MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

31. Mai 2003 / MeteoSchweiz

 

Schweres Hagelgewitter

 

Erstes schweres Hagelgewitter vom 8. Mai 2003

Hebung warmfeuchter Luft
Für schwere Gewitter mit Hagel war die Wetterlage (Bild1) nicht ganz typisch, dennoch waren gewisse Voraussetzungen erfüllt. Ein flaches Tief zog von Spanien Richtung Frankreich, dabei wurde im Vorfeld einer schwachen Kaltfront recht warme und vor allem feuchtere Luft in Richtung Westschweiz geführt. Vor der Front fand noch ein Hebungsprozess statt, welcher die vorhandene Labilität verstärkte. Die Bedingungen für die Bildung von Gewitterzellen waren damit bereits erfüllt. Anhand der Radiosondierung Payerne von 12Z (also 14.00 MESZ) konnte man mit hochreichenden Gewitterzellen rechnen. Die Windrichtungen und auch das Satellitenbild liessen vermuten, dass die Zugrichtung von Gewitterzellen Richtung Norden verlaufen sollte. Aufgrund der noch recht trockenen Föhnluft in den zentralen und östlichen Landesteilen rechnete man lediglich mit Gewittern im Westen.

Die ersten Schauerzellen erfasste das RADAR am Genfersee und über dem westlichen Jura um 16.30 MESZ. Um 18.00 MESZ zeigte das Satellitenbild eine mächtige Gewitterzelle die innert kürzester Zeit enorme Ausmasse erreicht hatte. Sie wurde so gross, dass sie eine gewisse Eigendynamik entwickelte wie das bei sogenannten (bei uns eher seltenen) Superzellen vorkommt. Dabei ziehen die stärksten Echos (mit Hagel) nicht in der allgemeinen Zugrichtung, sondern eher nach rechts. Deshalb zogen die Gewitter- und Hagelzüge eher ostwärts als nach Norden. Die stärksten Radarechos, welche auf Hagel hinweisen (in Bild 2 violett und weiss) erreichten die Tropopausenhöhe bei etwa 11 km. Die Gewitterwolke stiess aufgrund der hohen Bewegungsenergie bis gegen 15 km hinauf.

 

Bodenkarte vom 08. Mai 2003

Synoptische Bodenkarte vom 8. Mai 2003 um 14.00 Uhr

Radarkarte

Vertikalprofil der Radarreflektivität, Quelle: ETHZ-Radar

Hühnereigrosse Hagelkörner

Der aktivste Teil dieses ungewöhnlichen Gewitters zog vom Napfgebiet um 18.00 Uhr über die Innerschweiz und erreichte gegen 21.00 Uhr das Gebiet östlich des Zürichsees. Anschliessend verlagerte sich der Kern unter leichter Abschwächung bis über die Region Schaffhausen-Kreuzlingen.

Aus verschiedenen Gebieten wurde Hagelschlag gemeldet. Die Körner, welche eine Grösse von bis zu 4 cm (Bild3) oder mehr erreichten, entlaubten teilweise auch Bäume. Trotz der Stärke des Gewitters in Bezug auf Blitztätigkeit und Hagel, waren die Niederschlagsmengen verhältnismässig bescheiden. Von unseren Messstationen registrierte die Station MeteoSchweiz/Zürichberg mit 36 mm die grösste Menge, wobei 18.4 mm innerhalb von 10 Minuten herunterprasselten. Die mit den Gewittern verbundenen Windböen erreichten auf unserem Messnetz Spitzen von 50-85 km/h.

 

vier centimeter grosses hagelkorn

4 cm grosses Hagelkorn Quelle: Hans Oetterli, Kriens

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