MeteoSchweiz

Medienmitteilungen

25. März 2010

 

Ein halbes Jahrhundert Satellitenmeteorologie

 

Seit 50 Jahren beobachtet der Mensch das Wetter vom Weltall aus. Mit dem amerikanischen Satelliten TIROS-I begann am 1. April 1960 eine neue Ära der Meteorologie. Die Beobachtung der Wolken aus grosser Höhe über weiträumige Gebiete hinweg und die Möglichkeit, meteorologische Grössen zu erheben, die bis anhin nicht zugänglich waren, veränderte die Meteorologie grundlegend. Sie ermöglichen eine effiziente Überwachung des Wetters, tragen zur Verbesserung der Wetterprognosen bei und unterstützen die weltweite Beobachtung des Klimawandels. In Europa betreibt EUMETSAT die Wettersatelliten. Von den EUMETSAT-Daten profitiert auch die Schweiz, denn sie ist Mitglied dieser internationalen Organisation und wird dort vertreten durch MeteoSchweiz.

 

Ein heute unverzichtbares Werkzeug
Der Start des amerikanischen Satelliten TIROS-I am 1. April 1960 ermöglichte erstmals die kontinuierliche Beobachtung des Wetters, insbesondere der Wolkendecke, vom Weltall aus. Heute liefern Wettersatelliten flächendeckende Informationen über den Zustand der Atmosphäre. Selbst komplett unbewohnte Regionen, wie Ozeane und Polargebiete, welche die Wetterentwicklung weltweit wesentlich beeinflussen können, lassen sich damit erkunden.

Satellitendaten eröffnen neue Möglichkeiten
Satellitendaten eröffnen den Meteorologinnen und Meteorologen völlig neue Möglichkeiten. So lässt sich damit beispielsweise auch nachts die Nebelentwicklung im Schweizer Mittelland überwachen, eine wichtige Information für Flughäfen und Strassenverkehr. Es lässt sich erkennen, ob Wolken über dem Atlantik aus Eiskristallen oder Wassertropfen zusammengesetzt sind. Auch in entlegenen Gegenden machen die Satelliten Feuchtigkeitszonen oder umweltschädliche Substanzen sichtbar. Die Wetterdienste können zudem mithilfe der Satellitendaten heftige Gewitterzellen frühzeitig erkennen und bei Bedarf die zuständigen Behörden oder die Polizei alarmieren.


Zahlreiche Satellitendaten fliessen in Computer-Wettermodelle ein. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit der Satellitendaten und der Verfeinerung der Auswerteverfahren verbesserten sich diese Modelle in den vergangenen Jahrzehnten deutlich und ermöglichten damit eine kontinuierliche Verbesserung der Wetterprognosen. So ist heute die Zuverlässigkeit einer 5-Tages-Prognose gleich hoch wie vor 25 Jahre die Zuverlässigkeit einer 3-Tages-Prognose. Satellitendaten tragen zudem zum besseren Verständnis der Klimaänderung bei. Sie ermöglichen beispielsweise, die Veränderungen des globalen Strahlungshaushalts der Erde oder der Temperatur in der Höhe zu beobachten.

Die internationale Zusammenarbeit ist unerlässlich
Meteorologische Satelliten sind teuer. Planung und Entwicklung, der Transport in die Erdumlaufbahn, der langfristiger Betrieb und die Verarbeitung und Verbreitung ihrer Daten ist derart kostspielig, dass kaum ein Land es vermag, einen Satelliten selbstständig zu bauen und zu betreiben. Aus diesem Grund schlossen sich 1986 17 europäische Länder, darunter die Schweiz, zusammen, um im Bereich der Satellitenmeteorologie zu kooperieren. Es entstand EUMETSAT, mit Sitz in Darmstadt, Deutschland. Heute sind 26 Mitgliedsländer in EUMETSAT vertreten, weitere 5 Länder haben Kooperationsvereinbarungen unterschrieben.


Gerade die Schweiz profitiert von dieser europäischen Zusammenarbeit: sie muss nur 3 Prozent der Kosten von EUMETSAT tragen, bekommt aber 100 % des meteorologischen Nutzens. Die Schweiz profitiert zudem als Forschungspartner und von technisch-wissenschaftlichen Synergien auf internationalem Niveau.


Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz vertritt die Schweiz in EUMETSAT. Direkt involviert ist das Regionalzentrum Locarno-Monti, das als Kompetenzzentrum für Satellitenmeteorologie wichtige Aufgaben in den technisch-wissenschaftlichen Gremien von EUMETSAT wahrnimmt. Locarno-Monti koordiniert zudem den Empfang und die Verarbeitung der Satellitendaten in Echtzeit für die ganze MeteoSchweiz.


Weitere Auskünfte
Igor Giunta, Satellitenmeteorologie Spezialist, 091 756 23 25
Marco Gaia, Verantwortlicher des Standorts Meteo Locarno, 091 756 23 24

 

Weitere Informationen

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