Vor 10 Jahren, am 1. März 1999, setzte der Breitling Orbiter 3, ein Heissluftballon mit der Technik einer Rozière, in Château-d’Oex im Waadtland zum Höhenflug an, um als erster Ballon die Welt zu umkreisen. Bereits 1995 wurden meteorologische Machbarkeitsstudien für diese Fahrt initiiert. Sie führten zu den Schlussfolgerungen, dass der Ballon in Höhen von über 8000 Metern fahren können muss. Aus diesem Grund entwickelten die Konstrukteure des Projekts eine Gondel, die eine Druckregelung ermöglichte. Zwei Versuche schlugen fehl. 1997 landete der Ballon im Mittelmeer, 1998 in Birma. Im Winter 1998/99 verschärfte sich die Konkurrenz, da auch andere Mannschaften versuchten, die erste Weltumrundung im Ballon zu realisieren.
Das Wetter - weltweit und komplex
Die Herausforderungen für die zwei Meteorologen der Expedition, Luc Trullemans (Institut Royal de Météorologie, Belgique) und Pierre Eckert (Météo Genève, MeteoSchweiz), waren vielseitig. Besonders heikel war die Wahl eines Abflugtermins. Während der Fahrt mussten die Meteorologen nicht nur die ideale Höhe für den Ballon aufgrund der vorhergesagten meteorologischen Bedingungen finden, sondern auch darauf achten, dass die Weisungen der chinesischen Regierung eingehalten werden: Der Breitling Orbiter 3 musste das chinesische Territorium südlich des 26ten Breitengrades überfliegen. Ab November 1998 simulierten die beiden Spezialisten zahlreiche Flugbahnen, um das beste Zeitfenster für den Abflug zu finden. Eine Lösung zeigte sich schliesslich Ende Februar 1999 in den Vorhersagen. Der Abflug wurde für den Morgen des 1. März 1999 festgelegt.
Der Abflug vom Pays d'En-haut am 1. März 1999
Ein 20-tägiges Abenteuer
Die Meteorologen überwachten die Ballonfahrt permanent während 20 Tage. Mehrere kritische Passagen mussten nach dem Überflug von China bewältigt werden, insbesondere ein nicht vorgesehener Umweg zum 9ten Längengrad über dem Pazifik und eine Korrektur der Flugbahn in Richtung Süden über Honduras. Die Landung fand am Morgen des 21. März inmitten der Wüste in Ägypten statt. Eine Beschreibung der Weltumrundung aus meteorologischer Sicht ist im folgenden Dokument (auf Englisch) zu finden.
Breitling_Orbiter_3_in_ECMWF_newsletter.pdf, 363 KB
Die täglichen Positionen des Ballons Breitling Orbiter 3 illustrieren den Abflug Richtung Westen und den Bogen Richtung Äquator über dem Pazifik.
Die Erfolge der numerischen Modelle setzen sich fort
Die Weltumrundung im Ballon demonstriert wunderbar, wie numerische Vorhersagemodelle auf dem gesamten Globus angewendet werden können. Seit der Ballonfahrt im Jahr 1999 haben sich die Modelle deutlich verbessert. Sie zeigen nicht nur mehr regionale Details, sondern erlauben auch zuverlässige Vorhersagen über 5 bis 7 Tage zu erstellen. Die Berechungen der Flugbahn, die es ermöglichten den Ballon zu steuern, werden heute häufig eingesetzt, insbesondere um die Ausbreitung von Luftschadstoffe in der Atmosphäre zu verfolgen.
Nachbau von Breitling Orbiter 3 |
