtel, 2700 m.ü.M.

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IR-Satellitenloop

IR-Satellitenloop vom 11.-13.7.2008

Tageswetterbulletin 11.7.08

Tageswetterbulletin 12.7.08

Tageswetterbulletin 13.7.08

Tageswetterbulletin 14.7.08

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