MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

26. Dezember 2008 / Michael Kasper, Daniel Gerstgrasser

 

Bisensturm im Mittelland, Schnee im Tessin am 26. Dezember 2008

 

In der Nacht vom Weihnachtstag auf den Stephanstag fegte eine starke Bise durchs Mittelland. Diese brachte kontinentale und trockene Kaltluft nach Mitteleuropa, sodass sich der Hochnebel fast überall auflöste. Im Tessin fiel über Nacht Schnee bis in die tiefsten Lagen und sorgte dort für eine weisse Überraschung am zweiten Weihnachtsfeiertag.

 

Allgemeine Wetterlage

Die Schweiz lag über die Weihnachtstage am Südrand eines kräftigen Hochs mit Zentrum über Dänemark. In der Nacht zum 26. Dezember 2008 zog ein kleines Höhentief über die Südalpen hinweg nach Südfrankreich. Damit verbunden floss mit einer kräftigen Ostströmung beidseits der Alpen Kaltluft heran.
Die nachfolgende Animation zeigt schön die Verlagerung des Höhentiefs von Ost nach West:

 

Höhenkarte mit Isohypsen (Linien) und Temperaturen (Farben) auf 500 hPa

Bild 1: Höhenkarten mit Isohypsen (Linien) und Temperaturen (Farben) auf 500 hPa (ca. 5500 Meter) vom 25.12 18 UTC - 26.12. 12 UTC

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Bisensturm im Mittelland

Im Laufe des Weihnachtstages frischte die Bise auf der Alpennordseite allmählich auf. Sie verstärkte sich am Abend und erreichte in der Nacht auf den Stephanstag ihr Maximum. Gleichzeitig floss in Zusammenhang mit dem Höhentief aus Osten kalte Luft heran.
Aussergewöhnlich stark blies die Bise im östlichen Mittelland. So wurden am Flughafen Kloten beispielsweise Böenspitzen von 90 km/h registriert. Auf der Lägern (868 m) waren es 104 km/h. Auch am Bodensee waren die Winde stürmisch, so wurden in Steckborn und in Schaffhausen 93 km/h gemessen (siehe dazu auch Bild 2 und Bild 3).

 

So starke Winde sind bei Bise in der Ostschweiz sehr selten. Am ehesten werden solche Windspitzen bei Bise in der Westschweiz zwischen dem Genfer- und Neuenburgersee gemessen. In Genf wurden beispielsweise am 14. November 2004 95 km/h, und auf der La Dôle am 13. Februar 1984 178 km/h gemessen. Im aktuellen Fall wurden im Westen - mit Ausnahme der Stationen Neuenburg und Mathod - tiefere Böenspitzen als im Osten gemessen. Dies vor allem deshalb, weil die Strömung in den unteren Schichten eine deutliche Ost- bis Südostkomponente aufwies. Damit erfolgte die Kanalisierung der Strömung zwischen dem Jura und den westlichen Voralpen weniger effektiv als bei sauberer Nordostanströmung.

 

Bodendruckverteilung (Isobaren) mit Satellitenbild am Freitagmorgen

Bild 2: Bodendruckverteilung (Isobaren) mit IR-Satellitenbild am Freitagmorgen: hoher Druck über Dänemark mit 1046 hPa, tiefer Druck über dem Mittelmeerraum mit 1010 hPa. Die Bise im Mittelland wird durch die grossen Druckdifferenzen zwischen Bodensee und Genfersee angetrieben. Die maximale Differenz betrug am frühen Morgen etwa 9 hPa.

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Böenspitzen in km/h Donnerstag, 25.12. 19 Uhr bis Freitag, 26.12. 11 Uhr

Bild 3: Böenspitzen in km/h im Messnetz von MeteoSchweiz von Donnerstag, 25.12. 19 Uhr bis Freitag, 26.12. 11 Uhr

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Guggiföhn im Jungfraugebiet

Da die Höhenwinde mit der Westverlagerung des oben erwähnten Höhentiefs auf Südost drehten, kam in der Jungfrauregion erneut der berüchtigte Guggiföhn auf. So wurden am Morgen auf der Kleinen Scheidegg im Messnetz der Jungfraubahnen Böenspitzen von fast 170 km/h registriert, am Lauberhorn waren es an der privaten Station von Meteomedia sogar 189 km/h. Diese Windspitzen sind zwar extrem, allerdings liegen sie tiefer als während des Föhnsturms vom 14. Dezember 2008.
 

Ebenfalls bemerkenswert ist, dass in den nach Osten und Südosten ausgerichteten Alpentälern der Föhn zum Teil bis in die Täler vorstiess. Dies war zum Beispiel im Zentral- und Unterwallis der Fall. In Aigle wurden am späten Vormittag +7.7 Grad registriert, während weiter nördlich im Mittelland die Temperaturen um den Gefrierpunkt verharrten.

 

Weisser Stephanstag im Tessin und Misox

Während man sich auf der Alpennordseite in den tiefen Lagen vielerorts mit grünen Weihnachten begnügen musste, wurde es in der Schweizer Sonnenstube in der Nacht zum Stephanstag weiss. Hier floss mit den kalten Ostwinden feuchte Luft heran und sorgte verbreitet für Schneefall. Wegen der sehr kalten Luftmasse fiel der Schnee recht locker und pulvrig mit tiefen Wasserwerten. Bei der etwa 160 Meter über dem Langensee gelegenen Station Locarno-Monti wurden am Morgen des 26. Dezembers 2008 18 cm Neuschnee gemessen. In Piotta und in Grono im unteren Misox sowie in Lugano waren es jeweils 10 cm, in Locarno-Magadino 5 cm Neuschnee (siehe Bild 4).

Mehr zum Weihnachtsschnee ist hier zu finden: Una neve leggera, leggera ...

 

Neu- und Gesamtschneehöhe am 26.12.08

Bild 4: Neu- und Gesamtschneehöhe aus dem Messnetz der MeteoSchweiz, gemessen am Morgen des 26. Dezembers 2008

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Novazzano (Südtessin), 26.12.08

Bild 5: Novazzano (Südtessin) am Vormittag des 26. Dezembers 2008

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Lugano, 26.12.08 (Quelle www.rtsi.ch)

Bild 6: Lugano am Vormittag des 26. Dezembers 2008 (Quelle www.rtsi.ch)

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Bild 7: MeteoSchweiz Standort in Locarno-Monti: Winterlicher Blick auf den Lago Maggiore

Bild 7: MeteoSchweiz Standort in Locarno-Monti: Winterlicher Blick auf den Lago Maggiore

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