MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

25. November 2006 / Marco Stoll, Daniel Gerstgrasser

 

Mit Föhn ungewöhnlich hohe Temperaturen

 

Nachdem der gesamte Herbst im Norden bisher im Flächenschnitt etwa 3 Grad zu warm ausgefallen ist, sorgte der Föhn am Samstag, 25. November für einen weiteren Höhepunkt der Warmphase. Bereits zwischen dem 15. und 17. November 2006 wurden in den Föhntälern Temperaturen bis 20.3 Grad gemessen, während der aktuellen Föhnphase wurden noch etwas höhere Werte registriert.

 

Nur kurzfristiger Kälteeinbruch

Zwischen den oben erwähnten Föhnphasen ereignete sich in der Nacht auf Mittwoch, 22. November 2006 ein Kälteeinbruch, die Schneefallgrenze ist in den Morgenstunden kurzzeitig auf etwa 800 Meter gesunken. Mit der Polarluft gingen die Temperaturen vor allem in den Bergen markant zurück, auf dem Säntis wurden beispielsweise nur noch -11 Grad gemessen. In der Folge stellt sich die Grosswetterlage über Europa markant um. Als Folge ausgeprägter Tiefdruckaktivität über dem Nordatlantik drehten die Höhenwinde rasch über West auf Südwest. Bild 1 zeigt beispielhaft die dadurch entstandene Grosswetterlage.

 

Bodenanalyse mit Fronten, 25.11.06, 6 Uhr

Bild 1: Bodenanalyse vom Deutschen Wetterdienst DWD am 25. November 2006, 01 Uhr Lokalzeit

Quelle: DWDgross.gif, 37 KB

Maritime Subtropenluft

Bild 2 (unten) zeigt die Herkunft der Luftmassen, welche in der Nacht auf den Sonntag die Schweiz erreichten. In grosser Höhe (ca. 5500 m) überquerten die Luftmassen innert 4 Tagen den gesamten Atlantik (schwarze Linie). In den tieferen Schichten (rot: ca. 600m; blau: ca. 1500 m; grün: ca. 3000 m) lag die Luft vor 4 Tagen über der Mitte des Atlantiks zwischen 30 und 40° West. Insgesamt hatten wir die hohen Temperaturen also maritimer Subtropenluft zu verdanken.

 

Luftmassenherkunft

Bild 2: ECMWF-Rückwärtstrajektorien (=Luftmassenherkunft) vom 25. November 2006, 01 Uhr Lokalzeit. Weitere Erklärungen im Text.

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Föhnsturm in der Nacht auf Samstag und am Samstagmorgen

In der Nacht auf den Samstag und am Samstagvormittag erreichte der Föhn seine maximale Stärke. Gleichzeitig konnte er auch weit nach Norden vordringen und erreichte in der Westschweiz via Chablais den oberen Genfersee und in der Ostschweiz via Rheintal den östlichen Bodensee. Die Windkarte im Bild 3 zeigt die Windsituation um 7 Uhr morgens Lokalzeit. Der Föhn ist in allen bekannten Föhntälern durchgebrochen und stösst wie schon erwähnt weit nach Norden vor. Die Böenspitzen aus der gesamten Föhnperiode sind in Bild 4 dargestellt.

 

Windsituation, 25. November 2006, 07 Uhr

Bild 3: Windsituation am Morgen des 25. November 2006 um 07 Uhr Lokalzeit (Böenspitzen in km/h)

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Böenspitzen in km/h

Bild 4: Böenspitzen in km/h von Freitagabend bis Samstagnachmittag

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Bereits während der Nacht erreichten die Temperaturen in den Föhnregionen 19 bis 21 Grad, so zum Beispiel im Urner Reusstal. Bild 5 zeigt einen Verlauf des Windes, der Temperatur und der relativen Feuchtigkeit einiger ausgewählter Stationen in den Föhnregionen. An der Station Altdorf zeigen sowohl die Böenspitzen als auch die Windgeschwindigkeit ein Maximum um 5 Uhr Lokalzeit. Während des ganzen Zeitraums lag die Lufttemperatur bei knapp 20 Grad. Im Chablais (Station Aigle) liess der Föhn am frühen Morgen kurzzeitig nach: vorübergehend drang deutlich kühlere und feuchtere Luft vom Genfersee ins untere Rhonetal vor, um im Verlauf des Vormittags wieder der warmen und trockenen Föhnluft zu weichen. Umgekehrt war die Situation im Haslital im Berner Oberland, wo der Föhn nur für einen kurzen Moment bis zur Station Brienz vorstiess. In Altenrhein ist das Föhnende am Morgen durch einen markanten Temperaturrückgang und einem Anstieg der relativen Feuchtigkeit ersichtlich: mit der zurückfliessenden Kaltluft gingen die Temperaturen in Altenrhein in wenigen Minuten von 21 Grad auf 11 Grad zurück, gleichzeitig drehte der Wind auf Nordwest.

 

Verlauf der Böenspitzen, der mittleren Windgeschwindigkeit, Temperatur und relativen Feuchtigkeit an ausgewählten Stationen in den Föhnregionen.

Bild 5: Verlauf der Böenspitzen, mittleren Windgeschwindigkeit, Temperatur und relativen Feuchtigkeit an ausgewählten Stationen in den Föhnregionen.

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Hohe Temperaturen auch ausserhalb der Föhnregionen

In den eigentlichen Föhntälern wurden die Höchstwerte an einigen Stationen erst im Laufe des Nachmittages erreicht - die Temperaturen stiegen mit der Sonneneinstrahlung noch etwas an. Bild 6 zeigt die Tageshöchstwerte. Am wärmsten war es mit 22.2 Grad in Bad Ragaz. Auch ausserhalb der Föhnregionen wurden teils aussergewöhnlich hohe Werte gemessen, so zum Beispiel mit 19.4 Grad in Genf und 19.6 Grad in Fahy (Ajoie). Der durchgreifende Südwestwind hat an diesen zwei Standorten die bodennahe Kaltluft ausgeräumt und für diese Erwärmung gesorgt.

 

Tageshöchsttemperaturen vom Samstag 25. November 2006

Bild 6: Tageshöchsttemperaturen vom Samstag 25. November 2006.

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Rekordwerte oder nicht?

Betrachtet man nur die letzte Novemberdekade (21. bis 30. November), so wurden an den meisten Föhnstationen neue Rekorde verzeichnet, dies gilt auch für Genf und Fahy. Nimmt man allerdings den Monat Dezember dazu, wurden zur Monatsmitte zum Teil auch schon höhere Temperaturen registriert. So zum Beispiel am 16. Dezember 1989 in Vaduz mit 22.2 Grad, in Glarus mit 22.3 Grad und in Altdorf mit 21.3 Grad. Selbst in Genf war es an diesem Tag mit 19.8 Grad noch etwas wärmer. In Fahy (Ajoie) wurde an diesem Tag mit 22.3 Grad absoluter Dezemberrekord registriert.
Höchstwerte vom 16. Dezember 1989:

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Die Wetterlage vom 16. Dezember 1989 ist mit der aktuellen Lage übrigens sehr gut vergleichbar. Auch damals bestimmten südwestliche Höhenwinde und Föhn in den Alpen das Wettergeschehen, allerdings war die Strömung stärker tiefdruckbestimmt.

 

Föhnböen im normalen Bereich

Die gemessenen Böenspitzen in den Alpentälern sind für eine ausgeprägte Föhnlage nicht aussergewöhnlich. Für die verschiedenen Föhnstationen im Messnetz der MeteoSchweiz gelten folgende Rekordwerte:

Gütsch ob Andermatt: 226 km/h am 16./17. Dezember 1983

Altdorf: 158 km/h am 13. Dezember 1981

Vaduz: 149 km/h am 6./7. Januar 1994

 

Föhnstimmung über dem Zürichsee

Bild 7: Föhnstimmung über dem Zürichsee bei Sonnenaufgang am 25. November 2006 (Foto: Ruedi Wyss)

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Tageswetterbulletin, 25. November 2006

Tageswetterbulletin

Im Tageswetterbulletin (pdf-Version) finden Sie zusätzliche Informationen zur Wetterlage, welche die hohen Temperaturen verursacht hat (Bodenwetterkarte mit Fronten, Höhenwetterkarte, Radiosondierung, Messwerte...).Tageswetterbulletin.pdf, 316 KB
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